Märkte Hiobsbotschaften machen Dow zu schaffen

Schlechte Nachrichten von den Arbeitsmärkten, massive Verluste bei Ford und unklare Ansagen von der US-Notenbank haben die Investoren verunsichert. Der Dow verliert 2,7 Prozent, der Dax geht gut 2 Prozent schwächer aus dem Handel. Besonders Deutsche Bank und Volkswagen kommen unter die Räder.

Frankfurt am Main/New York - Neue Hiobsbotschaften zur Konjunktur und enttäuschende Unternehmensbilanzen haben die US-Börsen am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Nach drei Tagen mit Gewinnen fielen die Kurse erstmals in dieser Woche quer durch alle Branchen. Händler sprachen von einer Verschnaufpause.

Der Dow-Jones-Index  verlor nach vorläufigen Schlussangaben um 2,70 Prozent auf 8149,01 Punkte. Der S&P-500-Index brach um 3,31 Prozent auf 845,13 Zähler ab. Der Nasdaq-Index fiel um 3,24 Prozent auf 1507,84 Punkte.

Dem deutschen Aktienmarkt ist am Donnerstag nach der Kursrally am Mittwoch ebenfalls die Puste ausgegangen. Die Anleger wollten auf Nummer sichergehen und hätten daher ihre Gewinne mitgenommen, sagte ein Händler.

"Kurssteigerungen von über 20 Prozent schreien geradezu nach Gewinnmitnahmen", fügte ein anderer hinzu. "Die Gewinner von gestern sind die Verlierer von heute."

Der Dax  fiel um 2 Prozent auf 4428 Punkte, nachdem er am Vortag 4,5 Prozent zugelegt hatte. Das Handelsvolumen im Dax fiel auf 142 (Vortag 172) Millionen Aktien. Der Umsatz belief sich auf knapp 2,9 (3,7) Milliarden Euro.

Der Dax habe es nicht geschafft, die 4500 Punkte-Marke zu halten, sagte Marktstratege Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank. "Die Hoffnung auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Finanzkrise und positiv aufgenommene Unternehmensbilanzen hatten in den Tagen zuvor die Stimmung etwas verbessert. Doch noch ist die Nachrichtenlage insgesamt negativ und daher nehmen Anleger Gewinne rasch auch wieder mit."

Bankentitel litten in Deutschland nach dem Kursfeuerwerk am Mittwoch besonders deutlich unter Gewinnmitnahmen. Prozentual zweistellige Zuwächsen hatten die Aktien der Deutschen Bank , der Commerzbank  und der Postbank  verzeichnet, als tags zuvor über die Gründung einer "Bad Bank" in den USA spekuliert worden war.

Hypo Real Estate als großer Verlierer

Begünstigt worden waren die Kursentwicklungen noch durch einen Bericht in einem Börsenbrief über einen guten Start der Deutschen Bank in das neue Jahr. Die Titel der Deutschen Bank gaben nun am Dax-Ende 6,37 Prozent auf 20,74 Euro ab. Die Commerzbank-Titel sackten um 3,16 Prozent auf 3,525 Euro ab und die der Postbank um 4,61 Prozent auf 9,10 Euro.

Im MDax  brachen die Aktien der Hypo Real Estate  (HRE) um 12,50 Prozent auf 1,47 Euro ein. Der Chef des Immobilienfinanzierers, Axel Wieandt, fordert einen schnellen Einstieg des Bundes bei der Bank, wie die "Süddeutsche Zeitung" vorab in ihrer Freitagausgabe berichtete. Wieandt meinte: "Die Hypo Real Estate hat nur mit Unterstützung des Bundes eine positive Zukunft."

Auch Autowerte zählten zu den Verlierern, wobei die Anteilsscheine von Daimler  um 3,96 Prozent auf 22,55 Euro abrutschten und die von Volkswagen  (VW) 4,85 Prozent auf 255,00 Euro verloren. BMW-Aktien  schlossen 3,58 Prozent tiefer bei 18,30 Euro, nachdem sie zeitweise bis auf 17,88 Euro gefallen waren. Gerüchte über eine drohende Gewinnwarnung bei den Münchenern hätten das Papier unter Druck gebracht, hieß es am Markt.

Die Sorgen resultierten laut Händlern letztlich wohl aus einer Studie von Morgan Stanley, die Risiken für ihr Kursziel von 15 Euro hervorhoben. Der Rückgang des Umsatzes und der liquiden Mittel dürfte sich im ersten Halbjahr 2009 noch beschleunigen, schrieb Analyst Adam Jonas. Er sieht BMW zudem außerstande, wegen der krisenbedingt geringen Vorhersehbarkeit des Geschäftsverlaufs, einen Gewinnausblick zu geben. Außerdem meldete US-Autobauer Ford für 2008 einen Rekordverlust von 15 Milliarden US-Dollar.

Zu den wenigen Aktien mit Kursgewinnen zählten dagegen die der Software-Schmiede SAP . Sie legten nach einem mehr als fünfprozentigen Plus am Mittwoch nun um weitere 0,67 Prozent auf 27,785 Euro zu. Finanzchef Werner Brandt hatte über eine reibungslose und sehr rasche Integration des 2008 übernommenen Software-Herstellers Business Objects berichtet. Zudem hatten nach der am Vortag bekanntgegebenen Bilanz mehrere Analystenhäuser ihre Kursziele für die SAP-Aktie angehoben.

Im TecDax  brachen Wirecard  nach Zahlenvorlage zeitweise bis auf 3,97 Euro ein. Mit minus 9,32 Prozent auf 4,38 Euro gingen sie aus dem Handel. Analystin Alla Gorelova von der Steubing AG sprach von einer enttäuschenden Bilanz. Der Zahlungsabwickler will trotz Finanzkrise auch in diesem Jahr den operativen Gewinn steigern. Doch dürfte der Gewinnanstieg vor Zinsen und Steuern (EBIT) bei 10 bis 25 Prozent liegen und damit unter dem des vergangenen Jahres, hatte der Konzern mitgeteilt.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.