Börsenschluss Dax schließt 200 Punkte schwächer

Der Dow fällt um mehr als 100 Punkte, und auch der Dax stürzt tief. Der Leitindex schließt am Freitag mit einem Verlust von 4,8 Prozent nur knapp über der Marke von 4000 Punkten. Das ist der tiefste Stand seit November 2004. Bankentitel kommen einmal mehr kräftig unter die Räder.

Frankfurt am Main - Die düsteren Aussichten für die Konjunktur und die Angst vor neuen Abschreibungen bei den Banken haben den Dax  zum Wochenausklang kräftig ins Minus gedrückt. Der Leitindex Dax sackte mit minus 4,8 Prozent auf 4014 Zählern auf dem tiefsten Stand seit Anfang November 2004 ab. Im Wochenverlauf büßte er damit 9 Prozent ein. Der MDax fiel um 4,3 Prozent auf 4747 Punkte. Beim TecDax ging es um 4,4 Prozent auf 460 Zähler nach unten. Zu Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones  1,8 Prozent tiefer bei 7327 Punkten

Größter Dax-Verlierer waren die Aktien der Deutschen Bank . Einziger Dax-Gewinner waren die Aktien von Fresenius Medical Care mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 34,22 Euro.

"Die Wirtschaftsdaten geben keinerlei Anlass, auch nur ein kleines Licht am Ende des Tunnels zu sehen", sagte Helaba-Aktienstratege Christian Schmidt und verwies unter anderem auf die jüngsten Statistiken zum US-Arbeitsmarkt. Auch die bisher vorgelegten Bilanzen der deutschen Unternehmen zeichneten ein düsteres Bild.

Auch die Börsenentwicklung in Japan, wo der marktbreite Topix Index auf ein 25-Jahres-Tief gefallen ist, sei ein sehr markantes Indiz für einen Abwärtstrend. "Auffällig ist, dass sich die Handelsvolumina erhöhten, je weiter die Kurse nach unten gehen", sagte Schmidt.

Einziger Gewinner im Dax 30 waren die Titel von Fresenius Medical Care , nachdem mehrere Analysten ihre Kursziele angehoben hatten. Die Anteilsscheine gewannen 0,50 Prozent auf 34,22 Euro hinzu.

Dow Jones setzt Talfahrt fort - Finanztitel schwach

In den USA hatte der Dow Jones  am Vortag das tiefste Niveau seit sechseinhalb Jahren erreicht - und baute am Freitag seine Verluste weiter aus. Gegen 17.51 Uhr (MEZ) betrug der Abschlag rund 200 Punkte oder 1,9 Prozent auf 7326 Zähler.

Sorgen über mögliche weitere nötige Verstaatlichungen im Bankensektor sorgten für kräftige Verluste bei den Bankentiteln. "Derzeit richten sich die Gerüchte verstärkt auf die Citigroup  und die Bank of America ", sagte ein Händler. Mit der Kursentwicklung der vergangenen Wochen wäre selbst eine gesunde Bank in Schwierigkeiten, hieß es am Markt.

Unterdessen berichtet das "Wall Street Journal", dass sich die Citigroup Kreisen zufolge von einem Großteil ihrer Minderheitsbeteiligung am brasilianischen Kreditkartenunternehmen Redecard trennen will.

Quartalszahlen an der Wall Street enttäuschen

Enttäuscht zeigten sich Anleger unterdessen von den Zahlen von Lowe's Companies und schickten die Aktie nach unten. Die Baumarktkette verbuchte im vierten Quartal einen Gewinnrückgang und verfehlte damit die Analystenerwartungen knapp. Besonders bemängelt wurde am Markt aber der Gewinnausblick auf das erste Quartal, der deutlich niedriger ausfiel als erwartet.

J.C. Penney legen ebenfalls Ergebnisse zum Schlussquartal vor. Analysten erwarten für den Einzelhändler einen Gewinnrückgang von 1,93 Dollar je Aktie im Vorjahresquartal auf nun 0,92 Dollar je Anteilsschein.

Commerzbank und Deutsche Bank im freien Fall

Besonders abgestraft wurden auch in Deutschland wieder einmal die Finanzwerte, nachdem in den USA neue Spekulationen über weitere Verstaatlichungen von Banken die Runde gemacht hatten. In Frankfurt waren Aktien der Commerzbank  mit einem Minus von 8,55 Prozent auf 2,83 Euro einer der schwächsten Werte im Dax. Deutsche Bank  verloren 9,58 Prozent auf 18,35 Euro. Doch auch das Dax-Schwergewicht Allianz  verloren knapp 9 Prozent.

Mit Blick auf die Postbank verwies ein Händler darauf, dass die Ratingagentur Fitch deren Kreditwürdigkeitseinstufung zurückgenommen habe. Zudem gab es eine Abstufung der Aktie durch die Societe Generale, die belastete. Papiere der Postbank  konnten einen Teil ihrer Verluste zum Handelsschluss wieder abbauen und büßten 2,81 Prozent auf 9,00 Euro ein.

Aktien der Hypo Real Estate ein Spielball der Zocker

Dax: Vierjahrestief im Blick

Zuletzt hatte der Dax im November 2004 auf dem Niveau von 4000 Zählern notiert. Bereits diese Woche war für die Anleger am deutschen Aktienmarkt alles andere als ein Quell der Freude: Der Dax  verlor in dieser Woche rund 9 Prozent. Finanzwerte, wie die Papiere der Commerzbank, gerieten massiv unter Druck, Geschäftszahlen, etwa von Daimler, enttäuschten.

