Märkte Bad-Bank-Fantasien begeistern Börsianer

Die Spekulation auf eine Bad Bank in den USA treibt Dow und Dax nach oben. Die Aussicht, den angesammelten Giftmüll in einem vom Steuerzahler finanzierten Mülleimer zu entsorgen, lässt Finanzwerte zweistellig steigen. Da der Dow im späten Handel seine Gewinne ausbaut, könnte die Erholung im Dax am Donnerstag weitergehen.

Frankfurt am Main - Deutliche Kursgewinne der Finanzwerte haben am Mittwoch für eine spürbare Erholung am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Der Dax  legte bis Handelsschluss auf Xetra um 4,5 Prozent zu und schloss bei 4518 Punkten. Auch MDax  (plus 5,4 Prozent) und TecDax  (plus 3,7 Prozent) sprangen nach oben.

Die Erholung wurde durch Kursgewinne an der Wall Street unterstützt. Der Dow Jones  kletterte bis 17.45 Uhr MEZ um 1,5 Prozent, während der Nasdaq Composite  um 2,6 Prozent zulegte. Da die US-Börsen ihre Gewinne bis Handelsschluss an der Wall Street noch deutlich ausbauten, dürfte der Dax am Donnerstag seine Erholung zunächst fortsetzen und in Richtung 4600 Zähler klettern.

Bad-Bank-Gerüchte: US-Großbanken haussieren

Händler verwiesen als Auslöser für die Kursrally auf einen Bericht des Fernsehsenders CNBC, wonach in den USA die Gründung einer "Bad Bank" zum Aufkauf problematischer Hypothekenpapiere unmittelbar bevorstehe.

Eine Entscheidung könnte bereits nächste Woche fallen, hieß es. Dies ist einem Börsianer zufolge zwar nicht neu, wirkte sich aber trotzdem positiv auf die Stimmung des Sektors aus. Auch der Internationale Währungsfonds (IMF) wirbt inzwischen für die Einrichtung einer solchen Bad Bank für Problempapiere.

Bankaktien wie Citigroup , Bank of America  und JPMorgan legten in der Folge an der Wall Street deutlich zu. Die amerikanische Großbank Wells Fargo wurde zwar im vierten Quartal voll von der Finanzkrise erwischt und rutschte erstmals seit 2001 in die roten Zahlen gerutscht, benötigt aber kein weiteres Kapital vom Staat.

Fed hält an Nullzinspolitik fest und wirft Notenpresse an

Die US-Notenbank (Fed) signalisierte am Abend einen längerfristig rekordtiefen Leitzins. Die schwachen wirtschaftlichen Bedingungen machten einen extrem niedrigen Leitzins für einige Zeit notwendig, bekräftigte die Notenbank in ihrem Kommentar zur Zinsentscheidung. Die Notenbank werde zudem alle zur Verfügung stehenden Mittel ergreifen, um wieder ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Preisstabilität zu erreichen. Die Notenbank sei auch bereit, langlaufende US-Staatsanleihen aufzukaufen: Dies bedeutet Erhöhung der Geldmenge per Notenpresse.

Bereits Mitte Dezember hatte die amerikanische Notenbank den Leitzins auf eine Spanne von Null bis ein Viertel Prozent verringert und damit faktisch auf Null reduziert. Vor Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 hatte die "Fed Funds Rate" noch bei 5,25 Prozent gelegen.

Dax schließt 4,5 Prozent im Plus - Finanztitel sehr fest

Dax klettert um knapp 5Prozent

Die Aussicht auf die Einrichtung einer so genannten "Bad Bank" in den USA ließ auch in Europa die Anleger wieder etwas zuversichtlicher auf die krisengeschüttelte Branche schauen. Europaweit legten Bankentitel deutlich zu. Der Branchenindex stieg um mehr als 6 Prozent.

Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank, sagte: "Die Kuh muss vom Eis und die Bad Bank könnte eine wenn auch dramatisch teure Lösung darstellen."

Die Aktien der Deutschen Bank sprangen mit plus 22 Prozent auf 22,15 Euro an die Indexspitze. Händler verwiesen zusätzlich auf den "Platow Brief", demzufolge der Branchenprimus glänzend ins neue Jahr gestartet sein dürfte.

Auch Commerzbank, Postbank und Allianz klettern zweistellig

Auch die übrigen Finanzwerte im Dax erfreuten sich bei Anlegern großer Beliebtheit: Die Titel der Commerzbank legten um 18,18 Prozent auf 3,64 Euro zu, die der Postbank gewannen 14,94 Prozent auf 9,54 Euro. Papiere der Allianz verbuchten ein Plus von 11 Prozent.

