Märkte Dax setzt Negativserie ungebremst fort

Die Angst vor der schlechtesten Berichtssaison aller Zeiten treibt die Investoren um. Der Dax verliert weiter und schließt mit 1,3 Prozent im Minus. Besonders in den Abwärtsstrudel geraten Volkswagen, K+S, Infineon und die Postbank. Auch in den USA weisen die Börsenbarometer rote Zahlen aus.

Frankfurt am Main -Die Angst vor einer schwachen Bilanzsaison hat am Montag die Kurse an den europäischen Aktienmärkten gedrückt. Der Dax  verlor 1,3 Prozent auf 4719 Punkte.

Marktteilnehmer verwiesen auf die bevorstehenden Quartalszahlen des Aluminiumriesen Alcoa  am Abend nach US-Handelsschluss. Am Markt werde allgemein befürchtet, dass die Quartalszahlen eine Verschärfung der Rezession andeuten könnten.

"Die große Unsicherheit ist wieder da am Markt", sagte Alexander Tavernaro, Senior Portfoliomanager bei Invesco. Die Frage sei, wie die Berichtssaison ausfallen werde. "Alles, was nicht katastrophal ist, kann der Markt verarbeiten. Aber bei Alcoa etwa gibt es Befürchtungen, dass die Zahlen katastrophal sind."

Händler beklagten die geringen Umsätze. "Das ist schon erschreckend, wie wenig hier noch umgeht", sagte ein Börsianer. Offenbar wolle sich im Moment niemand am Aktienmarkt engagieren. Das Handelsvolumen im Dax fiel auf 116 (Freitag 162) Millionen Aktien. Der Umsatz belief sich auf 2,5 (3,4) Milliarden Euro und lag damit deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Monate von etwa fünf Milliarden Euro.

Der MDax  fiel um 2 Prozent, der TecDax  um 3 Prozent. An den US-Börsen notierte zum Handelsschluss in Europa der Dow-Jones-Index  0,8 Prozent im Minus, der Nasdaq Composite  lag 1,3 Prozent niedriger. Das Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 37,88 Dollar 7 Prozent weniger als am Freitag.

Braucht die Deutsche Bank doch Staatshilfen?

Die Autoshow in Detroit lenkt die Aufmerksamkeit der Investoren auf die Titel der Branche. BMW-Aktien  gaben 0,63 Prozent auf 22,25 Euro nach und schlugen sich damit besser als der Gesamtmarkt. Händler verwiesen auf einen positiven Analystenkommentar. Goldman Sachs hob das Kursziel von 28 auf 35 Euro an und beließ die Empfehlung auf "Buy".

Commerzbank-Aktien  knüpften nach anfänglichen Gewinnen an die Verluste der Vorwoche an. Sie schlossen bei 4,56 Euro um 2,36 Prozent schwächer. Die Bank plant für Jahre mit dem Bund als Großaktionär und verteidigte unterdessen den riskanten Kauf der Dresdner Bank trotz nötiger staatlicher Milliardenstütze.

Der Kurs der Deutschen Bank  baute seine früheren Verluste ab und schloss mit einem Plus von 0,78 Prozent bei 24,495 Euro. Der heimische Branchenprimus wird nach einem Pressebericht kaum um die Inanspruchnahme der angebotenen Staatshilfe herum kommen. "Wenn es so weitergeht, dass Konkurrenten Regierungshilfen beziehen und einseitige Verhältnisse herrschen, wird sich auch die Deutsche Bank an den Staat wenden", zitiert die "Financial Times Deutschland" aus Finanzkreisen. Noch aber sei es nicht so weit.

Portfoliomanager Tavernaro glaubt unterdessen, dass sich die Anleger im Fall der Deutschen Bank erst einmal an die Fakten halten. Und danach hat die Bank bislang keine Hilfe in Anspruch genommen. Das könne den Kurs stützen, so der Experte.

Die Titel von MAN  fielen um 3,44 Prozent auf 39,01 Euro. Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge MAN nicht die Absicht hat, ein Angebot für Scania  vorzulegen. Stattdessen plane MAN nach Aussagen von Konzernchef Samuelsson den Markteintritt in Schwellenländern. "Das könnte negativ für die Aktie sein, da die Fusions-Spekulationen abflauen dürften", sagte ein Händler.

Stahlkonzerne profitieren von Staatshilfen

Die Aktien der Deutsche Börse  fielen um 3,85 Prozent auf 48,25 Euro und weiteten damit ihre Verluste vom Freitag aus. Einem Händler zufolge drückt der Umsatzrückgang um 7 Prozent der alternativen Handelsplattform Chi-X auf die Stimmung für den Börsenbetreiber. "Derzeit sind die Handelsvolumina generell dünn. Wenn dann noch schwache Zahlen aus dem Sektor dazukommen, belastet das den Kurs", sagte der Börsianer.

