Börsenschluss Dow Jones verliert 4 Prozent

Sorge um Banken statt Obama-Jubel - am Tag der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Barack Obama verbuchte die New Yorker Börse herbe Kursverluste. Vor allem Finanztitel waren im Ausverkauf. Der Leitindex Dow Jones schließt deutlich unter der 8000-Punkte-Marke. Auch in Europa stehen Bankaktien auf der Verliererseite.

New York/Frankfurt am Main - Die US-Börsen haben zum Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Barack Obama am Dienstag mit herben Kursverlusten geschlossen. Händler begründeten den heftigen Ausverkauf mit neuen Sorgen um den Zustand der Weltfinanzbranche. Außerdem gab es Befürchtungen, dass es in der Berichtssaison der Konzerne zahlreiche böse Überraschungen geben wird. Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte ging mit einem Minus von 332 Punkten oder 4 Prozent auf 7949 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500  fiel um 5,3 Prozent auf 805 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  brach um 5,8 Prozent auf 1440 Punkte ein.

"Die entscheidende Frage ist jetzt, was Obama nun genau zur Rettung der Konjunktur unternimmt - und wie schnell", sagte ein Händler auf dem Parkett in New York. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank verwies vor allem auf die Bedeutung Obamas in der langfristigen Wirkung. "Die Börsen haben ihm bereits seit dem 20. November Vorschusslorbeeren gegeben. Ab jetzt muss er den Erwartungen entsprechen." So charismatisch der neue Präsident auch sei, "einen Zauberstab hat auch er nicht, mit dem die zahlreichen Probleme über Nacht gelöst werden könnten".

Vor allem Bankentitel gerieten unter Druck, nachdem am Montag die Royal Bank of Scotland  den größten Verlust eines Unternehmens in der britischen Wirtschaftsgeschichte bekanntgegeben und die Sorgen um den Zustand des Weltfinanzbranche verstärkt hatte.

Die Papiere der Bank of America  rauschten um 29 Prozent auf 5,10 Dollar in den Keller. Sie litten neben allgemeinen Sorgen über den Bankensektor zusätzlich unter der Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Moody's. Diese hatte sowohl die Bonität der BoA als auch die für ihre neuerworbene Tochter Merrill Lynch von "Aa3" auf "A1" zurückgestuft. Aktien von J. P. Morgan Chase  büßten 20,7 Prozent ein, die der Citigroup  erreichten mit 2,80 Dollar und einem Minus von 20 Prozent den tiefsten Stand seit 17 Jahren. Die Großbank plant den Verkauf von Nikko Cordial Securities, ihres japanischen Private-Brokerage-Geschäfts.

Die Aktien des Finanzdienstleisters State Street  verloren 59 Prozent ihres Wertes, nachdem der Konzern unerwartet hohe Verluste im Wertpapiergeschäft und im Investmentportfolio sowie einen insgesamt geringeren Quartalsgewinn bekanntgegeben hatte.

Britische Bankaktien auf ungebremster Talfahrt

Der Dax  ging zuvor 1,8 Prozent schwächer bei 4239,85 Punkten und damit nur knapp über seinem Tagestief aus dem Handel. Der MDax  der mittelgroßen Werte verlor 1,7 Prozent auf 4913,00 Zähler. Der Technologiewerteindex TecDax  büßte 0,8 Prozent auf 464,10 Punkte ein.

Der EuroStoxx 50  beendete den Handelstag mit einem Minus von 2,29 Prozent auf 2220,80 Punkte. In Paris  schloss die Börse ebenfalls sehr schwach, während die Verluste in London  geringer ausfielen.

Europaweit zählten die Bankenwerten zu den schwächsten Aktien in den einzelnen Indizes: Aktien von BNP Paribas  büßten 13,3 Prozent ein auf 23,705 Euro. Santander-Papiere  verloren 7,6 Prozent, die von Unicredit  gaben um 7,1 Prozent nach. In London büßten Aktien der Royal Bank of Scotland  nach ihrem Kurssturz von knapp 70 Prozent am Vortag weitere 11,2 Prozent auf 10,25 Pence ein. Titel der frisch fusionierten Lloyds Banking Group  brachen nach ihrer kräftigen Vortags-Talfahrt von rund 34 Prozent um weitere 31,1 Prozent auf 44,75 Pence ein.

"Die Unsicherheit geht weiter vom Bankensektor aus", sagte Marktstratege Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Hier ist noch kein Ende der Talfahrt in Sicht und das zieht auch andere Sektoren nach unten." Im unmittelbaren Vorfeld der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten hätten einige Anleger wohl auf positive Impulse gesetzt. Diese seien aber letztlich ausgeblieben, und auch die unerwartet deutlich aufgehellten ZEW-Konjunkturerwartungen hätten nicht für Optimismus gesorgt.

Metro will 15.000 Jobs streichen - Aktie haussiert

In Frankfurt gewannen Aktien von Metro  gegen den negativen Markttrend als Dax-Spitzenreiter 7,9 Prozent auf 26,31 Euro. Der Handelskonzern startet wegen der Konsumzurückhaltung ein drastisches Sparprogramm und sieht bis 2012 ein Potenzial für Ergebnisverbesserungen in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Die Hälfte entfalle dabei auf Einsparungen, was auch bis zu 15.000 Stellen kosten könne.

Die andere Hälfte soll durch "Produktivitätsverbesserungen und andere ergebnissteigernde Maßnahmen" erreicht werden. Ein Händler sagte: "Das Sparprogramm wird positiv aufgenommen, auch wenn es nicht wirklich überraschend kommt." Nach den jüngsten Kursverlusten werde die Gelegenheit für eine Erholung genutzt.

