Börsenschluss Die böse letzte halbe Stunde

Will Morgan Stanley doch unabhängig bleiben? Die Frage löste am Nachmittag an den US-Börsen einen plötzlichen Kursrutsch aus, der auch in Frankfurt die Gewinne minimierte. Das Plus im Dax schrumpfte auf 0,04 Prozent - ohne die rätselhafte Kursexplosion bei Volkswagen hätte es wohl nicht mal dazu gereicht.

Frankfurt am Main - "Das ist hier ein einziges Durcheinander, fundamental ist das nicht zu begründen", sagte ein Händler zu der plötzlichen Talfahrt des deutschen Aktienmarktes am Nachmittag. Der Dax  hatte den Tag über bis zu 1,8 Prozent im Plus verbracht, rutschte dann aber im späten Handel ins Minus und schloss schließlich mit einem leichten Plus von 0,04 Prozent auf 5863,42 Punkte.

Bei 5818 Zählern hatte der Leitindex im frühen Handel ein neues Zweijahrestief markiert. Der MDax  mittelgroßer Werte verlor zu Handelsende 1,04 Prozent auf 7419,80 Zähler. Der TecDax  stand 0,05 Prozent im Minus bei 712,04 Punkten.

Die weltweit führenden Notenbanken stemmten sich am Morgen in einer gemeinsamen Aktion gegen die anhaltende Krise an den internationalen Finanzmärkten und führten diesen kurzfristige liquide Mittel in US-Dollar zu. Das beruhigte den Markt bis kurz vor Handelsschluss.

Nachrichten, dass Morgan Stanley  doch unabhängig bleiben wolle, gepaart mit einem Kursrückgang an den US-Börsen, habe dann den Rutsch am deutschen Markt verursacht, hieß es am Markt. Anscheinend wolle niemand die angeschlagene Investmentbank haben, sagte ein Marktteilnehmer. "Alles ist hypernervös und extrem volatil", sagte ein Händler.

Volkswagen-Kurs steigt in drei Tagen um 44 Prozent

Da verwundere eine solche Kursreaktion nicht. Das leichte Plus im Dax führten Börsianer vor allem auf den steilen Anstieg der Volkswagen-Aktien  zurück, die um 26,57 Prozent auf 304,00 Euro gestiegen waren. Zwischen 80 und 90 Punkte im Dax waren Börsianern zufolge auf den Kursanstieg bei Volkswagen zurückzuführen. Die Aktien stiegen in der Spitze auf ein neues Rekordhoch von 305,06 Euro, zum Schluss notierten sie mit 26,57 Prozent auf 304,00 Euro im Plus.

In den vergangenen drei Handelstagen hatten die Aktien damit rund 44 Prozent gewonnen. Am Markt würden verschiedene Szenarien als mögliche Ursache diskutiert, unter anderem Short-Eindeckungen und Zukäufe von Porsche , sagte ein Börsianer. "Was letztlich wirklich dahintersteckt - keine Ahnung." Nord/LB-Analyst Frank Schwop hält die Spekulationen, dass Piech oder Porsche Aktien kaufen für unwahrscheinlich.

Spekulationen um Morgan Stanley

Spekulationen um Morgan Stanley

"Ich glaube, das sind Eindeckungen um Derivate zu bedienen." Dabei könnte die Gegenseite nicht nur Porsche, sondern auch andere Parteien sein. Der Kursanstieg im aktuellen Marktumfeld sei in jedem Fall außergewöhnlich. "Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Dax-Wert schon einmal knapp 25 Prozent gestiegen ist."

Daneben hielt die Finanzkrise die Anleger natürlich weiter in Atem. Am Morgen übernahm der britische Finanzkonzern Lloyds TSB  die unter Druck geratene Hypothekenbank HBOS  für 12,2 Milliarden Pfund. Die in Bedrängnis geratene US-Investmentbank Morgan Stanley führte zwar laut Medienberichten am Nachmittag noch "fortgeschrittene Gespräche" mit Wachovia . Kurz vor Börsenschluss machte jedoch die Nachricht am Markt die Runde, dass Morgan Stanley doch unabhängig bleiben wolle.

Deutsche Börse deutlich im Plus

Deutsche Börse deutlich im Plus

Auf Xetra entwickelten sich Finanzwerte unterdessen bei anhaltend sehr nervösem Handel uneinheitlich: Während sich die Aktie der Deutschen Bank  mit einem Minus von 0,07 Prozent auf 50,28 Euro noch unter den besseren Werten im Dax hielten, rutschten Allianz-Papiere  um 5,53 Prozent auf 89,40 Euro ab. "Es ist fast unheimlich, so schnell hat sich die Bankenlandschaft noch nie bereinigt", sagte ein Marktteilnehmer. Damit dürfte die Krise kurz vor einem einstweiligen Höhepunkt stehen.

Titel des Frankfurter Börsenbetreibers Deutsche Börse  gewannen 7,45 Prozent auf 63,49 Euro. Einem Börsianer zufolge spekulieren Anleger auf ein nachlassendes Interesse an alternativen Aktienhandelsplattformen wie Turquoise, weil Anleger nicht das Risiko ausfallender Handelspartner tragen wollten. Ein Analyst vermutete wegen der steigenden Handelsumsätze Spekulationen auf gute Monatszahlen hinter dem Plus.

Hochtief Verlierer im MDax

Hochtief Verlierer im MDax

Im MDax waren Hochtief  mit minus 6,80 Prozent auf 38,68 Euro zweitgrößter Verlierer. Leighton, die australische Tochter des Baukonzerns, verkauft Aktien im Wert von 700 Millionen australischen Dollar zur Finanzierung der weiteren Expansion in Indien, Indonesien und Australien.

Im TecDax gewannen United Internet  3,61 Prozent auf 8,60 Euro. Getrieben von Spekulationen über Aktienkäufe des Unternehmenschefs Ralph Dommermuth waren die Titel zuvor bis auf 9,37 Euro gestiegen. Am Markt würden alte Gerüchte aufgekocht, dass Dommermuth das Unternehmen für 12,50 Euro je Aktie komplett übernehmen wolle, sagten Börsianer. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Dommermuth erst in den vergangenen Tage eine Millionen Aktien zum Preis von 8,90 Euro gekauft habe, wandte ein Händler ein.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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