Börse Anleger müssen sich anschnallen

Dem Dax steht am Montag ein rauer Handelstag bevor. Trotz des neuen Rettungspaketes für die HRE dürften viele Investoren Geld abziehen - vor allem aus Finanztiteln. Auch die Wall Street war abgesackt, nachdem das US-Rettungspaket beschlossen worden war. Händler rechnen mit einem neuen Jahrestief im Dax.

Frankfurt am Main - Die dramatische Zuspitzung am Finanzmarkt, schlechte Konjunkturdaten sowie die jüngsten Verluste an der Wall Street setzen die Aktienmärkte in Deutschland und Europa unter Druck. Der Dax  dürfte am Montagmorgen zunächst deutlich nachgeben und auf ein neues Jahrestief fallen - zu groß sind die Nervosität und der Abgabedruck vor allem im Finanzsektor.

Für schlechte Stimmung in den Handelsräumen sorgt das Ringen um die Rettung der Hypo Real Estate, nachdem das erste Rettungspaket überraschend aufgekündigt worden war. Der Kurs der Münchener Bank war in der vergangenen Woche bereits Achterbahn gefahren. Zwar haben Vertreter von Bundesregierung und deutschen Banken am späten Sonntagabend ein neues, 50 Milliarden schweres Rettungspaket für die HRE vereinbart. Doch das ist noch kein Indiz für steigende Kurse, sondern eher ein Beleg für den Ernst der Lage im Finanzsektor.

Außerdem haben Hoffnungen auf ein europäisches Hilfspaket für die Banken nach US-Vorbild hatten am Wochenende einen Dämpfer erhalten. Die vier größten europäischen Länder wollen zwar in enger Abstimmung das von der Finanzkrise bedrohte Bankensystem stützen. Den von Banken geforderten europaweiten Auffang-Fonds für faule Kredite nach amerikanischem Vorbild soll es jedoch nicht geben.

Dow Jones bricht nach froher Botschaft ein

Auch aus den USA kommt keine Unterstützung, sondern Gegenwind: Zwar hat das 700 Milliarden Dollar schwere US-Rettungspaket für die Finanzbranche am Freitag im zweiten Anlauf das Repräsentantenhaus passiert. Der Dow Jones  hatte am Freitag im späten Handel jedoch alle frühen Gewinne wieder abgegeben und 1,5 Prozent im Minus geschlossen.

Nach Xetra-Schluss verlor der Leitindex rund 400 Zähler. Mit einem Wochenverlust von 7,3 Prozent fiel der Dow auf 10321 Punkte und schloss sogar noch tiefer als am vergangenen Dienstag, als das Rettungspaket in erster Lesung abgelehnt worden war.

"Der Rettungsplan ist kein Allheilmittel", sagten Analysten. Die Unsicherheit bleibe insgesamt hoch, nicht zuletzt wegen der jüngsten, sehr schwachen Konjunkturdaten aus den USA.

Die Finanzkrise hatte auch den Dax in der abgelaufenen Woche arg durchgeschüttelt. Der Leitindex fiel zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief bei 5658 Punkten.

US-Berichtssaison beginnt

US- Berichtsaison beginnt

Die US-Berichtssaison, die traditionsgemäß mit der Bilanz des US-Konzerns Alcoa  am Dienstag beginnt, wird Experten zufolge den Fokus der Anleger verstärkt auf zu hoch gesteckte Gewinnerwartungen lenken.

"Nach unserer Einschätzung werden die Gewinnwarnungen in vielen Sektoren im dritten und vierten Quartal zunehmen", schreiben die Strategen von ING Investment Management. Am Freitag stehen die Zahlen von General Electric  an. Der breit aufgestellte Mischkonzern hat bereits eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal abgegeben, was US-Multimilliardär Warren Buffett nicht daran hinderte, drei Milliarden Dollar in den Industriegiganten zu investieren.

Konjunktur in Europa schwächelt

Neue Hinweise zur Konjunkturentwicklung in Deutschland dürften am Dienstag die Daten zu den Auftragseingängen der Industrie im August geben. Am Mittwoch folgt die Statistik des produzierenden Gewerbes. "Die deutsche Industrie dürfte ihre Produktion im August weiter zurückgefahren haben", prognostiziert Ralph Solveen von der Commerzbank.

"Damit wäre so gut wie sicher, dass das reale Bruttoinlandsprodukt auch im dritten Quartal zurückgegangen ist, die an den Märkten allgemein verwendete Definition für eine Rezession wäre erfüllt." Als Rezession gelten zwei Quartale mit rückläufiger Wirtschaftsleistung hintereinander.

Die Bank of England entscheidet am Donnerstag über die Höhe des Leitzinses. Von Reuters befragte Volkswirte gehen mehrheitlich davon aus, dass der Zins mit 5,0 Prozent bestätigt wird. Die EZB hat am Donnerstag den Leitzins bei 4,25 Prozent belassen. Notenbankchef Jean-Claude Trichet betonte allerdings die extrem hohe Unsicherheit an den Märkten. Analysten folgerten, dass bis Jahresende eine Zinssenkung zu erwarten ist.

manager-magazin.de mit reuters und ap

Dax-Geflüster: Vorsicht, billig!

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.