Märkte Horrorwoche endet glimpflich für den Dow

Für den Dax war es ein schwarzer Freitag, für den Dow Jones ging die Schreckenswoche vergleichsweise versöhnlich zu Ende. "Nur" 1,5 Prozent betrug der Verlust, nachdem der Index zunächst erneut ins Bodenlose zu stürzen drohte. Banken waren an der Wall Street die großen Gewinner, weil Schnäppchenjäger ihre Chance wittern.

Frankfurt am Main - Unter der Last der Finanzkrise hat der Dow-Jones-Index  eine seiner schwärzesten Wochen mit einem satten Minus von 18,15 Prozent beendet. Der Leitindex notierte am Ende so tief wie seit Juni 2003 nicht mehr. Dennoch fiel der Tagesverlust von Freitag mit etwa 1,5 Prozent im Vergleich zu den anderen Handelstagen der Woche moderat aus.

John O'Brien, Vizepräsident des Handelshauses MKM Partners, verwies auf die Hoffnung der Anleger, dass die G7-Finanzminister und Notenbankchefs auf ihrem Treffen am Wochenende in Washington wirksame Schritte zur Bewältigung der Kreditkrise beschließen werden. Zudem waren Händlern zufolge vor allem solche Aktien gefragt, die zuletzt im Zuge der Finanzkrise starke Verluste erlitten hatten und nun wieder attraktive Einstiegschancen böten.

Gleichwohl hat sich der Dow in den letzten Tagen meilenweit von seinem Rekordhoch von 14.198 Zählern entfernt, das er vor knapp einem Jahr - am 11.10.2008 - erreicht hatte. Auf Jahressicht gerechnet bedeutete dies ein gewaltiges Minus von 40,48 Prozent.

Der Dow Jones verlor 1,49 Prozent auf 8.451 Zähler und schloss damit zum achten Mal in Folge im negativen Terrain. Der marktbreite S&P-500-Index gab um 1,18 Prozent auf 899 Zähler ab. An der Nasdaq ging es für den Composite-Index  hingegen um 0,27 Prozent auf 1650 Punkte hoch. Der Nasdaq 100  fiel um 0,42 Prozent auf 1270 Punkte ab.

Die zuletzt stark gebeutelten Finanzwerte führten die Liste der Gewinner im Dow Jones an. Sie wurden vor allem von Schnäppchenjägern nachgefragt. Titel der Citigroup  etwa verteuerten sich um 9,13 Prozent auf 14,11 US-Dollar.

Papiere von Wachovia  schossen um 43,06 Prozent auf 5,15 Dollar in die Höhe, nachdem die Übernahme durch Wells Fargo auf die Zielgeraden geht und von der Citigroup nicht mehr blockiert wird. Wells Fargo rückten um 3,89 Prozent auf 28,31 Dollar hoch. An der Dow-Spitze stiegen die Titel von JP Morgan um 13,52 Prozent auf 41,64 Dollar.

Neue Sorgen um Morgan und Goldman

Neue Sorgen um Morgan und Goldman

Gegen den Trend brachen allerdings die Titel der ehemaligen Investmentbanken Morgan Stanley  und Goldman Sachs  teilweise deutlich ein. Händler verwiesen auf Meldungen, wonach die Ratingagentur Moody's eine Abstufung der langfristigen Anleihen der beiden Geldhäuser erwägt.

Analyst Richard Bove von Ladenburg Thalmann schrieb zudem, dass ihn der Kursrutsch bei Morgan Stanley an die Kursentwicklung der inzwischen insolventen Investmentbank Lehman Brothers  erinnere. Auch diese Aussage drücke auf die Stimmung, sagten Börsianer. Morgan Stanley-Titel verbilligten sich um 22,25 Prozent auf 9,68 US-Dollar, und für die Papiere von Goldman Sachs ging es um 12,38 Prozent auf 88,80 Dollar nach unten.

