Wochenausblick "Das Tief der Kurse noch nicht gesehen"

Nach der leichten Erholung des Dax in der abgelaufenen Handelswoche dürfte sich die schwankungsreiche Schwächephase Experten zufolge am Aktienmarkt weiter fortsetzen. Die Berichtssaison läuft an, doch nachdem die bislang vorgelegten Unternehmensbilanzen überwiegend enttäuschten, ist von dieser Seite kaum Erfreuliches zu erwarten.

Frankfurt am Main - Den zahlreichen anstehenden Konjunkturdaten schauen die Anleger mehrheitlich zudem mit mehr Skepsis als Hoffnung entgegen. Zwar haben sich der ZEW-Index, das Ifo-Geschäftsklima und der Euro-Einkaufsmanagerindex zuletzt überraschend stabilisiert, die Weltwirtschaftslage bleibt dennoch bedrückend.

Laut der Experten der Landesbank Berlin wird der deutsche Leitindex Dax  angesichts der allerorts massiven Belastungsfaktoren seine Talfahrt in nächster Zeit fortsetzen. Sie rechnen alsbald mit einem Unterschreiten der 4000er Marke. Auch die Analysten der Commerzbank sind eher skeptisch: "Vermutlich haben wir das Tief der Aktienkurse noch nicht gesehen."

Einzig die Helaba ist optimistischer: Nach Ansätzen einer Stabilisierung der Stimmung im Unternehmenslager in Deutschland und dem Euroraum folge in der kommenden Woche mit dem ISM-Index das US-Pendant. "Sollten auch hier Bodenbildungstendenzen erkennbar werden, wäre dies für den Aktienmarkt eine gute Voraussetzung, um wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser zu gelangen", meint Analyst Markus Reinwand.

"Bestenfalls ein vager Silberstreifen am Horizont"

Neben dem wichtigen ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe, der am Montag veröffentlicht wird, stehen monatliche Arbeitsmarktdaten auf der Agenda. "Zuletzt war in den USA das Bild bei beiden düster", erinnert Helaba-Volkswirt Patrick Franke. Eine Stabilisierung am US-Arbeitsmarkt sei im Januar noch nicht zu erwarten. Vielmehr dürften netto erneut massiv Stellen abgebaut worden sein.

Mit Blick auf die Stimmungslage unter den US-Konzernen rechnet Franke zwar mit keiner weiteren Verschlechterung, ein auf dem aktuellen Niveau unveränderter ISM-Index wäre seines Erachtens aber "bestenfalls ein vager Silberstreifen am Horizont".

Weitere recht interessante Konjunkturdaten aus den USA dürften die Auftragseingänge in der Industrie sein, die Produktivitätszahlen und die Konsumausgaben im Dezember. In der Eurozone wird wieder über die Leitzinshöhe entschieden, wobei zumindest von der Europäischen Zentralbank (EZB) keine Änderungen erwartet werden. "EZB-Präsident Trichet hat die kommende Ratssitzung zuletzt mehrfach als 'nicht wichtig' bezeichnet", erinnert Volkswirt Michael Schubert von der Commerzbank.

BMW und Deutsche Bank mit Zahlen

Die Autoindustrie in Deutschland wird voraussichtlich nicht nur wegen des monatlichen US-Fahrzeugabsatzes im Blick stehen. BMW  gab kürzlich bekannt, in der ersten Februarwoche Umsatzzahlen veröffentlichen zu wollen. Zudem legt die Deutsche Bank  endgültige Zahlen vor, nachdem sie bereits Mitte Januar über das erste Verlustjahr in der Nachkriegsgeschichte berichtet hatte.

Am Freitag werden Zahlen zum ersten Geschäftsquartal des Chipherstellers Infineon  erwartet, dessen US-Tochter Qimonda erst kürzlich Insolvenz angemeldet hat. Zusätzlich werden noch Quartalszahlen von Heidelberger Druck . Kuka  und möglicherweise Freenet  erwartet. Die Versicherer Münchener Rück  und Hannover Rück  werden im Wochenverlauf über ihre so genannten Erneuerungsrunden bei den Versicherungsverträgen berichten.

von Claudia Kahlmeier, dpa-afx

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