Märkte Die Welt im Minus

Blaues Auge statt schwarzer Freitag - unter diesem Motto könnte der Tag stehen. Zwar wurden Europas Börsen erheblich gezaust. Und auch die US-Aktien mussten Wertverluste hinnehmen. Aber eben nicht so starke, wie Experten befürchtet hatten.

Frankfurt - Der freie Fall der Börsenkurse in Europa und Asien hat am Freitag auch die Wall Street ins Minus gedrückt. Händler in New York fürchteten, dass der weltweite Wirtschaftsabschwung stärker ausfallen könnte als ohnehin befürchtet. Besonders Finanz-, Energie- und Technologietitel gaben nach.

Verstärkt wurde der Abwärtstrend Analysten zufolge durch die Aktienverkäufe großer Fonds. Im Vergleich zu den Kurseinbrüchen rund um den Globus hielten sich die Verluste in New York jedoch in Grenzen. Der Dow Jones  schloss mit 3,6 Prozent im Minus bei 8378 Punkten. Dabei pendelte er zwischen 8187 und 8683 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 3,5 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  gab 3,2 Prozent nach auf 1552 Punkte.

Der deutsche Leitindex Dax  schloss mit rund 5 Prozent im Minus bei 4295 Punkten und damit so tief wie seit gut drei Jahren nicht mehr. keine Aktie konnte sich ins Plus retten. Die Deutsche Telekom war das Unternehmen, deren Aktie am wenigsten verlor - nämlich 1,58 Prozent. Das andere Ende markierte Continental mit einem Minus von fast 10 Prozent. Das gleiche Bild bei seinen europäischen Vettern, dem FTSE 100 und dem CAC 40.

Eine beispiellose Welle von Gewinnwarnungen internationaler Konzerne wie Sony  und Renault  hatte zuvor zu Kurseinbrüchen rund um den Globus geführt. Der japanische Elektronik-Gigant hatte am Donnerstag nach Börsenschluss seine Jahresprognose um 57 Prozent gekürzt. Die schlechte Wirtschaftslage könnte zu Stellenabbau und Schließung von Werken führen, kündigte Sony-Finanzchef Nobuyuki Oneda an. Die Aktien von Sony brachen daraufhin um mehr als 14 Prozent ein und zogen viele andere Werte mit sich.

Die Börsen von Tokio bis London lagen zeitweise mehr als zehn Prozent im Minus. Wegen zu starker Verluste musste der vorbörsliche US-Aktienhandel sogar vorübergehend eingefroren werden.

In Europa kürzten auch Volvo und Peugeot ihre Prognosen. "Die Autohersteller überbieten sich mit Gewinnwarnungen", sagte ein Händler. Bereits am Donnerstag hatte Daimler die zweite Gewinnwarnung in diesem Jahr ausgegeben. Daher gerieten an den Märkten die Aktien der Automobilbranche besonders stark unter die Räder: In Frankfurt gaben Daimler, VW und MAN zwischen vier und acht Prozent nach. In Paris brachen Renault 12,5 Prozent ein. In Stockholm stürzten Volvo um rund 14 Prozent und Scania um neun Prozent ab. Der Gewinn des zu VW gehörenden Lastwagenbauers Scania lag im dritten Quartal unter den Erwartungen von Analysten.

Das R-Wort macht Angst

Das R-Wort macht Angst

Bei den Händlern rückten infolge des globalen Abwärtstrends erneut Sorgen um eine weltweite Rezession - das R-Wort - in den Blickpunkt. "Sie sehen, wie sich die weltweite Lage verschlechtert. Die Folgen für Quartalsergebnisse und Investitionsmöglichkeiten sind düster", sagte Bucky Hellwig von Morgan Asset Management. Die Verluste würden außerdem durch die Kapitalnöte von Hedgefonds und Investmentfonds vergrößert. Großanleger stießen derzeit massenweise Aktien ab, um Kunden auszahlen zu können, die wegen der Finanzkrise aussteigen, sagte Fondsmanager Jim Dunigan. "Die größte Frage ist: Wie groß ist das Beben, das diese erzwungenen Verkäufe auslösen, und wann und wo tritt es an die Oberfläche."

Wie in Europa zählten auch in den USA Finanztitel zu den größten Verlieren. Händler fürchten, dass viele Kreditnehmer infolge einer weltweiten Rezession ihre Raten nicht mehr bezahlen können. Die Aktien der Bank of America  verbilligten sich um 8,4 Prozent. Die Papiere der Citigroup  fielen um 7,4 Prozent und die Titel von Goldman Sachs  schlossen 7,5 Prozent im Minus. Die Aktie des Versicherungskonzerns AIG  brach um 19 Prozent ein, nachdem das mit staatlicher Hilfe vor der Pleite gerettete Unternehmen einen weiteren Kapitalbedarf nicht ausgeschlossen hatte. AIG hatte von der US-Regierung Mitte September bereits Nothilfen in Höhe von 85 Milliarden Dollar erhalten.

Der gefallene Ölpreis, der auf rund 65 Dollar für ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl sank, bescherte Energietiteln Verluste. Börsenschwergewicht Exxon Mobil  fiel um 1,9 Prozent, Chevron  um 4,3 Prozent. Die Anteile des US-Autobauers General Motors  gaben um 2,5 Prozent nach. Analysten halten den sich abzeichnenden Zusammenschluss mit der früheren Daimler-Tochter Chrysler für einen Akt der Verzweiflung. Chrysler kündigte zudem an, wegen der beispiellos schwierigen Marktbedingungen weitere 5000 Mitarbeiter zu entlassen. Politiker forderten weitere Staatshilfen für die kriselnde Branche.

Auch die Aktien des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft  gaben 1,6 Prozent ab. Die Firma machte im abgelaufenen Quartal mehr Gewinn als im Vorjahr, senkte aber seine Prognosen für 2008 und kündigte Sparmaßnahmen an. Auch die Titel von IBM gaben 2,7 Prozent nach.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,58 Milliarden Aktien den Besitzer. 561 Werte legten zu, 2552 gaben nach und 51 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,65 Milliarden Aktien 566 im Plus, 1713 im Minus und 91 unverändert.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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