Wochenausblick Daimler-Liaison im Blick der Anleger

Knapp 5 Prozent hat der Dax in der vergangenen Woche eingebüßt - und auch in der neuen Woche dürfte es rau bleiben. Im Dax legen Daimler, Commerzbank und MAN Zahlen vor. Bei der Commerzbank droht ein hoher Verlust. Bei Daimler kursieren Gerüchte um ein neues Sparprogramm sowie um eine Kooperation mit BMW.

Frankfurt am Main - Wegen der anhaltenden Sorge um die US-Wirtschaft werden die Anleger am deutschen Aktienmarkt nach Einschätzung von Analysten in der neuen Woche kaum durchatmen können. "Der Markt bleibt verunsichert. Auch nächste Woche wird es holprig", sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB.

"Die konjunkturellen Risiken schätzen wir weiterhin als sehr hoch ein, was die Aktienmärkte noch die nächsten Monate belasten sollte", betonen die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) in ihrem Marktkommentar. "Zwar kann es immer wieder zu kräftiger ausfallenden Erholungsphasen kommen, die Tiefststände des seit mehr als einem Jahr bestehenden Bärenmarktes dürften Dax  und EuroStoxx 50  aber noch nicht gesehen haben."

Der Bär symbolisiert bei den Börsianern die Pessimisten. In der abgelaufenen Woche büßte der Dax unter dem Strich rund fünf Prozent ein.

Zustimmung im Senat nach US-Börsenschluss

Weiterhin weit oben auf der Tagesordnung stehen das US-Konjunkturpaket und die Bankenrettungspläne. Anleger an der Wall Street vermissen bislang jedoch die Details zu den Rettungsplänen.

In der vergangenen Woche, als Finanzminister Tim Geithner die Rettungspläne für den Finanzsektor vorstellte und zusätzlich das knapp 800 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket vom Kongress gebilligt wurde, gab der Dow Jones auf Wochensicht um 5,2 Prozent nach. Die Wall Street mag mit Obama noch nicht warm werden.

Zumindest einen Hoffnungsschimmer gibt es für Anleger in Deutschland. Der US-Senat hat Obamas Konjunkturpaket erst nach US-Börsenschluss mit knapper Mehrheit zugestimmt, so dass Obama das Gesetz Anfang der neuen Woche in Kraft setzen kann. Dies könnte am Montag an den europäischen Börsen zunächst für Auftrieb sorgen.

US-Stimmungsindikatoren: Leichte Erholung?

Am kommenden Montag bleibt die US-Börse auf Grund des "President's Day" geschlossen. Im Fokus stehen in der neuen Woche regionale Stimmungsindikatoren aus den USA, wie der Empire State Index am Dienstag und der Konjunkturindex der Federal Reserve (Fed) von Philadelphia am Donnerstag. Diese dürften nach Meinung der Analysten tendenziell nach oben zeigen, aber noch deutlich im negativen Bereich bleiben.

Das bedeute allerdings lediglich, dass sich die Abwärtsdynamik etwas verlangsame. Die Importpreise (Mittwoch) und Produzentenpreise (Donnerstag) der USA werden sich dagegen nach Meinung der Analysten eher negativ präsentieren. "Das könnte die Deflationsdebatte wieder anheizen, die wir aber für übertrieben halten", betont NordLB-Experte Basse.

Auch in Deutschland rechnen Analysten nur mit einer geringfügigen Aufhellung der Konjunkturstimmung. Sie gehen davon aus, dass sich die Erwartungskomponente des ZEW-Index, dessen Veröffentlichung für Dienstag geplant ist, etwas erholt.

Daimler: Gerüchte um neues Sparprogramm

Daimler: Gerüchte um neues Sparprogramm

In der in Deutschland langsam anlaufenden Bilanzsaison muss eher mit negativen als positiven Überraschungen gerechnet werden. Am Dienstag will Autobauer Daimler  seine Bücher öffnen und am Donnerstag der Nutzfahrzeug-Hersteller MAN.

Der von der Branchenkrise getroffene Autokonzern Daimler  plant nach einem Zeitungsbericht ein neues Sparprogramm. Das Unternehmen wolle mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen die Kosten senken, berichtete die "Stuttgarter Zeitung" am Samstag. Im PKW-Bereich werde das laufende Effizienzprogramm namens "Go for Ten" verschärft. Dies solle ein jährliches Einsparvolumen von 1,6 Milliarden Euro bringen.

Das Unternehmen habe sich vor der Bilanzpressekonferenz am Dienstag nicht zu den Maßnahmen äußern wollen, berichtete die Zeitung. In Unternehmenskreisen habe es jedoch geheißen, es werde kein massiver Personalabbau verkündet. Stattdessen gebe es Überlegungen, die bislang bis Ende März vereinbarte Kurzarbeit bis zum Jahresende auszuweiten. Das sei aber noch nicht entschieden.

Wird die Zusammenarbeit mit BMW beschleunigt?

Die Krise in der Automobilindustrie beschleunigt nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) außerdem die Kooperation zwischen Daimler und BMW . Die FAS schreibt, die ersten Verträge zwischen den beiden Erzrivalen seien bereits unterschriftsreif.

Jede Art der Kooperation, die der Kunde nicht bemerke und die somit der Akzeptanz der Marke nicht schade, sei denkbar, zitiert das Blatt ranghohe Manager. "Alles unterhalb einer kapitalmäßigen Verflechtung" sei denkbar. Ein Sprecher von Daimler erklärte am Sonntag, der Konzern kommentiere den Bericht nicht. Er verwies auf die Bilanz- Pressekonferenz am Dienstag.

Commerzbank: Tiefrote Zahlen erwartet

Commerzbank: Rote Zahlen am Mittwoch

Mit Interesse warteten Anleger außerdem auf die Zahlen des angeschlagenen Autozulieferers Continental , die ebenfalls am Donnerstag veröffentlicht werden sollen.

Vor allem auf die Zahlen der Commerzbank  am Mittwoch warten die Börsianer gespannt: Analysten gehen davon aus, dass die Commerzbank im vierten Quartal einen Vorsteuerverlust von rund 900 Millionen Euro erzielt hat und die Risikovorsorge wegen der Übernahme der Dresdner Bank drastisch erhöhen muss.

Im weiteren Verlauf könnte der kleine Verfall an den Terminmärkten für höhere Umsätze und größere Kursbewegungen sorgen. Am Freitag werden Optionen auf Aktien und Indizes fällig.

Von Peggy Kropmanns, reuters

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