Märkte Autokrise zieht Dow nach unten

Der Überlebenskampf der US-Autobauer verunsichert die Börsianer. An der Wall Street ging der Dow Jones mit deutlichen Verlusten aus dem Handel. In Frankfurt stimmten sich Investoren mit Käufen auf den Hexensabbat ein.

New York/Frankfurt am Main - Der anhaltende Preissturz bei Rohöl und der Überlebenskampf der US-Autobauer haben die amerikanischen Börsen am Donnerstag kräftig unter Druck gesetzt. Schlechte Nachrichten für eine Reihe von Schwergewichten wie den Mischkonzern General Electric zogen die Leitindizes zusätzlich ins Minus.

Der Dow-Jones-Index  fiel nach vorläufigen Schlussangaben um 2,49 Prozent auf 8605 Punkte. Der S&P-500-Index verlor um 2,11 Prozent auf 885 Punkte. Der Nasdaq-Index  gab um 1,71 Prozent auf 1552 Punkte nach.

General Motors  weiteten im Handelsverlauf ihre Tagesverluste aus und brachen als klares Dow-Schlusslicht um 16,25 Prozent auf 3,66 Dollar ein. Papiere des Konkurrenten Ford  gaben um 9,55 Prozent auf 2,84 Dollar nach.

Ein Händler verwies darauf, dass das Weiße Haus auch die Möglichkeit von Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz prüft. Noch vor der Handelseröffnung an der Wall Street hatte GM neue Spekulationen über Fusions-Verhandlungen mit dem Wettbewerber Chrysler zurückgewiesen und aus Spargründen den Stopp der Bauarbeiten an einem neuen US-Werk für verbrauchsarme Motoren angekündigt. Ford will wegen der schleppenden US-Nachfrage im Januar zehn nordamerikanische Werke für eine Woche über die üblichen zwei Wochen Werksferien hinaus schließen.

General Electric  verloren deutliche 8,22 Prozent auf 15,96 Dollar. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte ihren Ausblick für den Mischkonzern wegen der anhaltenden Finanzprobleme bei der Tochter GE Capital von "Stable" auf "Negative" gesenkt. GE rüstet mit Zukäufen auf und hält während der Finanzkrise in der Solar- und Windenergiebranche nach Akquisitionszielen Ausschau.

GE auf Einkaufstour

Im Visier hat der US-Konzern auch Gesellschaften mit Schwerpunkt auf anderen neue Technologien, etwa aus den Branchen Medizin und Luftfahrt. Einige Unternehmen hätten nicht die Kraft, selbstständig bestehen zu bleiben, sagte Deutschland-Chef Georg Knoth dem "Handelsblatt" mit Verweis auf die Finanzkrise. "Daraus ergeben sich Möglichkeiten für uns."

Für FedEx  ging es nach Anfangsgewinnen letztlich um 2,14 Prozent auf 62,60 Dollar bergab. Der zweitgrößte amerikanische Paketdienst hatte im zweiten Geschäftsquartal ungeachtet starker Belastungen durch die Finanzkrise Umsatz und Gewinn wie erwartet gesteigert. Dennoch weitet Unternehmenschef Frederick Smith das Sparprogramm aus. Titel des Konkurrenten United Parcel Service (UPS) gewannen dagegen 0,61 Prozent auf 52,78 Dollar.

Morgan Stanley  konnten ihre Anfangsgewinne nicht halten und gingen 1,64 Prozent schwächer bei 16,23 Dollar aus dem Handel. Die UBS hatte das Kursziel nach den am Vortag präsentierten Zahlen von 12,50 auf 17,00 US-Dollar angehoben und ihr Votum "Neutral" bestätigt.

Einige Geschäftsfelder sähen ganz gut aus, doch die Bank habe in allen Bereichen eine Menge Geld verloren, schrieb Analyst Glenn Schorr in einer Studie vom Donnerstag. Morgan Stanley habe die Bilanz weiter verschlankt und die Verschuldung sowie das Engagement in Problembereichen reduziert. Die Vermögenswerte dieser Problembereiche seien nun recht konservativ bewertet. Einige andere Banken senkten dagegen ihre Schätzungen für den Gewinn je Aktie des Instituts.

Nike  profitierten dagegen von Zahlen und legten um 4,05 Prozent auf 52,69 Dollar zu. Der weltgrößte Sportartikelhersteller machte im zweiten Geschäftsquartal Einbußen auf dem US-Heimatmarkt zuletzt durch seine internationale Stärke mehr als wett. Mit seinem Ergebnis übertraf Nike die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz blieb dagegen hinter den Schätzungen zurück.

