Börsenschluss Dax und Dow stürzen parallel

General Motors hat die eigene Überlebensfähigkeit infrage gestellt und damit eine Verkaufswelle ausgelöst: Der Dow rutschte um rund 4 Prozent - und damit erstmals seit zwölf Jahren unter die 6600-Punkte-Marke. Der Dax verlor 5 Prozent und stürzte unter 3700 Zähler. Hart traf es Finanztitel: Die Aktie der Citigroup kostete nur noch rund einen Dollar.

Frankfurt am Main - Nach dem Erholungsversuch vom Vortag ist am Donnerstag die Angst an die Börse zurückgekehrt. Verstärkt wurde der Abwärtstrend Börsianern zufolge von einem pessimistischen Konjunkturausblick der Europäischen Zentralbank und fallenden Kursen an der Wall Street.

Der Dax  beendete den Xetra-Handel mit einem Verlust von 5,02 Prozent und schloss bei 3695 Punkten. Der MDax  verlor 5,44 Prozent auf 4309,32 Zähler. Der Technologieindex TecDax  fiel um 4,7 Prozent auf 418,99 Stellen. Am Vortag hatten die führenden deutschen Indizes Gewinne von teilweise mehr als 5 Prozent erzielt, die durch den heutigen Handelstag praktisch wieder aufgezehrt worden sind.

An der New Yorker Wall Street lag der Dow Jones  zum Handelsschluss 4,09 Prozent im Minus bei 6594,44 Zählern - und damit erstmals seit 1997 wieder unter der 6600-Punkte-Schwelle. Der marktbreite S&P-500-Index fiel um 4,25 Prozent auf 682,55 Stellen und riss damit deutlich die Schwelle von 700 Punkten. Der Composite-Index  der Technologiebörse Nasdaq verlor darüber hinaus 4 Prozent auf 1299,59 Punkte.

GM stellt eigenes Überleben infrage

In New York sorgten Spekulationen um die Zukunft der taumelnden Opel-Muttergesellschaft General Motors  (GM) für Verunsicherung. Diese hatte ihre eigene Überlebensfähigkeit infrage gestellt und mitgeteilt, möglicherweise Gläubigerschutz anmelden zu müssen. Die Aktie von GM gab daraufhin mehr als 10 Prozent nach. Zudem machten der Wall Street anhaltende Sorgen um die Finanzsparte des Mischkonzerns General Electric zu schaffen.

Ein pessimistischer Konjunkturausblick der Europäischen Zentralbank für 2010 sowie schlechte Daten vom US-Immobilienmarkt verstärkten den Abwärtstrend. Positive Signale von den Arbeitsmarktdaten und vom Einzelhandelsriesen Wal-Mart  wurden von der schlechten Stimmung überschattet. "Wenn die Anleger das Wort Insolvenz hören, bringt das sofort negative Assoziationen", kommentierte Andre Bakhos, Präsident der Princeton Financial Group. "Der Markt wird nur noch von Emotionen getrieben."

EZB: Zinsen auf Rekordtief, Einbruch der Euro-Konjunktur erwartet

Tiefstand: EZB drückt Zinsen auf 1,5 Prozent

Die Leitzinssenkung der EZB gab dem Markt nur geringe Impulse, pessimistische Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sorgten im Tagesverlauf jedoch für bröckelnde Kurse.

Die EZB hatte am Mittag den Leitzins für den Euroraum wie erwartet um 0,5 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent. Damit liegt der Leitzins so niedrig wie noch nie seit Gründung der europäischen Währungsunion im Jahr 1999.

Die europäische Notenbank hatte zusammen mit ihrer Zinssenkung am Donnerstag ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum deutlich nach unten korrigiert. Sie erwartet für 2009 nun, dass die Wirtschaft in der Eurozone um 2,7 Prozent schrumpfen wird. "Dies ist ein Signal, dass uns die Finanzkrise noch einige Zeit zu schaffen machen wird", sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus.

Finanzwerte im Dax brechen erneut ein

Münchener Rück und Postbank tief im Minus

Bei den Finanztiteln stachen Postbank mit minus 11,5 Prozent auf 7,55 Euro besonders deutlich hervor. Die Postbank steht ebenso wie Infineon als Dax-Absteiger fest. Der Versicherer Hannover Rück sowie Fresenius rücken dafür in den Index auf.

Münchener Rück verloren 11,17 Prozent auf 82,61 Euro. Allianz sackten um 9,89 Prozent auf 49,04 Euro. Händler verwiesen auf die schwachen Vorgaben der US-Finanztitel. "Es fehlt das Vertrauen am Markt", sagte ein Händler mit Blick auf die drastischen Kurseinbußen der Branche.

Salzgitter brechen nach Zahlen ein

Schwächster Dax-Wert war jedoch der Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter. Dessen Titel fielen nach Zahlen um 16,06 Prozent auf 42,50 Euro. Die Wirtschaftskrise erwischte den Stahlkonzern mit voller Wucht.

Nachdem sich die Märkte bereits zum Jahresende 2008 dramatisch verschlechtert haben, rechnet der zweitgrößte deutsche Stahlkocher in der ersten Hälfte dieses Jahres nun wegen ausbleibender Bestellungen sogar mit roten Zahlen. Händler nannten den Ausblick "grottenschlecht".

Zykliker wie BASF auf der Verkaufsliste

Zykliker standen insgesamt weit oben auf der Verlierer-Liste. ThyssenKrupp und BASF sackten ebenfalls deutlich ab. "Die Erwartungen an das chinesische Konjunkturprogramm waren sehr hoch und sind enttäuscht worden", sagte Heino Ruland von Ruland Research. "Das belastet vor allem deutsche Werte, da diese am Vortag besonders deutlich von der Hoffnung auf ein größeres Paket profitiert hatten", fügte der Experte hinzu.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere von 2,85 Prozent am Vortag auf auf 2,89 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,16 Prozent auf 122,63 Punkte. Der Bund Future stieg um 0,99 Prozent auf 125,76 Punkte. Der Kurs des Euro blieb unverändert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs wie am Mittwoch auf 1,2555 Dollar fest. Ein Dollar kostete damit weiterhin 0,7965 Euro.

Ölpreis erneut im Rückwärtsgang

Die gestrigen Kursgewinne an den Metall- und Ölmärkten in Erwartung einer Nachfragebelebung in China sind am Donnerstag wieder verpufft.

"Die Euphorie von Mittwoch könnte etwas verfrüht gewesen sein", sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. "Der wirtschaftliche Ausblick ist weiter sehr düster", sagte Rohstoff-Experte Christopher Bellew von Bache Commodities.

Der Kupferpreis, der am Vortag kräftig gestiegen war, sank um 1,1 Prozent auf 3700 Dollar je Tonne. Auch Zink und Aluminium verbilligten sich.

Zudem fiel auch der Ölpreis: Das Fass US-Leichtöl WTI verbilligte sich am Donnerstag um 2,6 Prozent auf 44,20 Dollar, Brent wurde 3 Prozent niedriger bei 44,74 Dollar gehandelt. Der Ölpreis schwankt seit Jahresbeginn um die Marke von 40 Dollar je Barrel.

manager-magazin.de mit Material der Nachrichtenagenturen

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