Außerhalb der Finanzbranche stiegen Aktien von General Electric (GE)  nach Zahlen zum dritten Quartal um 13,10 Prozent auf 21,50 Dollar. Wie erwartet führte die Finanzkrise zu einem Gewinneinbruch des US-Mischkonzerns. Titel von Fluggesellschaften profitierten von den niedrigeren Ölpreisen und zählten damit ebenfalls zu den Gewinnern. Aktien von United Airlines etwa legten um 12,52 Prozent auf 6,02 Dollar zu.

Aktien von Alcoa  gaben hingegen um 9,71 Prozent auf 11,25 Dollar nach. Händler verwiesen darauf, dass die Ratingagentur S&P eine Herabsetzung der Kreditwürdigkeit des Aluminiumkonzerns erwägt.

Dax erlebt schwarzen Freitag

Dax erlebt schwarzen Freitag

Mit deutlichen Abschlägen hatte der deutsche Aktienmarkt eine turbulente Börsenwoche beendet. Nach einer rasanten Talfahrt um bis zu 11,8 Prozent erholte sich der Leitindex Dax  am Freitag bis zum Handelsende etwas, büßte aber immer noch 7,01 Prozent auf 4544 Zähler ein und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Sommer 2005.

Seinen bislang höchsten Kursverlust an einem Tag hatte der deutsche Leitindex vor knapp 20 Jahren mit 12,81 Prozent erlitten. Aber die gesamte Woche dürfte mit einem Minus von insgesamt rund 22 Prozent als schwarzes Kapitel in die Geschichte des Dax eingehen. Der MDax  gab um 6,76 Prozent auf 5326 Punkte ab. Der TecDax  verlor 4,81 Prozent auf 516,75 Zähler.

"Diesen Freitag sollte man abhaken", meinte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Er hoffe darauf, dass das Treffen der Notenbankchefs und Finanzminister der sieben wichtigsten Industrienationen (G7) eine Wende bringt.

"Am Wochenende haben die wichtigsten Industriestaaten der Welt Gelegenheit, Maßnahmen zu beschließen, die Ruhe in die Märkte bringen könnten. Analysiert werden kann anschließend. Jetzt ist erstmal Handeln dringend gefragt." Er habe die Hoffnung, dass die pragmatische Maßnahmen ergriffen würden, um wieder die turbulenten Finanzmärkte zu beruhigen.

An der Wall Street war der Dow Jones  zur Eröffnung um 8,1 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen. Der Nasdaq  gab 6 Prozent nach. Nach einer Erholung rutschte der Dow gegen 19.50 Uhr wieder deutlich ab und tendierte mit 7 Prozent im Minus, so dass er erneut unter die Marke von 8000 Punkten fiel. Dann ging es wieder leicht aufwärts.

Finanztitel und Telekom im Ausverkauf

Finanztitel und Telekom im Ausverkauf

An erster Stelle wurden wieder die Finanztitel im Dax verkauft: Deutsche Bank  verloren als schwächster Wert des Index 16,08 Prozent auf 31,225 Euro und notierten damit auf dem tiefsten Stand seit 15 Jahren. Aktien der Deutschen Postbank  verloren 14,61 Prozent auf 22,62 Euro.

Auch die Titel von Versicherern wurden abgestraft. Allianz  verloren 9,21 Prozent auf 70,95 Euro. Münchener Rück  büßten 9,81 Prozent auf 85,68 Euro ein. Die Deutsche Telekom  büßte 13 Prozent ein und schloss bei 9,00 Euro.

Die Nachricht, dass die Bundesregierung an einem Rettungsplan für das deutsche Finanzsystem nach englischem Vorbild arbeitet, brachte keine Erleichterung. Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet in ihrer Samstagsausgabe, die Regierung erwäge, nicht nur Interbankenkredite in dreistelliger Milliardenhöhe zu garantieren oder direkt Kredite zu vergeben, sondern auch Eigenkapital in zweistelliger Milliardenhöhe zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug werde sich der Staat an den Kreditinstituten beteiligen. Zudem erwäge die Regierung offenbar, Geldmarktfonds wie zuvor schon Ersparnisse zu garantieren oder sie auf die eigenen Bücher zu nehmen.

