Börsenschluss Investoren strafen Commerzbank ab

Die Angst vor einer verschärfte Rezession in den USA hat am Freitag europaweit die Börsen belastet - auch den Dax. Investoren straften Commerbank-Aktien nach dem Staatseinstieg ab, die auf den tiefsten Stand ihrer Geschichte fielen. Andere Finanzwerte litten ebenfalls. Gerüchte drückten die Titel der Deutschen Börse.

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienindizes haben am Freitag ihre kurzzeitigen Gewinne nicht gehalten und sind nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Der Leitindex Dax  sackte um 1,97 Prozent auf 4783 Punkte ab. Damit beendet das Barometer seine erste komplette Börsenwoche im neuen Jahr mit einem Minus von 3,80 Prozent. Der MDax  mittelgroßer Werte fiel um 0,83 Prozent auf 5544 Zähler. Der TecDax  verlor 1,92 Prozent auf 492 Punkte.

Besorgter Blick: Der Dax hat am Freitag seine zwischenzeitlichen Gewinne nicht halten können und verliert auf Wochensicht 3,80 Prozent.

Besorgter Blick: Der Dax hat am Freitag seine zwischenzeitlichen Gewinne nicht halten können und verliert auf Wochensicht 3,80 Prozent.

Foto: DPA

In den USA erhöhte sich die Arbeitslosenquote im vergangenen Monat überraschend deutlich auf 7,2 Prozent. Dies habe Befürchtungen geschürt, dass sich die Rezession in den Vereinigten Staaten verschärft, sagten Händler. In New York notierte der Dow Jones gegen 18.34 Uhr 1,2 Prozent leichter auf 8640 Punkte, der Technologie-Index Nasdaq Composite  rutschte um 1,9 Prozent auf 1585 Zähler ab. Der EuroStoxx 50  gab 1,19 Prozent auf 2486 Punkte nach. Auch die Börsen in Paris und London schlossen mit Verlusten.

"Die Daten waren richtig schlecht", sagte Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser. Mit der Eröffnung der US- Börsen sei diese Tatsache den Anlegern wieder bewusstgeworden, wie der Kursverlauf an der Wall Street und in der Folge in Europa gezeigt habe, so der Experte.

Staatseinstieg - Markt straft Commerzbank ab

Hierzulande blieben nach der Teilverstaatlichung der Commerzbank  vor allem die Finanztitel im Fokus. Nach dem Einstieg des Staates bei Deutschlands zweitgrößter Bank fiel die Aktie zwischenzeitlich bis auf 4,47 Euro und damit den tiefsten Stand ihrer Geschichte. Zuletzt verbuchte die Aktie ein Minus von 11,05 Prozent auf 4,67 Euro.

Allianz  zählten hingegen zu den Profiteuren des Staatseinstiegs bei der Commerzbank. Händler werteten positiv, dass durch die staatliche Kapitalspritze an die Commerzbank die Übernahme der Dresdner Bank gesichert ist. Der Kurs des Versicherers stieg um 6,19 Prozent auf 70,80 Euro.

Die Aktien der Postbank  und auch der Deutschen Bank  gehörten zu den größten Verlierern im Dax. Wegen der Finanzkrise ist die Postbank 2008 tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Gesamtjahr dürfte das Minus bei etwa 600 Millionen Euro liegen, hieß es aus Finanzkreisen. Die Postbank hat den Kreisen zufolge allein im vierten Quartal vor allem wegen des Verkaufs von Aktien einen Verlust von rund einer halben Milliarde Euro verbucht. Die Titel der Postbank fielen um 6,01 Prozent auf 13,45 Euro, Papiere der Deutschen Bank verbilligten sich um 5,78 Prozent auf 24,30 Euro.

Die Aktien von Infineon sackten um 8,92 Prozent auf 0,97 Euro ab und waren damit wieder ein "Penny Stock". Händler verwiesen neben einer negativen Studie auch auf Gewinnmitnahmen. "Zum Jahresende hatten sich die Preise für Speicherchips (DRAM) wieder etwas erholt, und das hatte die ganze Branche sowie Infineon nach oben gezogen. Zudem haben sich Anleger zuletzt auf den 'gefallenen Engel' gestürzt und damit den Kurs angetrieben", sagte ein Börsianer. Merrill Lynch stufte die Aktien nach der jüngsten Kursentwicklung von "Neutral" auf "Underperform" herab und beließ Kursziel auf 1,00 Euro.

Gerüchte belasten Aktien der Deutschen Börse

Gerüchte belasten Aktie der Deutschen Börse

Titel der Deutschen Börse gingen mit einem Verlust von 7,25 Prozent auf 50,18 Euro aus dem Handel, nachdem es Händlern zufolge Spekulationen über einen Ausstieg vom Hedgefonds TCI gegeben hatte. Die Gerüchte über einen möglichen Anteilsverkauf von TCI entstanden nach Aussagen von Marktteilnehmern, nachdem der Weggang von Patrick Degorce, Gründer und Partner bei TCI, bekanntgeworden war. Gründe für den Abgang des Managers wurden nicht genannt. Ein Sprecher für TCI war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. TCI und der Hedgefonds Atticus halten rund 20 Prozent der Anteile an der Deutschen Börse.

Spekulationen schieben HeidelbergCement an

Im MDax gaben die Papiere von HeidelbergerCement  Cement im späteren Handel einen Teil ihrer früheren Gewinne wieder ab, nachdem die Ratingagentur S&P den Titel auf 'B+' gesenkt hatte. Die Titel verabschiedeten sich mit einem Plus von 3,15 Prozent bei 34,10 Euro. Zuvor hatten Gerüchte um ein Interesse des Schweizer Konkurrenten Holcim die Titel deutlich angeschoben. Holcim selbst ging auf die Spekulationen allerdings nicht ein, die Akquisitionspolitik werde unabhängig von der Lage bei HeidelbergCement beibehalten, sagte Holcim-Unternehmenssprecher Peter Gysel der Nachrichtenagentur AWP. Händler fügten zudem an, dass eine Übernahme aus kartellrechtlicher Sicht Fragen aufwerfen würde.

Der Kurs der Norddeutsche Affinerie  (NA) fiel hingegen um 7,11 Prozent auf 25,47 Euro. Die Abstufung der Deutschen Bank vom Donnerstag wirkt Händlern zufolge noch nach.

Bundeswertpapiere rentieren unter 3 Prozent

Die Papiere von Morphosys  standen mit einem Abschlag von 4,45 Prozent auf 16,98 Euro auf einem der hinteren Plätze im TecDax. Die Commerzbank hatte die Titel zuvor von "Buy" auf "Hold" zurückgestuft. Die Bank gab die starke Entwicklung des Biotechwertes als Grund für die Herabstufung an.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,96 (Vortag: 3,09) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,34 Prozent auf 122,12 Punkte. Der Bund Future gewann 0,91 Prozent auf 124,81 Zähler. Der Eurokurs stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3684 (1,3617) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7308 (0,7344) Euro.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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