Wochenausblick Kann es noch schlimmer kommen?

Die Spannung steigt: Geht es kommende Woche an den Börsen weiter abwärts? Viel wird davon abhängen, wie die Ergebnisse des Eurozonen-Gipfels in Paris aufgenommen werden. In den USA startet zudem die Berichtssaison. Aber wer interessiert sich im Moment überhaupt noch für Zahlen und Fakten?

New York/Frankfurt am Main - Nach der schwärzesten Woche in der deutschen Börsengeschichte warten jetzt alle Akteure gespannt auf die Reaktion der Finanzmärkte auf den am Wochenende angekündigten Aktionsplan der sieben wichtigsten Industrienationen (G-7). Zudem wird entscheidend sein, was am Abend beim Eurozonen-Gipfel in Paris präsentiert wird.

Trotz der Maßnahmen der G-7 zur Beruhigung der Lage dürfte weiter die Sorge vorherrschen, dass die internationalen Finanzmärkte ganz zusammenbrechen und eine Weltwirtschaftskrise folgen könnte. Mit bangem Erwarten dürften die Händler deshalb auf die Zahlen von J. P. Morgan  und Citigroup  sowie von Google , Ebay  und Intel  blicken, mit denen die Bilanzsaison in die heiße Phase geht.

Normalerweise würde er einfach sagen, dass die Märkte nun in die Bilanzsaison starten, sagte Owen Fitzpatrick, Chef der US-Equity-Gruppe im Bereich Privatvermögensverwaltung bei der Deutschen Bank  in New York. "Aber das ist ein rein emotional getriebener Markt." Die Leute versuchten soviel Liquidität zu bekommen wie möglich. Einige Analysten betonten, dass der Markt bereits überverkauft sei. Solange aber weiter die Angst herrsche, werde eine deutliche Rally nicht von Dauer sein.

"Es ist Blut im Wasser und die Haie kreisen", sagte Kurt Brunner, Portfoliomanager der Swarthmore Group. "Aber dieses kontinuierliche Verkaufen, man sollte doch denken, dass es irgendwann aufhört." US-Finanzminister Henry Paulson hatte am Freitag erklärte, die USA wollten zur Rekapitalisierung der Finanzinstitute Anteile an den Banken übernehmen - drastische Maßnahmen, deren Wirkung nun mit Spannung erwartet wird.

Doch die Händler dürfte trotzdem weiter die Sorge umtreiben, dass die jüngsten Schritte auch der Zentralbanken zur Überwindung der Kreditklemme einfach nicht ausreichten. Schließlich konnten schon die Zinssenkungen der vergangenen Woche die rasante Talfahrt der Börsen nicht stoppen, weil das Vertrauen der Anleger zu stark gestört zu sein scheint.

Paris und andere Hoffnungsschimmer

Paris und andere Hoffnungsschimmer

Mit deutlichen Spuren: Für den S&P-Index ging die schlechteste Woche überhaupt zu Ende. Das Börsenbarometer fiel auf Wochensicht um 18,2 Prozent und schloss zum ersten Mal seit fünfeinhalb Jahren unter der psychologisch wichtigen Marke von 900 Punkten. Die Panikverkäufe ließen auch den Dow Jones  auf Wochensicht um 18,2 Prozent einstürzen. Der Dow schloss bei 8451 Punkten, hatte aber am Freitag zu Börsenbeginn zeitweise sogar noch unter 8000 Zählern gelegen. Die Technologiebörse Nasdaq  brach im Wochenvergleich 15,3 Prozent ein.

Auch in Frankfurt beschleunigte sich zum Wochenschluss der freie Fall des Leitindex. Der Dax  ging 7 Prozent tiefer mit 4544 Punkten aus dem Handel und endete auf dem niedrigsten Stand seit rund drei Jahren. Am Wochenende erhielt der Aktionsplan der sieben führenden Industrienationen (G-7) mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Gruppe der 20 Schwellen- und Entwicklungsländer größtmögliche Unterstützung.

Vom Krisengipfel der Euro-Länder am Sonntag in Paris wurden konkrete Pläne für die Banken der Eurozone und damit ein Signal für die Märkte erwartet. Hinweise auf den gegenwärtigen Zustand der Wirtschaft suchen die Anleger in mehreren Konjunkturdaten, die ebenfalls in der kommenden Woche erwartet werden - so am Mittwoch die Erzeugerpreise, am Donnerstag der Verbraucherpreisindex und am Freitag die Wohnbaubeginne jeweils für den Monat September.

Einen Hoffnungsschimmer für die anstehende Bilanzsaison brachte der Computerriese IBM , der überraschend gute vorläufige Zahlen veröffentlichte. Er sorgte bei den Anlegern zumindest für etwas Optimismus, dass Technologiekonzerne der Krise trotzen könnten.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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