Märkte Madoff-Skandal verdirbt die Stimmung

An der Wall Street wachsen wieder Zweifel an der Stabilität der Finanzindustrie. Aktien der Banken Morgan Stanley und Goldman Sachs gehören wegen schlechter Geschäftsaussichten zu den Verlierern, der Dow Jones schließt im Minus. Der 50-Milliarden-Dollar-Skandal um Bernard Madoff weckt ebenfalls jede Menge Misstrauen.

Frankfurt am Main/New York - In einer Schlussrally hat der US-Aktienmarkt am Montag seine Verluste aus dem vorherigen Handelsverlauf etwas reduzieren können. Zuvor hatten der Milliarden-Betrug des New Yorker Finanziers Bernard L. Madoff an der Wall Street und schwache Konjunkturdaten die Stimmung belastet.

Der Dow-Jones-Index  schloss mit einem Minus von 0,75 Prozent bei 8565 Zählern. Das Tagestief lag bei 8469 Einheiten. Der marktbreite S&P-500-Index ging 1,27 Prozent tiefer bei 868,57 Punkten aus dem Handel. Der Nasdaq Composite-Index  notierte zum Schluss 2,10 Prozent schwächer bei 1508 Zählern. Beim Nasdaq Stock Market 100  standen Abschläge von 2,05 Prozent auf 1182 Punkte zu Buche.

Kurz vor Veröffentlichung von Quartalszahlen der beiden US-Banken Goldman Sachs  und Morgan Stanley  trennten sich die Anleger vor allem von Titeln aus der Finanzbranche. Nach Ansicht vieler Experten werden beide Institute kräftige Verluste ausweisen.

Vor Weihnachten bereitete Investoren zudem die geringe Kauflaune der Verbraucher Sorgen. Daher standen auch viele Tech-Werte auf ihren Verkaufslisten. Für schlechte Stimmung und Nervosität sorgte auch der mutmaßliche Milliarden-Betrug des früheren Nasdaq-Chefs Bernard Madoff. Die Börsianer blickten auch mit Spannung auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Dienstag.

Nach einem ihrer schwärzesten Jahre mussten die Finanzwerte zum Wochenauftakt weitere Verluste hinnehmen. Börsianer sorgten sich erneut um das Ausmaß der Finanzkrise. Goldman legt am Dienstag seine Zahlen vor, Morgan Stanley ebenfalls in dieser Woche. Analysten rechnen mit einem schwachen Vierteljahr bei beiden Instituten. Goldman wird nach Ansicht vieler Experten sogar seinen ersten Verlust seit dem Börsengang vor rund zehn Jahren einfahren.

Sorgen um Goldman Sachs und Morgan Stanley

Sorgen um Goldman Sachs und Morgan Stanley

Zahlreiche namhafte Institute befürchten zudem wegen Anlagen bei Madoffs Investmentfonds erhebliche Verluste. Die Goldman-Aktie rutschte 1,9 Prozent ab, die von Morgan Stanley um 1,5 Prozent. Beide zogen andere Branchentitel mit ins Minus. Die Papiere von JPMorgan Chase verbilligten sich nach einer Herabstufung von Merrill Lynch  gar um 7,5 Prozent.

Zu den großen Verlierern bei den führenden US-Technologie- und IT-Konzernen gehörte Apple . Wegen einer sinkenden Nachfrage senkte Goldman Sachs inmitten des Weihnachtsgeschäfts seine Bewertung für den iPod-Hersteller. "Immer wenn es um Apple geht, dann gibt es auch Bedenken über die Kauflaune der Verbraucher", sagte Bennett Gaeger von Stifel Nicolaus. Apple-Titel gingen 3,6 Prozent in den Keller.

Die Papiere von Oracle  gaben im Apple-Sog 2,3 Prozent ab. Auf Sinkflug ging die Aktie von Rofin-Sinar. Die Titel des deutsch-amerikanischen Laserherstellers stürzten 14,1 Prozent ab, nachdem das Unternehmen sein Umsatzziel für das laufende erste Quartal zurückgeschraubt hat.

