Börsen Dow Jones knallt 400 Punkte hoch

Erst Panik, nun Euphorie: Nach Tagen dramatischer Verluste hat der Dow Jones um fast vier Prozent zugelegt und über der Marke von 11.000 Punkten geschlossen. Ausgelöst wurde der Kaufrausch von Gerüchten über Regierungspläne für eine Behörde, die faule Kredite auffangen und abwickeln soll.

New York - Mit einem kräftigen Kursaufschwung hat die New Yorker Börse am Donnerstag den ebenso dramatischen Einbruch vom Vortag fast wieder wettgemacht. Der Dow Jones  stieg bis Handelsende um rund 3,9 Prozent und schloss mit 11.018 Punkten. Am Mittwoch war das Börsenbarometer um mehr als vier Prozent abgestürzt.

Der Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 markierten den größten Tagesgewinn seit Oktober 2002. Der S&P 500 legte um 4,3 Prozent auf 1206 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  schnellte sogar um 4,8 Prozent auf 2199 Punkte in die Höhe. Der Frankfurter Dax  lag mit einem winzigen Gewinn von 0,04 Prozent im Plus und schloss nahezu unverändert bei 5863 Zählern Börsenschluss: Die böse letzte halbe Stunde.

Dem Börsenschluss in New York war ein turbulenter Handelstag vorangegangen: Die Kurse hatte zunächst eine gemeinsame Aktion führender Notenbanken gestützt. Sie hatten in einer beispiellosen Aktion ihre Kräfte gebündelt und bewahrten mit einer milliardenschweren Rettungsaktion den Geldmarkt vor einem Kollaps. Bis zum Mittag büßten die US-Börsen ihre Gewinne aus dem frühen Handel wieder ein - ehe sie zum Ende des Handels dramatisch ins Plus drehten.

US-Finanzministerium lehnt Stellungnahme ab

Händler machten mögliche Rettungspläne der US-Regierung für den Aufschwung verantwortlich: Wie der Sender CNBC berichtet, denke die US-Regierung angesichts der Zuspitzung der Finanzmarktkrise über eine Auffanglösung für Bankschulden nach. Das Finanzministerium erwägt Kreisen zufolge die Schaffung einer Behörde zur Abwicklung fauler Kredite: In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und faule Kredite gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten.

Dies wäre ein ähnliches Vorgehen wie beim Vorgehen der schweren Finanzkrise bei Sparkassen und Genossenschaften (Savings and Loan Crisis) in den späten achtziger Jahren, berichtete CNBC zunächst ohne weitere Details. Der Sender berief sich auf Informationen von der Wall Street nach entsprechenden Gesprächen mit dem Finanzminister.

Das US-Finanzministerium lehnte eine Stellungnahme ab. "Mit einer solchen Behörde könnte die Abwicklung von Problemanlagen gelingen", sagte Investor Malcolm Polley von Stewart Capital.

US-Justiz untersucht Börsenwetten

US-Justiz nimmt Börsenwetten ins Visier

Unterdessen hat der US-Bundesstaat New York wegen des Verdachts auf betrügerische Spekulationen im Zusammenhang mit der Finanzkrise Ermittlungen eingeleitet. Es gehe dabei um den Verdacht der gezielten Verbreitung von "falschen Informationen und Gerüchten" mit dem Ziel, die Kurse bestimmter Aktien in den Keller zu treiben, sagte der New Yorker Justizminister Andrew Cuomo am Donnerstag auf CNN.

Zwar seien Baissespekulationen im Grundsatz legal, sagte Cuomo. "Es ist aber illegal, wenn man sich verschwört, um vorsätzlich den Preis einer Aktie nach unten zu treiben und dann von dem Sturz zu profitieren", fügte er hinzu. Er ließ offen, gegen wen sich die Ermittlungen richteten.

Als Beispiele nannte Cuomo die Investmentbank Lehman Brothers , die am Montag kollabiert war, und die Banken Morgan Stanley  und Goldman Sachs , deren Kurse zu Wochenbeginn rasant eingebrochen waren. Dabei bestehe der Verdacht auf illegale Manipulationen, sagte der Minister. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen sogenannte Leerverkäufe oder Baissespekulationen. Dabei verkaufen Händler geliehene Aktien, die ihnen nicht gehören, verkaufen diese und hoffen darauf, sie nach einem Kurssturz zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen zu können.

Großbritannien verbietet Optionsgeschäfte

Angesichts der Turbulenzen auf den internationalen Märkten hat die britische Finanzaufsicht (FSA) am Donnerstag Optionsgeschäfte verboten. "Wir betrachten Optionsgeschäfte weiterhin als legitime Investitionstechnik unter normalen Marktbedingungen", erklärte FSA-Chef Hector Sands in London. Doch die gegenwärtige "extreme Lage" führe zu chaotischen Zuständen auf den Märkten. Daher sei die Entscheidung zum Verbot der Optionsgeschäfte getroffen worden, "um uns gegen weitere Instabilität auf dem Finanzsektor zu verwahren".

Bei Optionsgeschäften erwirbt der Käufer das Recht, eine bestimmte Anzahl von Aktien zu einem bestimmten Preis innerhalb einer gesetzten Frist zu kaufen oder zu verkaufen. Da Anleger mit solchen Geschäften auf Kursbewegungen setzen, besteht die Versuchung, diese durch massive An- oder Verkäufe selbst hervorzurufen. Die sogenannte Baisse-Spekulation kann für erhebliche Unruhe an der Börse sorgen und Unternehmen in Schwierigkeiten bringen. Finanzminister Alistair Darling begrüßte die Entscheidung der FSA: "Ich glaube, dass das bei den gegenwärtigen Marktbedingungen richtig und im Interesse der finanziellen Stabilität ist."

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

Börsenschluss: Die böse letzte halbe Stunde

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