Die deutschen Automobilwerte standen ebenfalls wieder einmal deutlich unter Druck. Die Ratingagentur S&P kündigte eine weitere Abstufung der Kreditwürdigkeit für General Motors (GM) und Ford an. "Vor allem die Begründung gießt für die gesamte Branche Öl ins Feuer", sagte ein Börsianer. So argumentiert S&P mit den sich weltweit immer dynamischer verschlechternden Automärkten und den Auswirkungen der Finanzkrise, die auf absehbare Zeit eine ernste Herausforderung bleiben werde.

Darüber hinaus verwiesen die Händler auch auf eine Branchenstudie der Citigroup, in der die Kursziele für die Autobauer massiv gesenkt worden waren. Am ärgsten erwischte es Porsche  mit einer Halbierung des Ziels auf 45 Euro.

Verluste auf dem gesamten Kontinent

Verluste auf dem gesamten Kontinent

Die Aktien von Daimler  sackten um 8,29 Prozent auf 22,565 Euro ab. BMW  fielen um 8,78 Prozent auf 19,630 Euro. Porsche-Aktien fielen um 8,08 Prozent auf 48,79 Euro. Die Volkswagen-Titel  konnten sich erneut gegen den Abwärtssog stemmen und zogen um plus 15,20 Prozent auf 342,00 Euro an. Eine eindeutige Erklärung gebe es ebenso wenig wie am Mittwoch, als die Aktie im Verlauf um über 50 Prozent angesprungen war, nur um anschließend den gesamten Kursgewinn wieder abzugeben, hieß es am Markt.

Im MDax  sackten die Aktien von Tui  um 8,79 Prozent auf 8,765 Euro ab. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" will sich außerdem die Reederei Neptune Orient Lines  aus Singapur aus dem Bieterverfahren für Hapag-Lloyd zurückziehen. "Das Angebot war eigentlich bindend, das könnte interessant werden", sagte ein Börsianer.

Einem "Handelsblatt"-Bericht zufolge soll sich wenige Tage vor der Entscheidung über den Verkauf der Traditionsreederei das Rettungsbündnis aus Hamburg als "Ein-Mann-Show" entpuppt haben. Nach Informationen der Zeitung aus Unternehmenskreisen setzt der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne mehr als eine Milliarde Euro seines Privatvermögens ein. Alle anderen hanseatischen Kaufleute, die angeblich hinter Kühne standen, seien ausgeblieben. "Das wirft die Frage auf, wie das vier Milliarden schwere Angebot für Hapag-Lloyd finanziert werden soll", sagte ein Börsianer.

Auch andere europäische Börsen sind am Freitag erneut mit massiven Verlusten aus dem Handel gegangen. Damit litten die Notierungen weiter unter anhaltenden Befürchtungen, dass die Rettungspakte der Regierungen für die angeschlagene Finanzbranche nicht ausreichen dürften, um eine weltweite Rezession zu vermeiden. Titel von Banken und Versicherern sowie Minenwerte gaben vor diesem Hintergrund besonders deutlich nach. Anleger warteten nun auf neue Impulse der G7-Finanzminister, die sich am Wochenende zusammen mit den wichtigsten Notenbankchefs in Washington treffen.

Der EuroStoxx 50  brach um 7,88 Prozent auf 2422 Zähler ein und schloss auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2003. Auf Wochenbasis bedeutete dies ein sattes Minus von genau 22,22 Prozent. Der Stoxx 50  büßte 8,61 Prozent auf 2095 Zähler ein. Der französische CAC 40  sackte um 7,73 Prozent auf 3176 Punkte ab. Der Londoner FTSE 100  fiel unter die Marke von 4000 Zählern und rutschte um 8,85 Prozent auf 3932 Punkte ab.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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