Wall Street Berg- und Talfahrt endet im Tal

Nach einem extrem nervösen Handel hat der Dow Jones am Freitag tief im roten Bereich geschlossen. Die Konjunkturdaten aus Amerika sind durchweg schlecht, doch Schnäppchenjäger brachten die Aktienkurse zeitweise deutlich ins Plus. Der Dax beendete die Woche mit einem Gewinn.

New York - Die US-Börsen haben auch zum Wochenausklang eine Achterbahnfahrt hingelegt und am Ende schwächer geschlossen. Die Sorgen um eine Rezession der US-Wirtschaft wechselten sich bei den Anlegern mit der Jagd nach Schnäppchen ab. Die Volatilität habe sich durch den Verfallstermin für Optionsgeschäfte noch verschlimmert, sagten Händler an der Wall Street.

Der Dow-Jones-Index  schloss mit 8852 Punkten 1,4 Prozent unter seinem Vortagesschluss. Am frühen Nachmittag hatte er zeitweise mehr als 3 Prozent im Plus klar über der 9000-Punkte-Marke notiert. Erst in der letzten Handelsstunde drehten die Kurse deutlich ins Minus. Der breiter gefasste S&P 500  verlor 0,6 Prozent auf 940 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  sank um rund 0,4 Prozent auf 1711 Punkte.

Am Morgen hatten Rezessionssorgen das Bild bestimmt. Wie das US-Handelsministerium mitteilte, verschärfte sich die Krise am Wohnungsmarkt im September weiter: Die Zahl der Wohnbaubeginne fiel auf den niedrigsten Stand seit 1991, die Baugenehmigungen sanken sogar auf den schwächsten Wert seit 1981. Auch die Sorgen der Verbraucher vor einer Rezession erreichte die Börse: Der Index für das Konsumentenvertrauen brach im Oktober so stark ein wie noch nie. Das Barometer von Reuters und der Universität Michigan sank nach vorläufigen Berechnungen vom Freitag von 70,3 auf 57,5 Punkte. Das ist der stärkste monatliche Rückgang in der Geschichte des Indizes, der seit 1952 erhoben wird.

Aussagen des Großinvestors Warren Buffett sorgten zeitweise für Beruhigung. "Meine Kaufstrategie wird von einer einfachen Regel bestimmt: Sei ängstlich, wenn die anderen gierig sind, sei gierig, wenn die anderen ängstlich sind", schrieb der Milliardär in einem Gastbeitrag für die "New York Times" (Freitagausgabe).

Auf der Unternehmensseite gab es gemischte Reaktionen. Zwar schnitt der US-Mischkonzern Honeywell  für das dritte Quartal mit einem um 16 Prozent gestiegenen Gewinn besser ab als von Analysten erwartet. Der Konzern reduzierte jedoch seine Prognose für das vierte Quartal. Die Aktien verloren 5 Prozent. Die Papiere des Internetkonzerns Google  legten dagegen um 5,5 Prozent zu. Google steigerte seinen Gewinn im dritten Quartal überraschend deutlich. Seitenabrufe und Umsatzwachstum legten rund um den Globus stark zu. Auch der Ausblick des Technologiekonzerns IBM  sorgte für gute Stimmung. Die Anteilsscheine des Konzerns beendeten den Tag 0,8 Prozent tiefer.

Dax schließt die Woche mit Gewinn ab

Der Dax  schloss nach einer erneuten Berg- und Talfahrt am Freitag mit 3,4 Prozent plus auf 4781,33 Punkten. Der MDax  gewann zum Wochenende 1,5 Prozent auf 5419,69 Zähler. Der TecDax  rückte um 3,7 Prozent auf 545,89 Punkte vor. Nach einem Kursfeuerwerk zum Wochenstart in Reaktion auf das gigantische Bankenrettungspaket der Bundesregierung konzentrierten sich die Börsianer in der zweiten Wochenhälfte auf verstärkte Rezessionssorgen, sagten Aktienhändler.

Viele Anleger seien unsicher und hielten sich zurück, sagten Händler. Daran werde sich auch so schnell nichts ändern. "Die Schaukelbörse wird uns erhalten bleiben. Ich hoffe nur, dass die Intra-Day-Ausschläge weniger werden", meinte Händler Stefan Scharffetter von Baader Wertpapierhandelsbank.

In den vergangenen Wochen war der Dax stark geschwankt. So war der Leitindex am vergangenen Freitag um 7 Prozent eingebrochen - das war der siebtgrößte Tagesverlust in der 20-jährigen Geschichte des Dax. Am Montag folgte mit einem Plus von gut 11 Prozent der bisher größte Kursanstieg. Ingesamt hat der Dax damit seit Montag 5,2 Prozent gutgemacht - nach einem Sturz um rund 22 Prozent in der Woche zuvor.