Im Blickpunkt blieb zum Wochenstart auch die Krise der US-Autoindustrie. Nach dem Scheitern des milliardenschweren Rettungspakets im Senat überlegt die Regierung, der Branche Hilfen aus dem 700 Milliarden Dollar schweren Topf für die Finanzbranche abzuzweigen. Die Aktie von General Motors  legte 3,6 Prozent zu, die Ford-Papiere um 4,6 Prozent.

Anleger in Frankfurt freuten sich zu früh

Anleger in Frankfurt freuten sich zu früh

Zu früh gefreut hatten sich zuvor die Anleger in Frankfurt. Teils deutliche Gewinne bei Finanz- und Autowerten hatten die deutschen Aktienindizes am Montag Vormittag klar in die Gewinnzone getrieben. Der Dax  wurde jedoch erneut von der Wall Street ausgebremst und schloss auf Xetra 0,1 Prozent schwächer bei 4654 Punkten.

Der MDax  mittelgroßer Werte stieg hingegen um 0,5 Prozent auf 5267 Zähler. Der TecDax  verlor 0,28 Prozent auf 453 Punkte.

"Dem Markt fehlt es derzeit an Eigendymanik", kommentierte Frank Geilfuß, Analyst beim Berliner Bankhaus Löbbecke. So habe die andauernde Unsicherheiten über das Rettungspakte für die angeschlagenen US-Autobauer die Kurse an der Wall Street und damit auch den Dax belastet. Zudem hielten sich einige Anleger vor der Veröffentlichung von Quartalszahlen großer US-Banken am Dienstag und am Mittwoch mit stärkeren Engagements zurück, ergänzten Händler.

Grund für die Zurückhaltung in den USA waren auch neue Konjunkturdaten: Die Industrietätigkeit im US-Bundesstaat New York ist im Dezember auf ein Rekordtief gefallen. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe sank von minus 25,43 im November auf minus 25,76 Punkte, wie die New Yorker Federal Reserve am Montag mitteilte.

Das ist der niedrigste Wert seit Umfragebeginn 2001. Bereits im November hatte es ein Rekordtief gegeben. Analysten hatten sogar mit einem Rückgang auf minus 27,25 Punkte gerechnet. Die Daten der New Yorker Fed gelten als zuverlässiger und frühzeitiger Indikator für die landesweite Entwicklung der Industrie zu Beginn eines Monats.

Die Unsicherheit über die notwendige Hilfe für die Autobauer hält unterdessen an und die Investoren hoffen auf eine neuerliche Zinssenkung an diesem Dienstag.

Eurokurs über 1,37 US-Dollar

Der Eurokurs  übersprang die Marke von 1,37 US-Dollar. Zuletzt notierte der Euro bei 1,3703 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs der Gemeinschaftswährung am Mittag auf 1,3510 (Freitag: 1,3340) Dollar festgesetzt. Die US-Konjunkturdaten - unter anderem der Empire-State-Index sowie Daten zur US-Industrieproduktion und zur Kapazitätsauslastung - sind nach Einschätzung der Commerzbank-Analysten "nicht geeignet, dem Dollar Auftrieb zu geben".

Ölpreis zieht wieder an

Die Ölpreise sind am Montag angesichts einer immer wahrscheinlicher werdenden Förderkürzung seitens der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) leicht gestiegen. Ein Fass (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar kostete am Nachmittag 50,05 Dollar. Jüngste Stimmen aus den Reihen der Opec deuteten auf eine Produktionskürzung des Ölkartells in dieser Woche hin, begründeten Analysten die festere Tendenz der Ölpreise. Die Ölminister der Opec-Staaten werden sich an diesem Mittwoch in Algerien zu einem regulären Treffen zusammenfinden, um über die Fördermenge zu beraten.

Staatsanleihen weniger gefragt

Der deutsche Rentenmarkt hat am Montag zur Kasse deutlich schwächer tendiert. Die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere sei auf 3,17 (Vortag: 3,10) Prozent gestiegen, teilte die Deutsche Bundesbank am Montag in Frankfurt mit. Der Bund-Future stieg allerdings um 14 Ticks auf 122,09 Punkte.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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