Wochenausblick Keine Entwarnung in Sicht

Kapitalmarktexperten rechnen auch in der kommenden Woche mit fallenden Kursen. Die Berichtssaison dürfte weitere Gewinnwarnungen der Unternehmen mit sich bringen. Zahlen präsentieren Deutsche Post und Postbank, RWE, Eon und die Hypo Real Estate. Für Donnerstag hat Siemens seine Jahrespressekonferenz angekündigt.

Frankfurt am Main - Da die Börsen nicht mehr auf schlechte Konjunkturdaten reagierten, erschienen diese nun zum großen Teil eingepreist, schreiben die Experten der DZ Bank. Daher sollte es in den kommenden Wochen zu einer Bodenbildung an den Aktienmärkten kommen. "Dennoch erscheint eine Entwarnung verfrüht", hieß es weiter. Bei einer schweren Rezession und weiteren Belastungen durch die Finanzkrise "besteht für den Dax ein Kursrisiko bis zur Marke von 4.000 Punkten".

Attraktive Bewertungen auf der einen und bevorstehende Revisionen der noch zu optimistischen Unternehmens-Gewinnziele auf der anderen Seite seien in den kommenden Monaten "bestimmende Faktoren für anhaltend hohe Kursschwankungen", so die Experten weiter. Sie gehen zwar nicht von einer schweren Rezession aus, trauen dem Dax aber wegen der bevorstehenden Gewinnrevisionen auf Sicht von sechs Monaten keinen wesentlichen Anstieg über die 5.000-Punkte-Marke zu. Anleger sollten daher nur in Schwächephasen Aktien kaufen.

Greg Poole und Mairead Smith von der Deutschen Bank  sehen die Aktienmärkte ebenfalls "im Niemandsland zwischen schwächer werdenden Makrodaten und Gewinnaussichten sowie einer günstigen Bewertung gefangen". An der Konjunkturfront gebe es keine Signale für eine Besserung der Lage, der Abwärtstrend habe sich vielmehr noch beschleunigt. Vor Ende der Berichtssaison für das vierte Quartal halten die Experten eine nachhaltige Aufwärtsentwicklung an den Aktienmärkten für unwahrscheinlich und neue Tiefstände für möglich. "Kurzfristig macht die hohe Schwankungsanfälligkeit jede Richtungsprognose fast zu einem Glücksspiel", heißt es.

Pessimistisch äußerten sich auch die Experten der LandesBank Berlin (LBB). "Nachhaltige Kursgewinne an den heimischen Aktienmärkten erscheinen vor dem Hintergrund der düsteren Konjunkturaussichten in den nächsten Monaten wenig wahrscheinlich", heißt es in einer aktuellen Studie. Vielmehr drohe dem Dax  und dem EuroStoxx 50  ein Rückfall sogar unter die bisherigen Jahrestiefststände. Die laufende Berichtssaison habe bereits viele Gewinnwarnungen gebracht und dieser Trend sollte sich fortsetzen. Die anhaltende Finanzkrise sei ein weiterer Unsicherheitsfaktor.

Mittelfristig stützende Effekte machen die Experten hingegen von Seiten der Geldpolitik aus, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) wie erwartet den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte gesenkt hat. Dazu kämen niedrige Rohstoffpreise und ein schwächerer Euro.

Den Zahlenreigen eröffnen am Montag unter anderen die Deutsche Post  und die Postbank . Allerdings handelt es sich hier nur um endgültige Zahlen. Interessant dürften die Ausführungen von Post-Chef Frank Appel zum möglichen radikalen Sanierungskurs der Post-Tochter DHL in Amerika sein. Weiter geht es am Dienstag mit der Quartalsbilanz von RWE , am Mittwoch berichten RWE-Konkurrent Eon , K+S und Hypo Real Estate  über ihre Geschäftsentwicklung. Für den Donnerstag hat Siemens  seine Jahrespressekonferenz angekündigt, am Freitag legt Tui  Zahlen vor.

Beunruhigendes aus Amerika

Von Konjunkturseite könnten in Deutschland die ZEW-Konjunkturerwartungen (Dienstag) und die erste Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal (Donnerstag) Impulse geben. Daneben dürften die Anleger am Freitag ihren Blick auf US-Daten zum Einzelhandelsumsatz und zum von der Universität Michigan gemessenen Verbrauchervertrauen richten.

Neben den Einzelhandelsdaten dürfte die Entscheidung über den künftigen US-Finanzminister in der kommenden Woche das Geschehen an der Wall Street bestimmen. Angesichts von Finanzkrise und Konjunkturabschwächung wird der Stelle besondere Bedeutung beigemessen.

Zu den Kandidaten zählen der ehemalige Finanzminister Lawrence Summers, der ehemalige Chef der US-Notenbank Fed, Paul Volcker, und der Präsident der Fed von New York, Timothy Geithner. "Wir brauchen jemanden, der bereits unruhige Märkte gesehen hat. Der ihnen einen Weg durch das Schlamassel aufzeigt und den Schaden für die Realwirtschaft begrenzen kann", sagte Lincoln Anderson von LPL Financial in Boston. Die Börsen dürften sich Analysten zufolge nach der Bekanntgabe erholen.

Ein Verfallsdatum am 15. November könnte die Börsen jedoch wieder belasten. Investoren können bis dahin ihr Kapital aus Beteiligungsfirmen abziehen. In der vergangenen Woche wurden die Anleger bereits mit weiteren Hinweisen auf eine rapide Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage konfrontiert. Die Arbeitslosenzahlen vom Freitag zeigten, dass in den USA im Oktober so viele Menschen keinen Job hatten wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,5 Prozent.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte  schloss am Freitag dennoch 2,9 Prozent im Plus bei 8943 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann ebenfalls 2,9 Prozent auf 930 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  stieg 2,4 Prozent auf 1647 Punkte. Trotz der Kursgewinne ergab sich für den Wochenverlauf ein Minus von rund 4 Prozent bei allen drei Indizes.

manager-magazin.de mit Material von dpa/afx und reuters

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