Sonntag, 16. Juni 2019

Börse 2008 Wer jetzt noch Aktien kauft

An der Börse bleiben noch vier Handelstage in diesem Jahr - einem Jahr, das den Dax rund 40 Prozent nach unten geschickt hat. Einige Investoren denken noch über Last-Minute-Käufe nach, um Steuern zu sparen. Dies lohnt sich aber nur, wenn die milliardenschweren Hilfsprogramme im kommenden Jahr greifen und den Börsen ein weiterer Absturz erspart bleibt.

Frankfurt am Main - Für die meisten Anleger ist das Börsenjahr 2008 trotz vier verbleibender Handelstage so gut wie abgeschlossen - und viele dürften erleichtert sein. Denn ihren Frieden mit dem Krisenjahr werden sie wohl trotz der Kursgewinne der vergangenen Wochen nicht mehr machen, ist doch der Dax Börsen-Chart zeigen seit Jahresbeginn um gut 40 Prozent eingebrochen. Am Freitag ging er 1,3 Prozent tiefer aus dem Handel bei 4696 Punkten.

Gierig sein, wenn andere ängstlich sind: Wer jetzt in den angeschlagenen Markt einsteigt, braucht gute Nerven
"Angesichts der turbulenten Entwicklung dürfte sich Erleichterung breitmachen, dass das Jahr abgeschlossen ist", sagt Markus Reinwand, Marktstratege von der Helaba. "Institutionelle Investoren dürften nicht bereit sein, bis zum Jahresende noch neue Risiken einzugehen."

In dieser Weihnachtswoche wird nur am Montag und Dienstag (22. und 23.12.) gehandelt, in der Silvesterwoche ist die Börse dann noch am Montag und Dienstag (29 und 30. Dezember) geöffnet.

Reinwand hält es für möglich, dass einige Privatinvestoren in Deutschland bis zum Jahresende am Aktienmarkt noch zugreifen werden, um die ab 2009 geltende Abgeltungssteuer zu vermeiden. "Das könnte den Dax im dünnen Handel vielleicht etwas unterstützen", mutmaßt er.

Last-Minute-Anleger sichern sich Steuerfreiheit auf ihre Spekulationsgewinne: Doch was nützt eine Steuerersparnis um 25 Prozent, wenn der Dax im kommenden Jahr noch einmal 30 bis 50 Prozent an Wert verlieren sollte? Interessant sind Käufe in dieser Woche vor allem für Langfristanleger, die davon ausgehen, dass die Indizes auf Sicht von 10 bis 15 Jahren ihre alten Höchstmarken wiedersehen.

Dax im Dezember stabilisiert

Hoffnung auf eine Stabilisierung hat es im Dezember 2008 bereits gegeben: Die Indizes erholten sich leicht, vor allem auf Grund der geplanten milliardenschweren Hilfspakete für die US-Autoindustrie sowie für die US-Konjunktur. Der deutsche Leitindex Dax trat in der vergangenen Woche auf der Stelle, nachdem er in der Vorwoche noch gut sechs Prozent zugelegt hatte.

In Erinnerung wird das Jahr 2008 den Anlegern aber nicht nur wegen der Talfahrt an den Börsen bleiben, sondern wegen einer ganzen Reihe von Ereignissen, die bis dahin nicht für möglich gehalten wurden - wie etwa das Aus der US-Investmentbank Lehman Brothers oder der Skandal um den US-Wertpapierhändler Bernard Madoff. "Alle waren überrascht von der Schnelligkeit und der Dramatik der Ereignisse", sagt Aktienstratege Marc-Gregor Czaja von der LBBW.

Und auch 2009 dürfte auf Grund der Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft ein schwieriges Jahr werden. Eine Reihe von Experten sehen im Gespräch mit manager-magazin.de aber auch Chancen im kommenden Jahr 2009.

Deutsches Konsumklima und BIP-Zahlen aus den USA

Zwar stehen in den letzten beiden Wochen des Jahres noch einige Konjunkturdaten an. Doch dürften diese nach Einschätzung der Strategen den Markt kaum bewegen. In der Weihnachtswoche wird am Montag der GfK-Konsumklimaindex für Deutschland veröffentlicht, am Dienstag werden aus den USA Daten zu Hausverkäufen und das endgültige Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal erwartet.

An Heiligabend, wenn die Wall Street noch vormittags geöffnet hat, werden in den USA unter anderem Zahlen zu den Auftragseingängen langlebiger Güter bekanntgegeben.

In der Silvesterwoche werden am Dienstag aus den USA der Einkaufsmanagerindex aus Chicago sowie das Verbrauchervertrauen erwartet, am Freitag nach Neujahr wird der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe bekanntgegeben.

2009: Dämpft Obama die Rezession?

Auch wenn die Anleger das Jahr 2008 so schnell wie möglich vergessen wollen - was das neue Jahr bringt, ist ungewiss. Wie stark wird die Rezession ausfallen, wie werden sich die Unternehmen schlagen, wohin geht es an den Märkten? Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax Ende 2009 bei durchschnittlich 5250 Punkten. "Der Start ins Börsenjahr 2009 könnte durchaus holprig verlaufen", sagen die Aktienexperten der Landesbank Berlin. Das Umfeld bleibe eingetrübt, so dass die Tiefstände des Herbstes noch einmal erreicht werden könnten.

Ende Oktober hatte der Dax mit gut 4000 Punkten ein Vier-Jahres-Tief erreicht. "Anleger sollten weiterhin vorsichtig positioniert bleiben", empfehlen sie. Helaba-Analyst Reinwand sieht jedoch Licht am Horizont. "2009 bietet auch Chancen. Am Aktienmarkt könnte es schon in der ersten Jahreshälfte nach oben gehen, da die Börse die realwirtschaftliche Entwicklung sechs Monate vorweg nimmt."

manager-magazin.de mit Material von reuters

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