Kauflust vor dem Hexensabbat

Dank positiv aufgenommener Konjunkturdaten aus den USA hatte der deutsche Aktienmarkt zuvor mit Gewinnen geschlossen. Der Dax  ging mit plus 1 Prozent bei 4756 Punkten aus dem Handel und machte damit seine Vortagesverluste wieder wett. Der MDax  mittelgroßer Werte rückte um 0,95 Prozent auf 5364 Zähler vor, und für den TecDax  ging es um 1,59 Prozent auf 470 Punkte nach oben.

Mit verstärkten Aktienkäufen haben sich Anleger auch auf den Verfall von Termingeschäften am Freitag vorbereitet. Am "Hexensabbat" genannten großen Verfallstag werden Terminkontrakte - Optionen und Futures - auf Indizes und Aktien fällig. Anleger versuchen dann häufig, die Kurse im letzten Moment in eine für sie günstige Richtung zu bewegen.

Händler Stefan Söllner von der Postbank verwies als Antrieb auf eine überraschende Aufhellung der Wirtschaftsaktivitäten in der Region Philadelphia im Dezember. Dies habe die Kurse an der Wall Street und damit auch den Dax gestützt. Ansonsten blendeten die Anleger negative Nachrichten weitestgehend aus, fuhr der Experte fort. Die Investoren seien der Hiobsbotschaften allmählich überdrüssig und wollten das Handelsjahr noch halbwegs versöhnlich beenden.

Continental-Aktien  sprangen um 12,70 Prozent auf 40,39 Euro an die Dax-Spitze. Börsianer hoffen auf grünes Licht aus Brüssel für die Übernahme durch Schaeffler. Vor dem großen Verfall am Terminmarkt am morgigen Freitag glichen Investoren, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt hatten, ihre Positionen aus und kauften entsprechend.

Siemens-Titel  legten derweil um 3,74 Prozent auf 51,00 Euro zu. Der Mischkonzern teilte mit, im kommenden Jahr seine Margenziele im Industrie-Sektor von 9 bis 13 Prozent erreichen zu wollen. Gleichzeitig rechnet Siemens mit einem sinkendem Auftragseingang und stagnierenden Umsätzen in dem Bereich.

Papiere der Hypo Real Estate (HRE)  fielen hingegen am Indexende um 6,33 Prozent auf 2,81 Euro. Der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer hat die Razzia der Staatsanwaltschaft München bestätigt.

Alle Augen auf die Immobilienwerte

Salzgitter  rückten im MDax um 4,66 Prozent auf 53,23 Euro vor. Der ehemalige Großaktionär der WCM AG  und Aufsichtsratsmitglied bei dem Stahl- und Röhrenhersteller, Karl Ehlerding, sagte der "Börsen-Zeitung" dass er Anteile am zweitgrößten deutschen Stahlkonzern zukauft. Derzeit halte er "unter 3 Prozent". Ein Börsianer sieht die Nachricht leicht positiv.

Immobilienwerte setzten gar zum Höhenflug an. Im MDax sprangen die Aktien von Gagfah  mit plus 13,83 Prozent auf 3,21 Euro an die Spitze und im SDax  schossen Titel der TAG Tegernsee Immobilien- und Beteiligungs-AG als bester Wert um 37,10 Prozent auf 1,70 Euro in die Höhe.

Deutsche Wohnen verteuerten sich um 20,15 Prozent auf 6,50 Euro und Patrizia Immobilien  gewannen 13,00 Prozent auf 1,13 Euro hinzu. Als Grund nannten Händler eine etwas verspätete Reaktion auf die Leitzinssenkung der US-Notenbank. Zudem seien die Hypothekenzinsen in den USA in den vergangenen Wochen gefallen, was die Titel zusammen mit dem Leitzins nahe Null stütze.

Die Titel der Norddeutsche Affinerie (NA)  wiederum gaben jedoch im Index der mittelgroßen Werte 1,98 Prozent auf 28,76 Euro ab. HSBC senkte den Wert von "Neutral" auf "Underweight" und kürzte das Kursziel von 26,60 auf 25,90 Euro. Die momentan niedrigen Metallpreise könnten Europas größtem Kupferproduzenten im kommenden Jahr Probleme bereiten, schrieb Analyst Thorsten Zimmermann.

Aktien von Wacker Chemie  verloren 2,81 Prozent auf 69,06 Euro. Börsianer verwiesen als Belastung auf eine Umsatzwarnung des US-Siliziumwafer-Wettbewerbers MEMC Electronic Materials .

Papiere von Leoni  rutschten um 1,67 Prozent auf 11,19 Euro ab. Ein Händler begründete die Abschläge mit negativen Aussagen des Branchenkollegen Valeo . Der französische Automobilzulieferer erwartet für das vierte Quartal einen Umsatzeinbruch von 25 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.