Märkte Rezessionsangst lässt Dow wieder stürzen

Niemand erwartet viel von dieser Quartalssaison, trotzdem zeigen sich Investoren von den ersten Zahlen enttäuscht. Die US-Börsen rutschen wieder klar ins Minus. Vor allem Energiekonzerne wie Exxon spüren die Krise. Auch der Dax setzt zum Sinkflug an. Immerhin bekommen Finanztitel wie Commerzbank und Deutsche Bank Auftrieb.

Frankfurt am Main - Die weiter anhaltende Angst vor einer Rezession hat die US-Börsen kräftig ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte  notierte zum Handelsschluss 2,5 Prozent im Minus auf 9033 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 9004 und 9284 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 3,1 Prozent auf 955 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  gab 4,1 Prozent auf 1696 Punkte nach.

Die Marktteilnehmer schauten gebannt auf eine Fülle von Quartalszahlen und die Gewinnprognosen der Unternehmen, um herauszufinden, wie schwerwiegend die wirtschaftlichen Probleme sind. Die Anleger stiegen vor allem aus den Aktien von konsumorientierten Unternehmen und Energiekonzernen aus.

Analysten zufolge ist der niedrige Ölpreis ein Grund für die fallenden Kurse. Ein Barrel US-Leichtöl verbilligte sich um knapp drei Dollar auf 71,28 Dollar. Daher gerieten die Anteile von Energieunternehmen unter Druck. Der Aktienkurs des Ölriesen Exxon  fiel 4,7 Prozent.

"Die Schlussfolgerung ist weit verbreitet, dass sich die Wirtschaft abschwächt und die Unternehmen infolgedessen schwächere Prognosen bekanntgeben", sagte Richard Sparks, Analyst bei Schaeffer's Investment Research. "Als der Ölpreis immer neue Rekordhöhen erreichte, wurde in die Rohstoffbranche stark investiert. Nun sehen wir immer noch ein Abstoßen der Positionen."

Auf die Stimmung auf dem Parkett drückten zudem nach unten geschraubte Ausblicke des Chipherstellers Texas Instruments  und des Chemiekonzerns DuPont. TI-Papiere gingen nach der Warnung vor rückläufigen Absatzzahlen bei analogen Chips auf Talfahrt und notierten 6,3 Prozent im Minus.

Kerkorian schockt Ford-Anleger

Kerkorian schockt Ford-Anleger

Der Chemieriese DuPont schraubte seinen Jahresausblick kräftig zurück. Als Gründe führte Dupont unter anderem Kosten für die Folgen der Wirbelstürme in den USA an, DuPont zollte aber auch einer inzwischen eingetrübten Nachfrage in Nordamerika und Europa Tribut. DuPont-Aktien fielen 8 Prozent.

Zu den Verlierern gehörten auch Aktien aus der Technologiebranche. Microsoft-Titel  verloren 5,5 Prozent, die von Apple  7,1 Prozent. Das Unternehmen wollte seine Quartalszahlen nachbörslich bekanntgeben. Ebenfalls auf den Verkaufslisten der Anleger standen Ford-Titel . Der US-Milliardär Kirk Kerkorian hat seinen Anteil an dem angeschlagenen US-Autobauer auf 6,1 Prozent reduziert und erwägt einen Komplettverkauf der übrigen Aktien. Ford-Aktien verbilligten sich um 6,9 Prozent.

Gegen den Trend tendierten die Aktien des Mischkonzerns 3M 4,4 Prozent im Plus. Dank seiner breiten Produktpalette und robuster Umsatzrenditen hat das Unternehmen eine stärker als erwartete Gewinnsteigerung von 10 Prozent eingefahren. Unbeeindruckt von den Turbulenzen im Finanzsektor hat der Pharmakonzern Pfizer  mit soliden Geschäftszahlen für eine ebenfalls positive Überraschung gesorgt. Seine Titel tendierten bei Börsenschluss unverändert.

Die Unsicherheit hat auch den deutschen Aktienmarkt in Atem gehalten. Am Dienstag schmolzen anfängliche Kursgewinne an den europäischen Börsen im Sog einer schwächeren Wall Street wieder in sich zusammen. Der Dax  beendete den Handel 1,05 Prozent im Minus bei 4784 Punkten.

Der MDax  verzeichnete zum Handelsende noch ein Plus von 0,50 Prozent auf 5596 Punkte, der TecDax  rettete Gewinne von 1,41 Prozent auf 562 Punkte ins Ziel.