Papiere von ThyssenKrupp  stiegen um 0,43 Prozent auf 18,51 Euro. Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge der Stahlhersteller staatliche Unterstützung bei der Finanzierung für Großprojekte erhalten möchte, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch gebe es Medienberichte, denen zufolge China konkrete Schritte zur Unterstützung seiner Automobil- und Stahlindustrie plane.

Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank verwies zudem auf die nun verstärkten Konjunkturpakete auch in Deutschland. "Wenn auch der deutsche Autosektor etwas stärker begünstigt werden sollte, werden die Stahlkonzerne ebenfalls profitieren", sagte Halver.

Zudem sei die fundamentale Bewertung für die Titel derzeit günstig und Stahlkonzerne seien generell so etwas wie ein konjunktureller Frühindikator, der von den weltweiten Ankurbelungsmaßnahmen naturgemäß profitiere.

A400M-Debakel lässt EADS fallen

Im MDax verloren Fresenius  0,89 Prozent auf 40,25 Euro. Der Medizinkonzern plant über eine US-Tochter die Emission einer vorrangig unbesicherten Anleihe. Die Laufzeit der Anleihe soll sechs oder mehr Jahre betragen. Die finanziellen Mittel will Fresenius zur Ablösung der Zwischenfinanzierung für die Übernahme von APP Pharmaceuticals verwenden. Den Ausblick für 2008 bestätigte das Unternehmen und erwartet für 2009 Zuwächse sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn.

UniCredit-Analystin Silke Stegemann bezeichnete den Ausblick auf 2009 als wenig präzise und konservativ. Der hohe Preis sowie die Finanzierung der APP-Übernahme begrenzten weiterhin die Freude über die Transaktion. Sie hielt an ihrer "Hold"-Empfehlung fest.

Die Titel von EADS  fielen um 3,51 Prozent auf 13,19 Euro. Der Flugzeugbauer Airbus kann die ersten Maschinen des neuen Militärtransporters A400M wohl frühestens im Jahr 2012 und damit mit einer Verspätung von weiteren zwei Jahren ausliefern. EADS drohen milliardenschwere Strafzahlungen bei verspäteter Lieferung des A400M, für den bereits knapp 200 Bestellungen vorliegen. Ein Händler sagte: "Das ist nach den ganzen Verzögerungen, die es bereits gab, nun auch keine Überraschung mehr. Positiv ist es aber erst recht nicht."

Aktien der GEA Group büßten 3,72 Prozent auf 11,66 Euro ein. Händler verwiesen auf Aussagen des schwedischen Konkurrenten Alfa Laval als Belastung. Der Maschinenbauer kappte seine Kosten und die Kapazitäten aufgrund nachlassender Nachfrage und will im ersten Halbjahr 2009 etwa 1000 Stellen streichen. Zudem sei der Auftragseingang im vierten Quartal um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen.

Immobilienwerte leiden weiter

IVG Immobilien  gaben nach einer negativen Branchenstudie 2,73 Prozent auf 6,41 Euro ab. Trotz eines Hoffnungsschimmers für den Sektor sei die jüngste Aufwärtsbewegung doch wohl eher die "Jagd nach einem Erholungsphantom", schrieb JPMorgan in einer Sektorstudie. Insbesondere IVG sehe überbewertet aus und solle von Anlegern gemieden werden.

Die Einschätzung "Underweight" mit einem Kursziel von 3,00 Euro behielten die Analysten bei. Der gesamte Sektor sei rund 15 Prozent zu teuer. Etwa 34 Prozent der beobachteten Werte müssten Kapitalerhöhungen durchführen, während 53 Prozent die Dividende kappen dürften.

Aktien von Jenoptik  sackten um 5,02 Prozent auf 5,49 Euro ab und gehörten damit zu den größten Verlierern im TecDax. Händler verwiesen nach dem starken Kursanstieg der Titel nun auf charttechnische Gründe als Belastung. "Der Kurs hängt jetzt an seinem Hauptwiderstand bei 5,65 bis 5,90 Euro fest", sagte Thomas Nagel, technischer Analyst bei equinet.

Um eine Fortsetzung der Rally zu ermöglichen, sei ein klarer Ausbruch über diese Marke nötig. Ein Test der nächsten Unterstützung bei 5,07 Euro sei denkbar, während ein Ausbruch über 5,90 Euro die Tür bis 6,60 und 7,05 Euro aufstoßen würde.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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