Deutsche Bank verliert 5 Prozent

Für Aufsehen im Bankensektor sorgten Gerüchte über eine mögliche Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank . Ein Sprecher wollte auf Anfrage die Spekulationen nicht kommentieren, verwies aber auf die Kernkapitalquote (Tier 1) der Bank, die zum Ende des vierten Quartals bei rund zehn Prozent gelegen habe - "dem erklärten Ziel der Bank". Die Aktien sackten dennoch um 5,14 Prozent auf 16,980 Euro ab.

SAP verzichtet angeblich auf Prognose

Die Titel von SAP  fielen um 2,5 Prozent auf 25,94 Euro. Europas größter Softwarekonzern verzichtet einem Pressebericht zufolge für das Jahr 2009 auf eine Gewinnprognose. Laut "Capital" wird der Softwarekonzern auf der Bilanz-Pressekonferenz am 28. Januar keine konkrete Umsatzprognose für 2009 wagen. Das Unternehmen wollte den Bericht nicht kommentieren.

BMW und MAN drosseln Produktion

Auch die Aktien der Autobauer waren an der Börse Gesprächsthema: Nach der Ankündigung von Kurzarbeit büßten die Aktien von BMW  2,9 Prozent auf 18,535 Euro ein. Der Autobauer will wegen der anhaltenden Nachfrageschwäche seine Produktion weiter drosseln und plant Kurzarbeit an vier deutschen Standorten. Das Unternehmen prüft auch einen Antrag auf Staatsbürgschaft zur laufenden Refinanzierung seiner Autokredite.

Nach dem Einbruch auf dem Lastwagen-Markt fährt auch der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN  seine Produktion zurück und plant Kurzarbeit. Die Aktie fiel um 5,4 Prozent auf 31,64 Euro.

Fiat-Chrysler-Bündnis könnte Daimler helfen

Die Aktien von Daimler  verloren etwas moderatere 2,1 Prozent auf 22,80 Euro. Der Autokonzern ist nach wie vor an einem Verkauf seiner Restbeteiligung an Chrysler interessiert. Es gebe weiterhin Gespräche mit dem Hauptaktionär Cerberus, mit dem Ziel, den verbliebenen Anteil von knapp 20 Prozent abzugeben, bestätigte ein Unternehmenssprecher. Die Gespräche waren im Herbst ins Stocken geraten, nachdem Cerberus erhebliche Nachforderungen gestellt hatte. Daimler hatte 2007 die Chrysler-Mehrheit an den Finanzinvestor Cerberus verkauft.

Nun planen der italienische Wettbewerber Fiat  und Chrysler ein strategisches Bündnis. Fiat soll eine 35-prozentige Beteiligung an Chrysler übernehmen, aber dem US-Unternehmen keine Barmittel zur Verfügung stellen. Durch die Zusammenarbeit bekommt Chrysler Zugang zu Fiats Fahrzeugplattformen.

Windenergieaktien geben TecDax Auftrieb

Die im TecDax notierten Aktien der Branche erneuerbarer Energien sind am Dienstag kräftig in Bewegung geraten. Händler verwiesen auf eine Branchenstudie von Goldman Sachs  als Impulsgeber. Die Experten ziehen darin die Titel des Bereichs Windenergie den Solartiteln vor. Höhere Barrieren für den Markteintritt erschwerten den Zutritt für die Konkurrenz, hieß es unter anderem zur Begründung. Die Aktien von Repower  stiegen um 6,9 Prozent an die Indexspitze. Auf der anderen Seite verloren die Titel von QSC  und Q-Cells  jeweils 7 Prozent.

Pfund Sterling erleidet Schwächeanfall

Ein Schwächeanfall des Pfund Sterling  hat am Dienstag auch den Euro  unter Druck gesetzt. "Die britische Wirtschaft steckt tief in der Krise und die Investoren haben überhaupt keine Lust, darauf zu warten, dass sie sich erholt", erklärte Maurice Pomery, Händler bei Ideal Globe in London. "Das ist für ganz Europa nicht gut", fügte ein Händler in Frankfurt hinzu. Analysten vermuteten zudem, dass die durch die Amtseinführung von Barack Obama ausgelöste Aufbruchstimmung in den Vereinigten Staaten die US-Währung zusätzlich stützen könnte.

Der Euro fiel weiter deutlich zum Dollar auf 1,2892 Dollar von knapp 1,31 Dollar am Vorabend. Das Pfund Sterling stürzte zur US-Währung um 3,6 Prozent auf ein 7-1/2-Jahres-Tief von 1,3912 Dollar ab. Am Vorabend hatte das Pfund noch bei 1,4451 Dollar gelegen. Der Euro konnte zum Pfund ebenfalls auf 93 Pence von 90,55 Pence am Vorabend zulegen.

Der Ölpreis fiel nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen von Russland an die Ukraine. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der US-Leitsorte WTI sank zeitweilig auf 34,05 Dollar. Das waren 2,46 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für die Nordseesorte Brent zur Lieferung im März fiel um 46 Cent auf 44,02 Dollar. Händler verwiesen zur Begründung auf Meldungen, wonach der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland offenbar beendet ist.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,91 (Vortag: 2,93) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,16 Prozent auf 122,388 Punkte. Der Bund Future notierte 0,02 Prozent höher bei 125,15 Zählern.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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