Firmen rüsten sich für den Abschwung

Firmen rüsten sich für den Abschwung

"Die Stimmung bleibt nervös", sagte ein Händler. Die bislang vorgelegten Quartalsberichte von US-Konzernen seien "recht durchmischt" gewesen. Vor allem die Ausblicke der Unternehmen, die überwiegend sehr verhalten blieben, deuten darauf hin, dass sich die meisten Firmen auf eine weitere Abkühlung der Konjunktur einstellen.

"Das Rettungspaket ist da, aber jetzt kommt die Rezession, und von daher ist es für eine Entwarnung zu früh", merkte anderer Börsianer an. "Das dritte Quartal lief wohl bei vielen noch ganz ordentlich, aber die Ausblicke dürften wohl ziemlich trüb ausfallen."

"Nachdem der Markt zunächst an die Beruhigung vom Vortag angeknüpft hat, sind wir am Nachmittag wegen der unbefriedigenden US-Unternehmensnachrichten dann doch abgebröckelt", kommentierte Aktienhändler Stefan Söllner von der Postbank die Kursentwicklung.

Wie schon am Vortag sei die Schwäche der Volkswagen-Aktie  mit verantwortlich für die im europäischen Vergleich unterdurchschnittliche Entwicklung.

Die Schwankungsanfälligkeit an den Börsen habe zwar abgenommen, aber dennoch tue er sich schwer mit einer Prognose für die weitere Entwicklung. Fundamentale Gründe für Aktienkäufe gebe es derzeit nicht und die Anleger warteten eher ab.

Spekulationen über Zerschlagung der Deutschen Börse

Spekulationen über Zerschlagung der Deutschen Börse

Im Bankensektor sorgten ein überraschend geringer Gewinneinbruch beim US-Kreditkartenkonzern American Express  und ein Rettungspaket für französische Banken für steigende Kurse. Die Papiere der Deutschen Bank  gingen - zusätzlich gestützt von einer Hochstufung durch die Citigroup  - 3,39 Prozent höher bei 35,05 Euro aus dem Handel, nachdem sie am Montag bereits knapp 4 Prozent gewonnen hatten. Den Aktien der Commerzbank  gelang es mit plus 5,85 Prozent auf 10,23 Euro, ihre Vortagsverluste wieder mehr als wett zu machen.

Spekulationen über eine Zerschlagung und eine positive Studie ließen die Papiere der Deutschen Börse  um 4,37 Prozent auf 55,21 Euro steigen. Nahrung gab den Gerüchten ein Bericht in der "Financial Times Deutschland" (FTD), wonach die Hedgefonds und Großaktionäre TCI und Atticus zentrale Teile des Börsenbetreibers verkaufen wollen und daher erneut die Konfrontation mit dem Vorstand suchen. Ein Händler bewertete die Erfolgschancen indes skeptisch. Kursstützend wirkte an diesem Tag zudem eine Studie der Citigroup, in der Analyst Daniel Garrod die Aktie auf "Buy" und einem Ziel von 90 Euro deutlich über dem derzeitigen Kursniveau beließ.

Die Aktien von Infineon  litten dagegen unter enttäuschenden Quartalszahlen von Texas Instruments  und gaben um 5,42 Prozent auf 2,615 Euro nach. Der US-Chiphersteller sieht sich selbst nach einem Gewinneinbruch für den Rest des Jahres auf Talfahrt und tritt auf die Kostenbremse. Allerdings wirke sich das eher noch auf ARM Holdings und Nokia  aus, sagten Händler.

Im MDax gingen die Titel der Hannover Rück  als Schlusslicht 13,35 Prozent niedriger bei 19,22 Euro aus dem Handel. Die Finanzmarktkrise hat nun auch diesen Konzern erwischt. Nach weiteren Abschreibungen auf Aktien und den Schäden durch die Wirbelstürme "Gustav" und "Ike" im dritten Quartal kippte der Vorstand überraschend sein Gewinnziel für das Gesamtjahr. In den ersten neun Monaten war das Unternehmen sogar in die roten Zahlen gerutscht.

Der Baukonzern Bilfinger Berger  hob dagegen seine Ergebnisprognose für 2008 auf 185 Millionen Euro an. Ausschlaggebend dafür sei der Verkauf der französischen Ingenieurbau-Gesellschaft Razel, hieß es. Die Anteilsscheine von Bilfinger Berger sprangen mit plus 12,29 Prozent auf 30,34 Euro an die MDax-Spitze.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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