Märkte Dax bricht weiter ein

Trotz überraschend guter Einzelhandelsdaten aus den USA hat der Dax am Donnerstag seine Talfahrt beschleunigt und nur knapp über 4400 Zählern geschlossen. Anleger bringen Geld in Sicherheit, da sie einen weiteren Einbruch der Konjunktur befürchten. Vor allem die Aktie von Volkswagen wird abgestraft.

Frankfurt am Main - Sorgen über die Entwicklung der US-Wirtschaft haben den Dax  am Donnerstag ins Minus gedrückt. Auch überraschend gute Einzelhandelsdaten aus den USA halfen dem deutschen Leitindex nicht auf die Sprünge. Der Deutsche Leitindex schloss 2,7 Prozent schwächer bei 4408 Punkten.

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von Volkswagen  mit einem Minus von 6,9 Prozent auf 251,61 Euro. Spitzenreiter unter den wenigen Gewinnern waren Deutsche Bank  mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 22,38 Euro.

Der MDax ging 1,1 Prozent niedriger bei 5180 Zählern aus dem Handel. Kursverluste von 1,6 Prozent auf 490 Punkte musste der TecDax verkraften.

Die US-Börsen lagen zu Handelsschluss in Europa ebenfalls tief im Minus. Der Dow Jones  verlor 1,8 Prozent auf 7795 Punkte, der Nasdaq Composite  gab 0,9 Prozent auf 1518 Zähler nach.

Das Fass US-Öl WTI Öl notierte mit 34,90 Dollar 2,7 Prozent tiefer. Das Handelsvolumen im Dax stieg auf 130,7 (Vortag: 107) Millionen Aktien. Der Umsatz legte auf 2,8 (2,35) Milliarden Euro zu.

Einzelhandelsdaten "positiver Ausrutscher"

HSBC-Trinkaus-Volkswirt Rainer Sartoris sagte über die US-überraschenden Einzelhandelsdaten: "Ich würde das als positiven Ausreißer werten, aber man kann deshalb sicher nicht davon ausgehen, dass der US-Konsum in nächster Zeit wieder anspringt."

Insgesamt beklagten Händler fehlende Kaufimpulse und anhaltende Enttäuschung über das Konjunkturpaket und die Bankenrettungspläne der US-Regierung. "Was aus Washington gekommen ist, war alles in allem sehr dürftig", sagte ein Börsianer. "Viele hehre Ziele, aber kaum Aussagen, wie sie erreicht werden sollen. Außerdem ist fraglich, ob diese Maßnahmen auch greifen. Die ersten Konjunkturpakete sowohl bei uns als auch in den USA sind schließlich weitgehend verpufft."

Infineon rechnet mit raschem Abschied aus dem Dax

US-Finanzminister Timothy Geithner verteidigte seine Zurückhaltung: "Ich verstehe den Wunsch nach Einzelheiten und Zusagen vollkommen, aber wir wollen dies vorsichtig tun und sorgsam beraten, damit wir nicht wieder in die Lage kommen und Details bekanntgeben, ohne uns über die benötigte Zuwendung und den Umfang im Klaren zu sein", hatte Geithner am Mittwoch vor dem Haushaltsausschuss des Senats gesagt. Darüber hinaus hatte sich der US-Kongress nach wochenlangen Verhandlungen auf ein 789 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket verständigt.

Der Halbleiter-Konzern Infineon sieht für das laufende Jahr weiter schwarz. Laut Aussagen auf der Hauptversammlung sei 2009 auf jeden Fall ein Umsatzrückgang von mindestens 15 Prozent zu erwarten. Zudem rechnet das Unternehmen damit, dass Infineon aufgrund des gesunkenen Börsenwerts den Dax bald verlassen muss. Die Aktie büßte 4,61 Prozent auf 0,725 Euro ein und war damit eine der schwächsten Werte im Dax.