"Insgesamt können wir für die Aktienmärkte weiterhin keine Entwarnung geben", stellen die Analysten der Landesbank Berlin fest. "Die wirtschaftlichen Hiobsbotschaften dürften die Investoren noch die nächsten Monate begleiten und immer wieder Druck auf die Aktienkurse ausüben."

HRE verlieren erneut deutlich

Heiß diskutiertes Gesprächsthema am Markt blieb die Zukunft der Hypo Real Estate  (HRE). Daneben trieben die Preisvorstellungen von Großaktionär Flowers, der drei Euro je HRE-Aktie als fair bezeichnet hatte, die Anzahl der Verkaufsaufträge. "Das ist eine utopische Zahl, so eine Forderung macht das Thema Enteignung wieder wahrscheinlicher", sagte ein Börsianer.

Die Aktien des Immobilienfinanzierers gingen 19 Prozent leichter aus dem Handel bei 1,33 Euro und waren damit größter Verlierer im MDax .

MDax: MLP rauschen in den Keller

Swiss Life sorgt für Unruhe bei MLP

Auch bei MLP  arbeiteten Händler weiter Verkaufsorders ab. Die Titel brachen in der Spitze um rund 20 Prozent ein, und gingen letztlich 12 Prozent leichter auf 7,44 Euro aus dem Handel. Am Vortag hatten Informationen aus Kreisen, wonach Großaktionär Swiss Life  seine Beteiligung auf unter 10 Prozent reduzieren wolle, den Kurssturz ausgelöst.

Am Freitag teilte der Schweizer Lebensversicherer mit, eine Wertberichtigung von rund 100 Millionen Euro auf seine Beteiligung an dem Finanzmakler vorgenommen zu haben. Swiss Life dämpfte zugleich die Erwartung einer Kapitalerhöhung und sorgte damit für einen zeitweise knapp 15-prozentigen Kurssprung der eigenen Aktie.

Bei Anteilsscheinen von HeidelbergCement  führten Sorgen über die Kapitalausstattung zu Kursverlusten von knapp 9 Prozent auf 24,35 Euro. Händler sprachen von sehr vagen Gerüchten und Spekulationen um finanzielle Probleme bei dem Baustoffkonzern. Ein Händler verwies allerdings auf die Meldungen der französischen Wettbewerber Lafarge  und Saint Gobain , die am Morgen jeweils Kapitalmaßnahmen angekündigt hatten. Hieraus resultierte die Sorge um HeidelbergCement.

Die Aktien von Pfleiderer  fielen nach Zahlen um 5,18 Prozent auf 4,21 Euro. Der Möbel- und Bauzulieferer hatte wegen des Konjunktureinbruchs im vierten Quartal das abgelaufene Jahr mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang beendet. "Zwar dürfte der gute Cash Flow die Aktie etwas stabilisieren, doch die Ergebnisse haben die Erwartungen leicht verfehlt", kommentierte ein Händler.

TecDax: Solarwerte schwach, Q-Cells testet Rekordtief

Solarwerte schwach

Deutsche Technologiewerte haben am Freitag ähnlich wie die Standardtitel deutliche Verluste verzeichnet. Der TecDax  verlor 4,40 Prozent auf 460 Zähler. Einmal mehr waren dafür vor allem die massiven Verluste im schwer gewichteten Solarsektor verantwortlich.

Q-Cells fielen rund 13 Prozent auf 14,48 Euro und waren damit schwächster Wert im TecDax. Die Analysten der Bank ING hatten das Kursziel für die Aktie von 19,60 auf 15,60 Euro gesenkt und das Votum "Sell" beibehalten. Nach der Gewinnwarnung im Dezember bestehe kaum Raum für große Überraschungen bei der Solarfirma, schrieb Analyst Pierric Masson in einer Studie. Im laufenden Jahr dürfte das Geschäft schwierig bleiben. Besonders die verschlechterten Finanzierungsbedingungen dürften der Branche zu schaffen machen.

Anderen Titeln aus der Branche ging es kaum besser. Centrotherm  photovoltaics büßten rund 8 Prozent auf 14,65 Euro ein, obwohl laut Händlern die Citigroup ihr "Buy"-Votum bestätigt hatte und mit dem auf 32 Euro gesenkten Kursziel deutlich über dem aktuellen Kursniveau geblieben war. Ähnlich sah es bei SMA Solar  aus: Die Titel fielen um rund 6 Prozent auf 31,00 Euro. Hier soll nach Angaben von Börsianern die Citigroup das Ziel von 45 auf 40 Euro gesenkt haben bei Votum "Buy".

Nordex  verloren schließlich 4,50 Prozent auf 8,25 Euro. Die Analysten der WestLB hatten die Aktie zwar vor Zahlen von "Sell" auf "Neutral" hochgestuft und angemerkt, die Lieferprobleme seien schneller als erwartet behoben worden und die Markterwartungen für 2009 seien niedrig. Dennoch könnte sich die Wachstumsprognose des Herstellers von Windenergieanlagen für 2009 als zu hoch erweisen, hieß es weiter.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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