Börsenschluss Zinssenkung verpufft

Amerikas Notenbank hat ihre Zinsen heute um 0,5 Prozentpunkte gesenkt, doch die Kurse in New York bröckelten ab. Verluste haben auch Dax-Investoren in Frankfurt hinnehmen müssen, obwohl wichtige hiesige Aktien hohe Gewinne verbuchten. Doch der Kursverlauf der Volkswagen-Titel hat die Dax-Entwicklung auf den Kopf gestellt.

Frankfurt am Main/New York - Deutliche Kursverluste der Volkswagen-Aktien  haben den Dax  heute ausgebremst. Obwohl mit Ausnahme der Volkswagen-Titel alle Werte zulegten und mehr als zwei Drittel der 30 Werte sogar Gewinne im zweistelligen Prozentbereich verbuchten, schloss das führende deutsche Börsenbarometer mit einem Minus von 0,31 Prozent auf 4808,69 Zählern.

Kursverluste verbuchten heute auch amerikanische Investoren. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte sank direkt nachdem die amerikanischen Notenbanker ihre Leitzinsen um 50 Basispunkte auf nunmehr 1,0 Prozent gesenkt hatten um etwa 1,2 Prozent. Dann aber erholten sich die Notierungen und schossen zwischenzeitlich sogar mit einem Plus von 2,6 Prozent in den grünen Bereich. Bis zum Handelsschluss schmolzen die Gewinne aber wieder und es blieb den Investoren nur ein ernüchterndes Minus von 0,8 Prozent. Der Dow-Jones-Index fiel damit heute trotz Zinssenkung auf 8990 Zähler. Zumindest der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq  gewann noch 0,5 Prozent auf 1657 Stellen hinzu.

"Es hat an diesem Tag weiterhin kein normaler Handel stattgefunden. Immer noch spielt hier alles verrückt", sagte Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank zur heutigen Kursentwicklung in Frankfurt am Main. An den vergangenen zwei Handelstagen hatte die Aktie des Wolfsburger Autobauers dem Dax bereits Gewinne beschert, obwohl so ziemliche alle anderen Dax-Werte auf steile Talfahrt gingen. Und heute lief es genau anders herum.

Obwohl zeitgleich mit den 45-Prozent-Verlusten der Volkswagen-Aktie auch die übrigen Dax-Schwergewichte Daimler , Allianz und Eon ihre Gewinne auf jeweils mehr als 20 Prozent ausbauten, konnte der Dax die Verlustzone nicht verlassen.

Der MDax  der mittelgroßen Aktiengesellschaften schloss 7,65 Prozent höher als gestern mit 5242,73 Punkten und der Technologieindex TecDax stieg um 4,9 Prozent auf 485,48 Stellen.

Die meisten anderen europäischen Börsen präsentierten sich dagegen verbessert. Der Londoner FTSE 100 legte zeitweise 5,7 Prozent zu, der französische CAC-40 sogar 6,8 Prozent.

VW: Porsche erhöht Freefloat

VW: Porsche erhöht Freefloat

Grund für den Kurssturz bei VW: Porsche kündigte die teilweise Auflösung von Kurssicherungen bei Volkswagen (VW) an und könnte damit die Liquidität der VW-Stammaktie wieder erhöhen.

Am Vorabend hatte die Deutsche Börse außerdem eine außerordentliche Dax-Indexneugewichtung vorgenommen. Die Kappung des Dax-Gewichts auf 10 Prozent für die VW-Stammaktien wird auf Montag, 3. November, vorgezogen, nachdem dieses zum Handelsende am Vortag auf 27 Prozent angeschwollen war. Auch der Indexbetreiber Stoxx wird das Gewicht der VW-Stämme in seinen Indizes wie dem Euro Stoxx 50 zum 31. Oktober über eine Reduzierung des Free-Float-Faktors von 0,4963 auf 0,3732 senken.

Während die Stammaktien von Volkswagen  zeitweilig mehr als 50 Prozent verloren gewannen die Titel von Porsche  rund 36 Prozent auf 62,50 Euro hinzu. Ein Händler sagte: "Die von Porsche angekündigte Erhöhung des Free-Float wird gleich wirksam und nimmt Kaufdruck von den Anlegern, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Die Kappung des Indexgewichtes verstärkt diesen Effekt und wird bis zur Schlussauktion am Freitag den Kaufdruck lindern."

Bayer macht Mut für die Zukunft

Bayer bekräftigt seine Prognose

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer  hat trotz der jüngsten Zuspitzung der Finanzkrise seine Prognosen für das Gesamtjahr bekräftigt. Gestützt auf Zuwächse im Agrargeschäft (CropScience) und im Gesundheitsgeschäft (HealthCare) steigerten die Leverkusener im dritten Quartal ihren Umsatz, während das operative Ergebnis etwas stärker als erwartet sank. Bayer gewannen zuletzt rund 9 Prozent auf knapp 42 Euro.

Krones steht zu seinen Jahreszielen

Auch der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller Krones  steht nach neun Monaten zu seinen Jahreszielen. Für 2009 wird der Konzern angesichts der Auswirkungen der Finanzkrise auf die Weltwirtschaft aber vorsichtig. Eine "relativ sichere Prognose" sei für das Geschäftsjahr 2009 "seriös nicht machbar". Einer ersten Händlereinschätzung zufolge ist die Bilanz "mehr oder weniger wie erwartet" ausgefallen. Der Ausblick sei bestätigt worden und beides zusammen sollte die Aktien aus Sicht des Händlers mit dem Markt nach oben treiben. Im Verlauf sollten Investoren aber genau auf Aussagen zu den Preistrends in dem Sektor achten, so der Börsianer. Aktien von Krones  gewannen im MDax  mehr als 6 Prozent auf 30,46 Euro.

Stahlwerte könnten laut Händlern von Zahlen eines japanischen Konkurrenten profitieren. Nippon Steel hat zwar für das erste Geschäftshalbjahr einen Gewinnrückgang berichtet. Für das Gesamtjahr hob der Konzern den Ausblick aber wegen der sinkenden Rohstoffkosten über die Markterwartungen hinaus an. Dies sei eine gute Nachricht und sollte weltweit die Kurse anderer Stahlunternehmen, sagte ein Börsianer. ThyssenKrupp  gewannen im Dax rund 9 Prozent, die im MDax notierten Titel von Salzgitter rückten zuletzt um rund 8 Prozent auf 45,53 Euro vor.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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