Nebenwerte: Arcandor und NA gefragt

Nebenwerte: Arcandor und NA gefragt

Im MDax meldete der Handels- und Touristikkonzern Arcandor für das erste Geschäftsquartal ein leichtes Umsatzplus, zog zugleich aber seine Prognosen für das Gesamtjahr 2008/09 zurück. Der gesenkte Ausblick "ist zwar eine Enttäuschung, kommt aber angesichts des aktuellen konjunkturellen Umfelds nicht ganz unerwartet", kommentierte ein Analyst. Die Aktie schloss 5,38 Prozent höher bei 1,96 Euro.

Europas größte Kupferhütte Norddeutsche Affinerie (NA) rutschte wegen des scharfen Kupferpreiseinbruchs im ersten Geschäftsquartal erstmals seit fünf Jahren wieder in die Verlustzone, rechnet für das laufende Geschäftsjahr aber mit einem positiven operativen Ergebnis. "Bei den geringen Umsätzen heute reichen solche leicht positiven Nachrichten schon für Kursgewinne", sagte ein Händler. Die Aktien rückten um 1,89 Prozent auf 25,36 Euro vor.

Positiv wurden auch die Aussagen des Werkzeugmaschinenbauers Gildemeister aufgenommen, dessen Aktie 1,32 Prozent auf 6,13 Euro gewann. Im Schlussquartal 2008 brachen zwar die Bestellungen ein, doch seine Jahresziele erreichte das Unternehmen trotzdem und setzte damit neue Rekordmarken. Die Dividende soll nun von 0,35 auf 0,40 Euro pro Aktie angehoben werden. Der Klinikbetreiber Rhön-Klinikum hält nach einem Umsatz- und Gewinnplus im abgelaufenen Geschäftsjahr an seinen Zielen für 2009 fest. Überraschungen gab es bei den vorgelegten Eckdaten laut einem Händler nicht. Die Aktie stieg um 0,77 Prozent auf 15,62 Euro.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,87 (Vortag: 3,00) Prozent. Der Rentenindex REX stieg um 0,76 Prozent auf 121,43 Punkte. Der Bund Future gewann 0,80 Prozent auf 124,81 Punkte. Der Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2833 (Mittwoch: 1,2938) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7792 (0,7729) Euro.

Die Aktien des australisch-britischen Metall- und Bergbaukonzerns Rio Tinto  legten in London nach einer milliardenschweren Kapitalspritze eines chinesischen Unternehmens zunächst 5 Prozent zu, rutschten dann aber ins Minus. Der Aluminiumkonzern Chinalco will sich mit weiteren 19,5 Milliarden Dollar (gut 15 Milliarden Euro) an Rio Tinto beteiligen. Rio Tinto leidet unter einem Schuldenberg von 39 Milliarden Dollar und schreibt wegen der fallenden Rohstoffpreise rote Zahlen.

Ölpreis seit Wochenbeginn um 10 Prozent gefallen

Im MDax  meldete der Handels- und Touristikkonzern Arcandor für das erste Geschäftsquartal ein leichtes Umsatzplus, zog zugleich aber seine Prognosen für das Gesamtjahr 2008/09 zurück. Die Aktie gab anfangs leicht nach, zeigte sich zuletzt aber zum Vortagsschluss unverändert.

Die fehlende Aussicht auf eine baldige Erholung der Weltkonjunktur hat den Preis für die führende US-Ölsorte WTI am Donnerstag auf ein Kontrakttief von 35,45 Dollar je Barrel gedrückt. Damit hat sich der Rohstoff binnen Wochenfrist um 14 Prozent verbilligt.

Der Euro  hat sich am Donnerstag nur wenig bewegt. Die Gemeinschaftswährung notierte am Morgen bei 1,2918 Dollar nach 1,2897 Dollar am Vorabend in New York.

Am Nachmittag dürften Konjunkturdaten aus den USA etwas Leben in den Devisenmarkt bringen. Erwartet werden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, der Einzelhandelsumsatz für Januar (beide 14.30 Uhr MEZ) und die Lagerbestände für Dezember (16.00 Uhr). "Die Risikoaversion bleibt am Devisenmarkt kursbestimmend.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.