Börsenschluss VW-Kursturz bremst Dax nicht

Trotz kräftiger Kursverluste der VW-Aktie hat der Dax am Montag im Plus geschlossen. Die Commerzbank nimmt das staatliche Rettungspaket in Anspruch - die Spekulationen sind damit vorbei, die Anleger griffen beherzt zu und trieben auch andere Finanzwerte an. In der zweiten Reihe gewannen Premiere-Titel mehr als 40 Prozent.

Franfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag mit Gewinnen geschlossen. Der Dax  konnte die Marke bei 5000 Punkten behaupten, um die er im Nachmittagshandel gependelt war, und ging 0,78 Prozent höher bei 5026 Punkten aus dem Handel. Der MDax  stieg um 4,04 Prozent auf 5725 Zähler, und für den TecDax  ging es um 4,24 Prozent auf 558 Zähler hoch. Bankentitel profitierten davon, dass mit der Commerzbank die erste Großbank den staatlichen Rettungsschirm nutzt.

"Mit der Annahme des Rettungspakets durch die Commerzbank  ist der Bann gebrochen", sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Damit habe die Führung des Instituts bewiesen, dass sie ihre Verantwortung ernst nehme, und der Markt nehme dies positiv auf. Die Entwicklung dürfte jedoch angesichts des Wartens auf neue Nachrichten von Finanzkrise und Rezession volatil bleiben.

Bankenwerte konnten deutlich zulegen, nachdem die Commerzbank  nach roten Zahlen im dritten Quartal das Rettungspaket des Staates in Anspruch nimmt und damit ihr Kapital aufbessert. Das bewertete auch Kapitalmarktexperte Heino Ruland von FrankfurtFinanz Partner positiv: "Die Commerzbank schlüpft unter den Rettungsschirm und damit ergibt sich wieder eine höhere Sicherheit in dem Sektor. Das 'Problemkind Interbankenmarkt' dürfte sich damit weiter beruhigen. Andere Banken werden folgen." Die Aktie der Commerzbank verteuerte sich um 4,98 Prozent auf 8,85 Euro. Postbank  legten um 6,22 Prozent auf 16,90 Euro zu. Aktien der Deutschen Bank , die nach wie vor den staatlichen Rettungsschirm nicht nutzen will, gewannen 5,58 Prozent auf 31,20 Euro.

Linde überzeugt mit seinen Zahlen

Linde  stiegen nach Quartalszahlen um 5,99 Prozent auf 69,01 Euro. "Insgesamt gab es keine Überraschungen, was im derzeitigen Umfeld aber schon eine positive Überraschung ist", lautete das Fazit von Eggert Kuls, Analyst bei M.M. Warburg. Die Aufrechterhaltung der Ziele für 2010 erscheine vor diesem Hintergrund erfreulich und Linde erweise sich als "Fels in der Brandung". Kuls bewertet die Aktie mit "Kaufen".

VW-Aktie beruhigt sich nach Indexneugewichtung

Dagegen fielen Stammaktien von Volkswagen  (VW) um 21,32 Prozent auf 393,00 Euro. Zum Schlusskurs vom Freitag kappte die Deutsche Börse das Dax-Gewicht der VW-Stämme in einer außerordentlichen Indexneugewichtung auf 10 Prozent. Die Frage, ob die Stämme nach den neuen Regeln der Deutschen Börse aus dem Dax  fliegen könnten, stellt sich wegen der negativen Kursentwicklung von VW derzeit nicht. Im späten Handel sorgten rückläufige Absatzzahlen der Tochter Volkswagen of America für zusätzlichen Verkaufsdruck bei VW.

Gerüchte treiben Premiere in die Höhe

Gerüchte treiben Premiere in die Höhe

Im MDax schossen Premiere um 42,08 Prozent auf 2,60 Euro hoch. Händler verwiesen neben der technischen Gegenreaktion nach den massiven Verlusten auf einen Pressebericht aus Australien vom Ende der Vorwoche. Einem Artikel des "Sidney Morning Herald" zufolge will Rupert Murdoch das Ruder bei dem Bezahlfernsehsender übernehmen und prüft derzeit den Unternehmenswert. Einem Analysten zufolge sehe Premiere "sehr günstig" aus, zitiert die Zeitung Murdoch. Eine Übernahme sei deswegen aber noch keine ausgemachte Sache.

Fraport gewinnen nach Politdrama in Hessen

Die gescheiterte Wahl von Andrea Ypsilanti zur hessischen Ministerpräsidentin ließ Aktien des Flughafenbetreibers Fraport  um 10,47 Prozent auf 27,97 Euro zulegen. Vier hessische SPD-Landtagsabgeordnete verhinderten den Regierungswechsel zu Rot-Grün aus Bedenken gegen die Linkspartei. "Durch eine Regierung unter der SPD hätte sich der Flughafenausbau mit Sicherheit verzögert, daher ist ein Scheitern von Ypsilanti positiv", kommentierte ein Händler. Technisch habe die Aktie nun Luft bis 30 Euro.

Solarworld  gewannen 7,52 Prozent auf 21,01 Euro. Auch Händler reagierten positiv auf die Zahlen für das dritte Quartal: Der Gewinn (EBIT) sei weit besser als erwartet ausgefallen, hieß es. Ein anderer Börsianer wies auf die "beeindruckende" Ebit-Marge von 38 Prozent hin. Equinet-Analyst Sebastian Growe, zeigte sich allerdings von dem großen Unterschied zwischen dem EBIT und dem Gewinn nach Steuern überrascht. Dies deute auf signifikante Abschreibungen auf liquide Vermögenswerte hin.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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