Börsenschluss Dax schließt im Plus

Die von vielen Regierungen geschnürten Rettungspakete haben erneut Kursgewinne ausgelöst. Der Dax geht 2,7 Prozent höher aus dem Tag, nachdem er zeitweise 6 Prozent vorne gelegen hat. Der Dämpfer kam wie so oft von der Wall Street, wo sich die Freude über den Einstieg der USA in den Bankensektor offenbar in Grenzen hält.

Frankfurt am Main - Der Dax  schloss bei 5199 Punkten. Der MDax  mittelgroßer Werte gewann 1,5 Prozent auf 6052,04 Zähler. Der TecDax  legte 0,23 Prozent auf 585,97 Punkte zu. Am Morgen hatte der deutsche Leitindex den Höhenflug zunächst fortgesetzt und war um mehr als 6 Prozent in die Höhe geschossen. Fallende Kurse an der Wall Street ließen aber auch in Europa die Kursgewinne schmelzen.

Nach einem Start mit deutlichen Aufschlägen notierte der Dow Jones  zu Börsenschluss in Europa 0,5 Prozent im Plus. Der Nasdaq Composite  verbuchte einen Abschlag von 1,5 Prozent. "Die Maßnahmen haben die Stimmung aufgehellt - aber deswegen ist noch lange nicht alles wunderbar", sagte ein Händler mit Blick auf die staatlichen Milliardenpakete, die am Montag veröffentlicht worden waren.

"Mit dem heutigen und gestrigen Tag sieht es nicht mehr nach Weltuntergang aus, sondern es geht weiter. Die konjunkturelle Perspektive ist aber dennoch verhalten und im Jahr 2009 müssen kleinere Brötchen gebacken werden - das ist in den Kursen aber bereits eingepreist und sollte niemanden mehr überraschen", sagte Thilo Müller, Geschäftsführer von MB Fund Advisory. Es sei brutal gewesen zu zuschauen, wie Vermögenswerte einfach verschleudert wurden und die Erholung zeige, dass die panischen Verkäufe ein großer Fehler gewesen sei.

Der Index der ZEW Konjunkturerwartung habe dem Markt unterdessen keinen neuen Impuls gegeben, sagten Händler. Die Stimmung deutscher Finanzexperten war angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise überraschend deutlich eingebrochen. Auch die Aussagen von US-Präsident George W. Bush, demzufolge die US-Regierung mit 250 Milliarden Dollar in die US-Banken-Branche einsteigen will, habe den Markt zunächst nicht signifikant bewegt.

Vor allem die Angst vor einer Rezession trübt die Stimmung. Insbesondere die Bankenwerte standen als Seismograph der Entwicklungen in der Finanzkrise weiter im Fokus. Angetrieben von deutlichen Kursgewinnen ihrer Pendants in den USA und an den anderen Weltbörsen standen sie an der Dax-Spitze. Aktien der Hypo Real Estate  sprangen um weitere 8,48 Prozent nach oben. Ende September wurde das Papier allerdings noch bei knapp 15 Euro gehandelt. Deutsche Bank  gewannen 10,71 Prozent auf 38,750 Euro und sprangen damit an die Index-Spitze. Commerzbank-Aktien  verteuerten sich um 3,5 Prozent.

Autowerte uneinheitlich

Autowerte entwickelten sich uneinheitlich. Die Aktie von Volkswagen  verlor 0,27 Prozent auf 352,10 Euro. Ein Händler sagte: "Die Aktien haben sich zuletzt weit von ihrem fundamentalen Wert nach oben entfernt und ein starkes Eigenleben entwickelt. Aktuell dominieren die Gewinnmitnahmen und drücken den Kurs." Continental  drehten mit 5,48 Prozent ins Minus auf 39,50 Euro.

Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge der Kredit für Schaeffler zur Übernahme des Autozulieferers "auf Eis" liege. Das schüre die Sorge, ob die Übernahme überhaupt zustande komme. Ein Dementi half dem Kurs zunächst nicht. Nach den Worten eines Sprechers treibt die Schaeffler-Gruppe die Übernahme des Autozulieferers ungeachtet der Finanzkrise voran. Daimler  zählten mit plus 7,63 Prozent auf 28,20 Euro hingegen zu den besonders gefragten Werten.

Infineon am Dax-Ende

Infineon  rutschten mit minus 11,46 Prozent auf 2,78 Euro und fielen damit ans Dax-Ende. Die Deutsche Bank stufte die Titel des Chipherstellers von "Buy" auf "Hold" ab. Zudem senkte Merrill Lynch  das Kursziel von 6,80 auf 5,80 Euro, die Einstufung blieb "Buy". Mit Spannung erwarten die Börsianer auch die Veröffentlichung der Quartalszahlen des weltgrößten Chipherstellers Intel nach US-Börsenschluss, die auch Infineon-Aktien bewegen könnten.

Im MDax stürzten Aktien von Leoni  nach einer gesenkten Jahresprognose des Autozulieferers mit minus 12,79 Prozent auf 13,70 Euro ans Indexende. Händler zeigten sich allerdings wenig überrascht von der Zielsenkung. "Natürlich ist eine Prognosekürzung negativ, allerdings hätte man sich diese Entwicklung nach den zuletzt enttäuschenden Zahlen der Autobauer denken können. Davon bleiben Zulieferer auch nicht unberührt", sagte einer.

Conergy plus 32 Prozent

Analyst Tim Schuldt von equinet äußerte sich negativ. "Die zunächst verhaltene Reaktion lag vielleicht an der Ankündigung des Aktienrückkaufs - dann erst richtete sich der Blick auf die Prognosekürzung", sagte der Analyst. Allerdings sei auch ein Aktienrückkauf nicht so positiv einzuschätzen, da Leoni durch die Übernahme der Valeo-Bordnetzsparte relativ hoch verschuldet sei.

Conergy  stiegen im TecDax mit plus 32,08 Prozent auf 5,60 Euro an die Index-Spitze, nachdem sie bereits am Vortag 34,60 Prozent zugelegt hatten. Diese und andere Solar- und Windwerte hatten im Abschwung der vergangenen Wochen zu den größten Kursverlierern gezählt. Sie seien damit "Fallen Angels" sagten Händler und hätten damit überdurchschnittliches Erholungspotenzial

manager-magazin.de mit Material von dpa, dpa-afxp und reuters

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