Märkte Fulminanter Spurt zum Schluss

Für einen weiteren Tag war der Dax ein Volkswagen-Index. Ohne die Gewinne bei VW hätte der Index im Minus geschlossen. In den USA sprang der Dow Jones kurz vor Handelsende überraschend über die 9000-Punkte-Marke, Ergebnis: der zweitgrößte Tagesgewinn in der Geschichte des Dow.

Frankfurt am Main - Eine erneute Kursexplosion der Volkswagen-Aktie  hat dem Dax  am Dienstag extremen Auftrieb gegeben. Mit einem Plus von 11,28 Prozent auf 4823,45 Zähler ging der Leitindex schließlich aus dem Handel. Ohne die Gewinne der VW-Aktie, die 73 Prozent zulegte, wären es ein Minus von rund 150 Punkten im Dax gewesen.

Dabei wurde der Dax sogar noch von Gewinnen an den US-Börsen gestützt. Der MDax  stieg um 1,24 Prozent auf 4870,24 Zähler. Der TecDax  gewann 1,00 Prozent auf 462,79 Punkte.

"Das ist alles verrückt hier", fasste Aktienhändler Stefan Söllner von der Postbank  mit Blick auf die VW-Kursentwicklung seine Markteinschätzung zusammen. Der Future auf den Dax habe zeitweise um 200 Punkte unter dem Dax gelegen, was er so noch nie zuvor beobachtet habe. Nach den positiven Vorgaben aus Asien und den USA, wo die Börsen, von Hoffnungen auf eine erneute Leitzinssenkung getrieben, Gewinne verbuchten, stünden die Chancen auf eine Stabilisierung des deutschen Aktienmarktes gut, hieß es zudem. Zuletzt hatte die Fed den US-Leitzins am 8. Oktober auf 1,50 Prozent gesenkt.

Die Aktien von Volkswagen stiegen nach ihrem Vortagesplus von knapp 150 Prozent am Dienstag zeitweise bis auf 1005,01 Euro. Mit einem Aufschlag von 81,73 Prozent auf 945,00 Euro gingen sie aus dem Handel. Die Zahl der frei am Markt verfügbaren Aktien des Autobauers seien so gering geworden und das Gewicht von VW im Dax zugleich so hoch, dass es zu einem Nachfrageüberhang komme, der den Preis in die Höhe treibt, sagte Manfred Jaisfeld, Analyst bei der National Bank. Investoren, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt hätten, würden zu Käufen gezwungen.

Ein Händler meinte, dass es "unverantwortlich" von der Deutschen Börse  sei, sich nur auf ihr Regelwerk zu berufen und nichts an der im Grunde nicht korrekten Streubesitzbewertung der Aktie ändern und die Aktie nicht aus dem Dax nehmen zu wollen.

Die Aktie der Lufthansa  ging am späten Nachmittag nach einer Gewinnwarnung der Fluggesellschaft in den Sinkflug und büßte 8,71 Prozent auf 9,430 Euro ein. Die Lufthansa erwartet für 2008 nur noch ein operatives Ergebnis von 1,1 Milliarde Euro, nachdem sie bislang an ihr Vorjahresergebnis von 1,38 Milliarden Euro hatte anknüpfen wollen. "Im Grunde ist die gesenkte Prognose für das operative Ergebnis aber keine allzu große Überraschung", sagte ein Händler.

Europas größter Softwarehersteller SAP  senkte wegen des unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes seine Margenerwartung für 2008 und strich überdies die Umsatzprognose für 2008. Am Markt wurde dies mit einem Abschlag für das SAP-Papier von 4,58 Prozent auf 23,450 Euro quittiert.

Nach einem enttäuschenden dritten Quartal senkte der Duft- und Geschmacksstoffehersteller Symrise  seine Ertragsprognose für das laufende Jahr. Als Grund gab er höhere Kosten und die Folgen der Finanzkrise an. Die im MDax notierte Aktie büßte 9,57 Prozent auf 7,75 Euro ein. Die Analysten von Cheuvreux senkten nach dieser zweiten Gewinnwarnung die Aktie nun von "Outperform" auf "Underperform" und nahm das Kursziel von 15 auf 7 Euro zurück. Dresdner Kleinwort senkte das Ziel von 12,00 auf 9,50 Euro.