Viele Händler sind mittlerweile auf alles gefasst: "Ich bin für alles offen: von plus 5 Prozent bis minus 5 Prozent im Dax ", sagte ein anderer Börsianer. "Zwar scheint sich mehr und mehr die Meinung durchzusetzen, dass es durch staatliche Eingriffe gelingen wird, einen Kollaps der Finanzmärkte zu verhindern, doch drängen im Gegenzug wieder vermehrt Ängste vor einer stärkeren globalen Rezession in den Vordergrund", beschrieb Marktstratege Michael Köhler von der LBBW die unruhige Stimmung am Markt.

Rettungspaket verabschiedet - Gesetz ab Samstag in Kraft

Das rund 500 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für die deutsche Finanzbranche wurde vom Bundestag mit großer Mehrheit und vom Bundesrat einstimmig angenommen. Auch der Bundespräsident unterzeichnete das Gesetz, dass somit am Samstag in Kraft treten kann. Große Auswirkungen habe das aber nicht gehabt, sagten Händler, da mit dieser Entscheidung gerechnet worden sei. Dennoch wurde es als gute Nachricht für die Finanzwerte gewertet, und die meisten Titel der Branche gehörten am Freitag zu den Gewinnern am deutschen Aktienmarkt.

T-Aktie und Eon steigen um 10 Prozent

Einige Schwergewichte zogen am Nachmittag an und hievten den Dax nochmal deutlich ins Plus, sagten Händler. Tagesgewinner war die Aktie der Deutschen Telekom  mit plus 10,46 Prozent auf 11,405 Euro, Eon  verteuerten sich um 10,30 Prozent auf 28,70 Euro. Die Aktien des Versorgers konnten damit den negativen Einfluss einer Abstufung durch Goldman Sachs von "Buy" auf "Neutral" abschütteln. Händler sprachen von einer Reaktion auf die zuvor heftigen Kursverluste bei der Eon-Aktie. Einige Käufer seien wohl auch durch das Kursziel von Goldman bei 41,10 Euro angelockt worden.

Autobauer standen wegen einer Branchenstudie überwiegend positiv im Fokus: Daimler-Aktien  zählten mit plus 9,15 Prozent auf 25,705 Euro zu den Favoriten im Dax, Papiere von BMW  verteuerten sich um 4,33 Prozent auf 20,485 Euro. Goldman Sachs hatte die Aktien der Münchener von "Neutral" auf "Buy" hoch gestuft und sdas Kursziel auf 29 Euro gesetzt. Den gleichen Kurs visierten die Analysten von Morgan Stanley für BMW in einer Branchenstudie an und sie bekräftigten ihre Kaufempfehlung. Schlechter kamen Daimler in der Studie weg, nachdem die Analysten das Daimler-Kursziel von 42 auf 28 Euro kürzten.

VW-Aktie verliert 10 Prozent

Aktien von Volkswagen  gingen unterdessen mit minus 10,24 Prozent bei 358,00 Euro aus der Woche. "Der massive Kursanstieg von VW war schon länger nicht mehr fundamental zu erklären - jetzt könnten Investoren, die mit Verkaufspositionen auf fallende Kurse setzen, die Aktie erfolgreich attackieren", sagte ein Händler. Morgan Stanley kappte das Kursziel für die VW-Stämme von 120 auf 69 Euro und blieb bei "Underweight".

K+S leidet unter rückläufigem Düngemittelumsatz

Kali und Salz  sackten als zweitschwächster Dax-Wert um 6,00 Prozent auf 33,51 Euro ab. Händler verwiesen auf eine Abstufung von Merrill Lynch am Vortag, die negativ nachwirke und größeren Abgabedruck ausgelöst habe. Die Analysten hatten K+S von ihrer "Europe 1 List" gestrichen und laut Händlern ist bei solchen Aktionen erfahrungsgemäß über Tage Druck auf den Aktien zu spüren. Hinzu kämen enttäuschende Ergebnisse des norwegischen Düngemittelherstellers Yara, der von einer Abschwächung bei der Umsatzentwicklung sprach.

Euro bleibt unter 1,35 Dollar

Der Euro  pendelte im späten Handel weiter sehr schwankungsanfällig zwischen 1,34 und 1,35 US-Dollar. Zuletzt war die europäische Gemeinschaftswährung 1,3446 Dollar wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,3404 (Donnerstag: 1,3507) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete 0,7460 Euro. Nach Einschätzung von Händlern stützen die Verkäufe von Hedgefonds und Erwartungen für ein schwächeres Weltwirtschaftswachstum den Dollar zum Euro.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen