Börsenschluss Wall Street in Feiertagslaune

Vor Thanksgiving brachten sich New Yorker Börsianer in Feierstimmung - der Dow Jones schloss mit 2,91 Prozent im Plus. Auch die Nachricht, dass Paul Volcker einen wichtigen Job für Barack Obama übernimmt, wog an der Wall Street schwerer als enttäuschende Konjunkturdaten. Und nicht zuletzt legten Autotitel beachtlich zu.

Frankfurt am Main/New York - Die US-Börsen haben am Mittwoch nach einem verhaltenen Start Fahrt aufgenommen und mit deutlichen Gewinnen geschlossen. Händler verwiesen insbesondere auf Schnäppchenjäger, die vor dem anstehenden Feiertag "Thanksgiving" zugegriffen und die schwachen Konjunkturdaten in den Hintergrund gedrängt hätten. Besonders gefragt seien der Technologiesektor und Energieunternehmen gewesen.

Der US-Leitindex Dow Jones konnte zur Schlussglocke Gewinne von 2,91 Prozent auf 8726,61 Zähler verbuchen. Für den marktbreiten S&P-500-Index ging es um 3,53 Prozent auf 887,68 Zähler nach oben. An der NASDAQ gewann der Composite-Index 4,60 Prozent auf 1532,10 Punkte. Der Nasdaq 100 stieg um 4,42 Prozent auf 1193,09 Punkte.

Autoaktien entfachen Kursfeuerwerk

Allen voran schossen Aktien von General Motors (GM) und Ford Motor um 35,11 Prozent auf 4,81 Dollar bzw. 29,52 Prozent auf 2,15 Dollar nach oben. Händler verwiesen darauf, dass sich die Chefs der beiden angeschlagenen US-Autobauer und der Vorsitzende von Chrysler wohl auf einen neuen Versuch vorbereiteten, in der kommenden Woche die dringend benötigte Staatshilfe zu erhalten. Analysten rechnen dann mit einer positiven Entscheidung des US-Kongresses.

Citigroup im Aufwind

Auch Titel der Citigroup gehörten zu den Favoriten und kletterten um 15,95 Prozent auf 7,05 Dollar. Händler verwiesen auf den Einstieg eines mexikanischen Brokerhauses unter der Kontrolle des Milliardärs Carlos Slim in Höhe von rund 150 Millionen Dollar. Ob der Broker, der zu Slims Inbursa Financial Group gehört, die etwas 29 Millionen Aktien der US-Bank für den Milliardär selbst gekauft hat, blieb unklar. Unterdessen gewannen Aktien Bank of America 4,26 Prozent auf 15,43 Dollar. Die Federal Reserve hat der US-Bank die Übernahme des Konkurrenten Merrill Lynch genehmigt.

Ölwerte profitieren, Dax verzeichnet minimales Plus

Ölwerte erholen sich mit dem Ölpreis

Ölwerte profitierten von einer weiteren Erholung des Ölpreises. Die Kursgewinne beim schwarzen Gold auf mehr als 54 Dollar seien im wesentlichen eine Reaktion auf die deutlichen Verluste am Vortag, sagten Händler. So gewannen ExxonMobil-Aktien 3,56 Prozent auf 80,89 Dollar, für Chevron Corp. ging es um 4,44 Prozent auf 79,93 Dollar hoch.

Als schwächster Wert im Dow Jones verloren Johnson & Johnson (J&J) 0,73 Prozent auf 58,27 Dollar. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat den Zulassungsantrag für das neue Anitbiotikum Ceftobiprol zur Behandlung von Hautinfektionen abgelehnt. Die FDA verlangt die Klärung von Mängeln bei der Durchführung von Studien für Ceftobiprol. J&J entwickelt dieses Mittel gemeinsam mit dem Schweizer Pharmakonzern Basilea. Dessen Aktien brachen um 36,6 Prozent ein.

Dax profitiert von US-Aufschlägen

Der Dax  hatte am Mittwoch den Handel mit einem minimalen Plus von 0,1 Prozent bei 4560 Zählern geschlossen. Kursgewinne an der Wall Street hatten den deutschen Leitindex während der letzten Handelsstunden noch in positives Terrain gehievt. Der MDax  schloss kaum verändert bei 5174 Zählern, und für den TecDax  ging es um 0,6 Prozent auf 478 Zähler hoch.

Aktienhändler Stefan Söllner begründete die Aufschläge im späten Handel mit Käufen institutioneller Investoren kurz vor dem Monatsultimo. "Hier wollten einige professionelle Anleger wegen der jüngsten Kurserholung vor dem Feiertag am Donnerstag noch ihre Bilanzen aufpolieren", sagte der Experte. Negative Konjunkturdaten aus den USA seien insofern in den Hintergrund gerückt.

Autowerte gefragt - Hilfe aus Paris

Autowerte in Frankfurt gefragt

In Frankfurt zählten Autowerte zu den größten Gewinnern. Papiere von Daimler  legten 2,1 Prozent auf 24,69 Euro zu, und für die Papiere von BMW ging es um 1,6 Prozent auf 19,46 Euro nach oben.

Händler verwiesen auf einen Bericht der französischen Zeitung "Les Echos", wonach die Regierung Frankreichs eine Senkung der Mehrwertsteuer für einzelne Sektoren wie vor allem den Autobau erwägt. Rober Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, sagte: "Die Franzosen machen das richtig - man muss eine Krankheit bekämpfen, wenn sie ausbricht, und nicht, wenn sie schon da ist." Vor diesem Hintergrund verpuffte die Nachricht, dass der geplante Verkauf der restlichen Chrysler-Anteile des Autokonzerns Daimler an den Finanzinvestor Cerberus stockt.

Auch Stammaktien von Volkswagen  profitierten von der positiven Stimmung für den Automobilsektor und verteuerten sich an der Dax-Spitze gar um 15,33 Prozent auf 294 Euro. Einem Händler zufolge hätten einige Börsianer mit Käufen auf eine Aussage des Porsche-Finanzchefs Holger Härter vom Nachmittag reagiert, dass Porsche seinen Anteil an den Wolfsburgern "jetzt oder im Januar" aufstocken könnte.

Verluste bei Eon und BASF bremsen

Verluste bei Eon und BASF bremsen

Kursverluste bei einigen schwer gewichteten Dax-Werten bremsten andererseits den Index. Fundamental entscheidende Nachrichten gebe es unterdessen nicht. Eon  schlossen 2,4 Prozent tiefer bei 26,64 Euro. Mit dem Verkauf seines Hochspannungsnetzes entgeht der Strom-Konzern im Kartellstreit mit Brüssel einer Milliarden-Buße, was allerdings laut Händlern erwartet worden war und den Kurs nicht bewegte.

BASF  verbilligten sich um 2,7 Prozent auf 24,50 Euro und Allianz  sanken um 2,05 Prozent auf 54,35 Euro ab. Händler sprachen von sehr dünnen Umsätzen, so dass die Kursbewegungen teils zufallsbedingt seien und zumeist aus Gewinnmitnahmen resultierten. Entsprechend lasse sich am DAX-Ende auch kein bestimmter Sektor als Verlierer ausmachen. Aktien von Fresenius Medical Care standen mit minus 4,4 Prozent auf 34,05 Euro am Ende des Dax.

Der Kurs des Euro hat am Mittwoch die Marke von 1,30 US-Dollar nicht halten können, die er am Dienstagabend überwunden hatte.

Deutlich gestiegene US- Rohöllagerbestände haben zudem die Ölpreise am Mittwoch nur kurzzeitig belastet. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar stieg auf 52,51 US-Dollar. Das sind 1,74 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Januar kletterte um 1,81 Dollar auf 52,16 Dollar. Die Kursgewinne seien im wesentlichen eine Reaktion auf die deutlichen Verluste am Vortag, sagten Händler. Begünstigt worden sei die Erholung zudem durch den Anstieg des Dollarkurses.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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