Die Aktien von HeidelbergCement gewannen 10,71 Prozent auf 62,76 Euro und profitierten damit laut Händlern von weiteren Zukäufe durch den Großaktionär Adolf Merckle. Dieser hatte erst am Vortag über seine Anlagegesellschaft VEM Vermögensverwaltung fast 500.000 Aktien an dem Zementhersteller erworben. Das schüre Spekulationen über eine Komplettübernahme, sagten Börsianer.

US-Börsen mit furioser Schlussrally

US-Börsen mit furioser Schlussrally

Schnäppchenjäger haben am Dienstag bei den wichtigsten US-Aktienindizes für massive Kursgewinne gesorgt. Nahezu alle wichtigen Indizes legten um knapp elf Prozent zu, der Dow Jones  endete zum ersten Mal seit einer Woche wieder über 9.000 Punkten. Anleger seien wieder risikofreudiger und hätten bei den zuletzt deutlich gefallenen Dividendentiteln ordentlich zugegriffen, sagten Händler.

Richtig in Fahrt kamen die Börsen allerdings erst in den beiden letzten Handelsstunden, zuvor hatten sich die Indizes erneut auf einer Berg- und Talfahrt befunden. Negative Konjunkturdaten wurden Marktteilnehmern zufolge ignoriert, die Anleger setzten vielmehr auf weitere Leitzinssenkungen durch die Notenbank. Das zweitägige Treffen der Federal Reserve endet am morgigen Mittwoch mit Bekanntgabe der Zinsentscheidung.

Der Dow-Jones-Index legte schließlich um 10,88 Prozent auf 9065,12 Zähler zu. Alle Titel im Index notierten weit in der Pluszone, so konnte der schwächste Wert immer noch um sechseinhalb Prozent zulegen. Der marktbreite S&P-500-Index gewann 10,79 Prozent auf 940,50 Zähler. Der Nasdaq-Composite-Index  kletterte um 9,53 Prozent auf 1649,47 Punkte. Der Nasdaq 100 legte um 10,92 Prozent auf 1.297,57 Zähler zu.

Alcoa  sprangen mit einem Aufschlag von 19,25 Prozent auf 10,78 US-Dollar an die Spitze des Dow Jones. Händler verwiesen auf die wieder steigenden Rohstoffpreise als Grund für die Gewinne bei dem Aluminiumkonzern. Auch Ölkonzerne wie ExxonMobil (+13,27% auf 74,86 Dollar) und Chevron  (+13,47% auf 70,02 Dollar) gehörten zu den größten Gewinnern.

Boeing  legten als zweitbester Indexwert um 15,46 Prozent auf 48,91 Dollar zu. Bei dem Flugzeugbauer ist nach fast zwei Monaten ein Ende des teuren Mechaniker-Streiks in Sicht. Das Unternehmen und die Gewerkschaft der 27.000 Mechaniker einigten sich in der Nacht zum Dienstag auf einen neuen Tarifvertrag. Die Mitarbeiter müssen die Vereinbarung nun noch in einer Abstimmung billigen, die auf die kommenden Tage angesetzt werden soll.

General Motors (GM)  gewannen 14,68 Prozent auf 6,25 US-Dollar. Die US-Regierung bereitet laut einem Zeitungsbericht einen Milliardenkredit für den angeschlagenen Autohersteller vor. Der Opel-Mutterkonzern könnte etwa fünf Milliarden Dollar bekommen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. Das Geld käme aus dem zugesagten Paket von 25 Milliarden Dollar für die Entwicklung sparsamerer Autos.

Aber nicht alle Aktien endeten an diesem Handelstag im positiven Terrain. So brachen Whirlpool um 8,32 Prozent auf 45,87 Dollar ein. Der weltweit größte Hersteller von Haushaltsgeräten hatte seine Prognosen für das laufende Jahr gesenkt. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Gewinn je Aktie von 5,75 bis 6,00 Dollar je Aktie. Bisher hatte die Voraussage bei 7,00 bis 7,50 Dollar gelegen. Grund sind Kosten für Restrukturierungen, die höher als erwartet ausfallen.

An der Nasdaq legten Google  getrieben von einer positiven Analystenäußerung um 11,89 Prozent auf 368,67 Dollar zu. Händlern zufolge haben die Credit Suisse-Experten die Beobachtung für den Internetwert mit "Outperform" und einem Ziel von 400 Dollar aufgenommen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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