Wochenausblick "Zu früh für Optimismus"

Der deutsche Aktienmarkt wird in der kommenden Woche wohl keine großen Sprünge wagen. Auf kurze Sicht macht sich zwar vorsichtiger Optimismus breit. Für einen nachhaltigen Anstieg ist es Börsianern zufolge aber noch zu früh. In den USA richtet sich der Blick vor allem auf die Einzelhandelsumsätze im Januar.

Frankfurt am Main - Experten erwarten für den Leitindex Dax  in der kommenden Woche eine Seitwärtsbewegung. "Auch wenn ich die Entwicklung in den kommenden Monaten verhalten optimistisch beurteile, ist es für einen nachhaltigen Anstieg noch zu früh", sagte Portfoliomanager Christoph Berger von Cominvest.

"Die Märkte bewegen sich derzeit im Spannungsfeld einer günstigen Bewertung für die Aktien und sich weiter verschlechternden Gewinnaussichten für die Unternehmen", sagte Berger. Vor allem die rückläufigen Auftragseingänge dürften in den kommenden Monaten auf den Märkten lasten und die Euphorie der Anleger bremsen. Auch laut dem Cominvest Aktienbarometer Deutschland, das die Einstellung der Deutschen zum Thema Aktienanlage misst, hellt sich die Perspektive mittel- bis langfristig deutlich auf.

Dirk Schröder von der Baader Bank hält einen Anstieg des Dax über die Region von 4000 Punkten sogar schon in den kommenden Tagen für möglich. "Es gibt Grund für verhaltenen Optimismus", sagte der Aktienhändler mit Blick auf charttechnische Aspekte. Nach vielen negativen Nachrichten und neuen Tiefschlägen für die Aktienkurse im Januar wachse nun langsam die Hoffnung, dass das Vertrauen der Anleger in die Aktien zurückkehrt. Noch seien die Umsätze jedoch sehr gering.

Skeptischer beurteilen die Experten der Landesbank Berlin (LBB) die Marktentwicklung in den kommenden Tagen: "Im Moment bleibe die Vorhersage der Marktreaktion auf neue Nachrichten sehr unsicher", heißt es von den Bankern aus der Hauptstadt. Auch von der Finanzkrise sei noch keine Entspannung in Sicht. Die Diskussionen um die Einrichtung von Bad Banks, weitere Verstaatlichungen und einen unverändert erheblichen Kapitalbedarf der Institute dürften auch die nächsten Monate noch belasten, erinnert die LBB.

Erneut werden zahlreiche Unternehmen mit Zahlen für Aufsehen sorgen. Dazu zählen neben BASF  und ThyssenKrupp  unter anderem auch Demag Cranes , Rheinmetall  und Qiagen . Die Titel der Einzelhändler werden nicht nur durch die Bilanzvorlage von Douglas  (Dienstag), sondern auch durch die Veröffentlichung von US-Einzelhandelsumsätzen (Donnerstag) ins Blickfeld der Investoren rücken. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft schlug Experten zufolge beim Handelskonzern Douglas voll auf den Gewinn durch. Douglas hatte bereits angekündigt, dass auch im Gesamtjahr bestenfalls mit einem stabilen Gewinn zu rechnen sei.

Mit Spannung werden zu Wochenbeginn zudem die vorläufigen Zahlen des hoch verschuldeten Baustoffkonzerns HeidelbergCement  zum abgelaufenen Geschäftsjahr erwartet. Dann wird sich wohl auch Unternehmenschef Bernd Scheifele zum ersten Mal über die Zukunft des Konzerns äußern. HeidelbergCement steht seit der Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson  im Jahr 2007 für rund 14 Milliarden Euro inklusive Schulden bei den Banken tief in der Kreide. Die Schuldenproblematik hat sich durch die weltweite Wirtschaftskrise noch verschärft.

Sonja Funke, dpa-afx

Mehr lesen über