"Die Banken werden kräftig angeschoben durch die Spekulation auf eine Bad Bank in den USA und das reißt den ganzen Markt nach oben", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Die Entscheidung über eine Bank zum Aufkauf problematischer Hypothekenpapiere könnte in den USA einem Bericht des Fernsehsenders "CNBC" zufolge schon kommende Woche fallen.

SAP baut erstmals Arbeitsplätze ab

SAP baut erstmals Arbeitsplätze ab

Der Walldorfer Software-Konzern SAP legte Händlern zufolge "gute Zahlen, aber einen vorsichtigen Ausblick" vor. SAP hatte im vergangenen Jahr dank der Konsolidierung von Business Objects einen deutlichen Umsatzanstieg verzeichnet und auch das Ergebnis kräftig gesteigert. Die Aktien legten um 5,28 Prozent auf 27,60 Euro zu. "Die vorläufigen Q4-Zahlen von SAP liegen dank Kosteneinsparungen über unseren und den Erwartungen des Marktes", sagte LBBW-Analyst Stephan Wittwer.

Europas größtes Softwareunternehmen SAP  baut wegen der globalen Wirtschaftskrise erstmals in seiner Geschichte Arbeitsplätze ab. Wie die Firmenchefs Henning Kagermann und Léo Apotheker am Mittwoch in Frankfurt mitteilten, soll bis zum Jahresende die Zahl Mitarbeiter um rund 3.000 auf 48.500 zurückgehen. In Deutschland seien maximal 4 Prozent der Stellen betroffen, das wären etwa 620 Arbeitsplätze.

Aktien des Technologiekonzerns Siemens bauten unterdessen ihre Vortagsgewinne von knapp drei Prozent weiter aus und stiegen um weitere 3,53 Prozent auf 46,35 Euro.

MDax: Aareal und HRE gefragt, Spekulationen um Arcandor

Im Nebenwerte-Index MDax waren ebenfalls die Finanztitel gefragt. So lagen die Titel der Hypo Real Estate  sowie Aareal-Bank-Anteilsscheine  an der Spitze des Index.

Anleger interessierten sich auch für die Arcandor-Aktie . Händler verwiesen auf vage Spekulationen am Markt, wonach der US-Einzelhandelriese Wal-Mart  möglicherweise Interesse an dem Konzern hat.

Die Titel von Wacker Chemie standen im MDax zeitweise als einziger Wert im Minus, schlossen aber fest mit plus 1,75 Prozent auf 57,46 Euro. Börsianer nahmen die vorläufigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2008 mit Enttäuschung auf. Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern bekam die Krise im vierten Quartal deutlich zu spüren: Trotz eines höheren Umsatzes ging der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im Jahresvergleich zurück.

Mit einem Aufschlag von 6 Prozent auf 30,02 Euro beendeten die Aktien von Fraport den Handel. "Eine positive Kursreaktion war nach den jüngsten zahlreichen positiven Nachrichten für Fraport überfällig", sagte Analyst Christian Cohrs von Sal. Oppenheim. Auch der bevorstehende Verkauf der Beteiligung am Flughafen Hahn sei positiv zu sehen, auch wenn der Preis wohl eher niedrig ausfallen werde

TecDax: Solartitel gewinnen zwischen 5 und 10 Prozent

Im TecDax legten die Papiere von Phoenix Solar  um knapp 9 Prozent zu. Firmenchef Andreas Hänel hatte in der Nachrichtenagentur Reuters zuvor gesagt, das Unternehmen erwäge für 2008 eine höhere Dividende. Aber auch die übrigen Solartitel wie Solarworld  oder Q-Cells konnten nach ihrer jüngsten Talfahrt wieder deutliche Kursgewinne verbuchen.

Der Euro-Kurs  ist am Mittwoch unterdessen leicht gestiegen. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,3250 US-Dollar und damit rund einen halben Cent mehr als am Vorabend. Ein Dollar war damit 0,7547 Euro wert. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Referenzkurs am Dienstag auf 1,3174 Dollar festgesetzt nach 1,2990 Dollar am Montag.

Ölpreis nach Vortageseinbruch leicht erholt

Der Preis für US-Öl hat sich dagegen am Mittwochmittag knapp unter 42 Dollar eingependelt. Das Fass (159 Liter) WTI kostete mit 41,60 Dollar rund 0,1 Prozent mehr als am Vorabend. Brent verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 44,52 Dollar. Damit erholte sich der Ölpreis von seinem Einbruch am Dienstagabend, als er um zeitweise 9 Prozent gefallen war - mangels Nachfrage nach dem Rohstoff.

manager-nagazin.de mit Material von reuters, ddp und dow jones

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