Börsenschluss Dax und Dow stolpern über US-Konjunktur

Der deutsche Aktienindex Dax hat nach einer Berg- und Talfahrt schwach geschlossen. Überwiegend negative Konjunkturdaten aus den USA gaben den Ausschlag. Sie ließen den Dax mit minus 2,03 Prozent bei 4338,35 Punkten knapp über seinem Tagestief schließen. Und auch die US-Anleger zeigten sich betroffen: Der Dow-Jones-Index verlor 1,8 Prozent.

Frankfurt am Main - Schlechte Wirtschaftslage in Amerika, sinkende Aktienkurse in Frankfurt: Die Bürger der Vereinigten Staaten haben im letzten Quartal des vergangenen Jahres ein Wirtschaftsminus in Höhe von 3,8 Prozent hinnehmen müssen. "Insbesondere der Einbruch der Investitionen dort wirkt dramatisch", sagte Postbank-Analyst Heinrich Bayer. Unter dem Strich lief es in Übersee seit 27 Jahren nicht mehr so schlecht - und das hat heute auch die Anleger in Deutschland beeindruckt:

Der Frankfurter Leitindex Dax  verlor 2 Prozent auf 4338 Punkte, holte auf Wochensicht aber immerhin 3,8 Prozent auf. Der MDax  der mittelgroßen Werteverbuchte erneut Gewinne von 0,64 Prozent auf 5098,09 Punkte. Und der Technologieindex TecDax  legte um 0,73 Prozent auf 485,04 Punkte zu.

Kaum anders als Deutschlands bedeutendstes Börsenbarometer präsentierten sich heute auch die wichtigsten übrigen Börsen Europas. Der Europaindex Stoxx 50  schloss zwar noch nahezu unverändert, doch der Euro-Zonen-Index Euro Stoxx 50  verlor mit 1,4 Prozent ähnlich stark wie der Dax an Wert.

Die schwachen Wirtschaftsdaten aus Übersee haben heute auch den Handel in New York beeinflusst: Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte gab 1,8 Prozent auf 8000 Punkten ab. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 2,3 Prozent auf 825 Zähler. Der Composite-Index  der Technologiebörse Nasdaq  sank 2,1 Prozent auf 1476 Stellen.

In Frankfurt am Main waren heute gegen den allgemein schwachen Trend immerhin die Finanztitel gefragt, weil Anleger auf weitere Staatshilfen für die Geldhäuser spekuliert haben; diskutiert wird offenbar die Finanzierung einer so genannten "Bad Bank", die den Bankern faule Kredite und Wertpapiere abnehmen soll.

Entsprechend zogen die Aktienkurse vieler Banken in dieser Woche zweistellig an, wenn sie auch weiter deutlich unter dem Schlussniveau von 2008. "Man würde so dem Bankensektor allmählich wieder vertrauen können, so dass die Kreditvergabe wieder in Gang käme", sagte Analyst Joost van Leenders von Fortis Investment. Das Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut kann bisher allerdings ohnehin keine Kreditklemme in der Bundesrepublik feststellen.

Zu den wenigen Gewinnern am Freitag zählten dann auch die Postbank-Aktien  mit einem Plus von 3,5 Prozent sowie Commerzbank-Titel , die knapp 1 Prozent zulegten. Die Papiere der Deutschen Bank  schlossen heute zwar fast unverändert, zählten auf Wochensicht mit einem Plus von fast 23 Prozent auf 20,70 Euro aber zu den Favoriten. Allerdings notiert die Aktie immer noch weit unter ihren Vorjahresschlusskurs in Höhe von 27,83 Euro.

Schwerindustrie wenig gefragt

Schwerindustrie wenig gefragt

Wenig begehrt waren in Frankfurt die Aktien der Stahlunternehmen. ThyssenKrupp-Titel  verloren 4,6 Prozent und Salzgitter-Anteilsscheine  3,4 Prozent. Die Aktien des europäischen Branchenprimus' Arcelormittal  gaben um 5,5 Prozent nach. Zudem sackten die Kurse der Versicherungsaktien europaweit ab. In Frankfurt verloren Allianz-Aktien  3,8 Prozent, die der Münchener Rück  3,7 Prozent. In Paris stürzte der Kurs der Axa-Papiere  gar um 7,5 Prozent.

Unter dem Strich hat der erste Monat des neuen Jahres den Anlegern in Deutschland nicht viel Freude bereitet. Gegenüber dem Vorjahresschluss verlor der Dax  noch fast 10 Prozent. Und Statistikfans gilt gerade ein Minus im Januar als schlechtes Omen, gab der Januar doch oftmals die Tendenz für das Gesamtjahr vor. In den vergangenen 13 Jahren lag dieser Indikator nur drei Mal daneben. Und da der Dax auch die erste Handelswoche im Minus beendete, deutet die Statistik noch stärker auf ein verlustreiches Börsenjahr: Seit 1996 beendete der Index in allen Jahren, in denen die Tendenz der Auftaktwoche und die des Januar übereinstimmten, das Börsenjahr mit demselben Vorzeichen.

Der Euro hat am Freitag seine Schwächephase zum US-Dollar nicht überwunden. Am späten Nachmittag kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,2870 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Referenzkurs am Mittag auf 1,2816 Dollar festgesetzt nach 1,3111 Dollar am Donnerstag; ein Dollar kostete damit 0,7803 Euro. Dagegen hat sich der Preis für Rohöl am Freitag stabilisiert. Die beiden führenden Ölsorten Brent  und WTI verteuerten sich um jeweils mehr als 1 Prozent auf 46,40 sowie 41,96 Dollar je Barrel.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 3,10 Prozent am Donnerstag auf 3,07 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,11 Prozent auf 120,77 Punkte. Der Bund Future verlor 0,34 Prozent auf 122,47 Zähler.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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