Börsenschluss Nach dem Beben

Der Frankfurter Aktienleitindex Dax hat zugelegt, die kleineren hiesigen Indizes ebenfalls. Der deutsche Aktienmarkt profitierte somit von der Hoffnung der Anleger: Sie spekulierten darauf, dass Amerikas Rettungspaket doch noch verabschiedet wird. An der Börse in New York steigen die Aktienkurse ebenfalls.

Frankfurt am Main/New York - Das führende hiesige Börsenbarometer hat sich heute leicht von seinen kräftigen Vortagsverlusten erholt. Der Dax  startete zwar noch 2,5 Prozent schlechter als gestern in den Handelstag; das war der tiefste Stand seit August 2006. Doch der Index reduzierte in den folgenden Stunden stetig seine Verluste. Zuletzt erreichte er mit einem Plus in Höhe von 0,41 Prozent noch 5831,02 Punkte. Der Nebenwerteindex MDax  legte 2,0 Prozent auf 6956,77 Stellen zu und der TecDax  1,54 Prozent auf 685,90 Zähler.

Am besten schlugen sich heute die Aktien der Hypo Real Estate  mit einem Plus von von 18 Prozent auf 4,15 Euro. Allerdings hatten die Wertpapiere des angeschlagenen Münchner Immobilienfinanziers trotz der Rettungsaktion von Bundesregierung und Privatbanken am Vortag auch fast drei Viertel ihres Werts verloren. Darüber hinaus legten Infineon-Papiere , die am Vortag rund ein Viertel ihres Wertes eingebüßt hatten, um 7,0 Prozent auf 3,92 Euro zu. Zuvor hatte das Unternehmen bestätigt, dass der Geschäftsverlauf im dritten Quartal den Erwartungen entspreche, hieß es. Dagegen wiesen die Anteillscheine der Commerzbank  heute mit einem Abschlag von 5 Prozent auf 10,40 Euro die höchsten Verluste im Leitindex Dax auf.

Im MDax erholten sich die Arcandor-Titel  von ihren jüngsten enormen Kursverlusten und legten um 24,60 Prozent auf 2,33 Euro zu. Doch selbst mit diesem Zuwachs hat das Papier damit seit Monatsbeginn fast 60 Prozent an Wert verloren.

In Amerika lösten sich die Aktienkurse ebenfalls von ihren deutlichen Vortagsverlusten: Der US-Leitindex Dow Jones  stieg um etwa 3,5 Prozent auf rund 10.730 Zähler. Der Technologieindex Nasdaq Composite  gewann mehr als 4 Prozent auf 2070 Punkte hinzu.

Amerikas Präsident George W. Bush hatte kurz vor der Börseneröffnung in einer Fernsehansprache gesagt, das Gesetzgebungsverfahren sei nicht beendet. Er forderte den Kongress deshalb zu zügigem Handeln auf. Der mühsam ausgehandelte Kompromiss war am Montag abgelehnt worden, es folgte ein Sturzflug an der Wall Street: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verzeichnete seinen größten Tagespunktverlust aller Zeiten.

EZB gibt weitere Geldspritze

Anders als an der deutschen und amerikanischen Börse ging es heute an den Aktienmärkten in Japan und Australien bergab. Der japanische Nikkei-Index  verlor mehr als 4 Prozent und schloss mit 11.260 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2005. In Australien gab es für den S&P/ASX-200 ein Minus von 4,3 Prozent. Dagegen verzeichnete der Hang Seng  in Hongkong ein Plus von 0,76 Prozent, Österreichs ATX gewann 0,40 Prozent auf 2767 Indexpunkte hinzu, Russlands RTS-Interfax-Index 1,48 Prozent auf 1211,84 Stellen und auch in Indien ging es an der Börse nach oben.

Die Europäische Notenbank hat heute zwei weitere kurzfristige Liquiditätsspritzen in Höhe von insgesamt 80 Milliarden Dollar bereitgestellt. Am Dienstagmorgen legte die Bank einen sogenannten Tender in Höhe von 30 Milliarden Dollar auf, später bot sie noch einmal 50 Milliarden Dollar an. Der angemeldete Bedarf der Banken habe jedoch bei 108 Milliarden Dollar gelegen, hieß es.

Der Ölpreis hat am Dienstag wieder stark zugelegt. Mit zeitweise 100,02 Dollar kostete das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI am Nachmittag 3,8 Prozent mehr als am Vorabend. Händler begründeten den Preissprung mit der Hoffnung, dass das US-Rettungspaket für die Banken doch noch in dieser Woche vom US-Kongress verabschiedet wird. Dies würde die Konjunkturängste, die zuvor den Preis bis auf 93,36 Dollar gedrückt hatten, wieder etwas lindern, hieß es. Das Fass Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um bis zu 4Prozent auf 97,80 Dollar.

Die Hoffnung auf das US-Rettungspaket hat am Dienstag auch den Dollarkurs angeschoben. Der Euro-Preis  fiel auf rund 1,41 Dollar von mehr als 1,44 Dollar am Morgen. Zum Yen stieg der Dollar auf 105,30 Yen von 103,55 Yen. An den Rentenmärkten machten viele Anleger Kasse, nachdem sich an der Wall Street die Aktienkurse etwas erholt hatten. "Die Märkte folgen dem Auf und Ab des Optimismus über ein Rettungspaket", erklärte Steve Barrow, Währungsstratege der Standard Bank.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ddp und reuters

Überblick: Welche Banken bislang strauchelten

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