Wochenausblick Lehman, Goldman, Morgan

Die dramatische Krise der Investmentbank Lehman Brothers wird die Märkte in der kommenden Woche in Atem halten. Sorgen bereitet auch die Konkurrenz: Wie werden wohl die Zahlen von Goldman Sachs und Morgan Stanley ausfallen?

Frankfurt am Main - Die Achterbahnfahrt am deutschen Aktienmarkt dürfte Experten zufolge auch in der neuen Woche weitergehen. Belastungsfaktoren bleiben der weltweite Konjunkturabschwung und die Finanzkrise, die wegen der Schwierigkeiten von Lehman Brothers  rneut an Brisanz gewonnen hat.

"Die Wellen am Aktienmarkt dürften auch in den kommenden Wochen hochschlagen", urteilten die Analysten der DZ Bank. Die Landesbank Berlin sieht ebenfalls kein baldiges Ende der Turbulenzen. "Zurückhaltung an den Börsen ist weiter angebracht", kommentierten die LBB-Analysten.

Für Nervosität im Finanzsektor dürften nach dem Milliardenverlust der Investmentbank Lehman Brothers vor allem die anstehenden Zahlen der Konkurrenten Goldman Sachs  und Morgan Stanley sorgen. Konjunktur- und Inflationssignale wird die Sitzung der US-Notenbank Fed nach dem Zinsentscheid am Dienstag liefern.

"Die Hoffnung für den Aktienmarkt liegt darin, dass die Fed bei der Inflation als ihrem Hauptsorgenpunkt ein wenig Entwarnung gibt", sagte LBBW-Aktienstratege Steffen Neumann. "Das könnte den Märkten das Signal geben, dass die Notenbank nicht mehr gegen sie schießt, weil sie hauptsächlich gegen die Teuerung arbeitet, sondern sich auch um die Konjunktur gebührend sorgt."

Dann könnte der Dax  im Sog der US-Börsen seiner Einschätzung zufolge wieder in Richtung 6500 Punkte steigen. In der abgelaufenen Woche hat der Leitindex 1,8 Prozent auf 6234 Punkte zugelegt. Eine Änderung der US-Leitzinsen wird nicht erwartet. Zum Thema Inflation werden Anleger vor allem auch auf die Verbraucher- und Erzeugerpreise für die Euro-Zone und die USA achten.

Enttäuschende Zahlen von FedEx und Oracle erwartet

Dagegen könnten enttäuschende Bilanzen von Firmen wie FedEX und Oracle  auf dem Markt lasten. "Dann würden die Investoren noch einmal darauf gestoßen, dass die Aussichten für die Unternehmensgewinne in 2009 noch zu positiv sind", erläuterte Neumann.

Vor allem was den Finanzsektor angeht, bleiben Sorgen bestehen. "Wir halten die US-Finanzkrise noch nicht für ausgestanden", urteilte die DZ Bank. Lehman Brothers hat sich Berichten zufolge komplett zum Verkauf gestellt, nachdem die Finanzspritze eines koreanischen Investors ausgeblieben war. Die Aktien der Traditionsbank stürzten zuletzt ab. "Lehman gehört unserer Meinung nach zu den Adressen, die nicht umfallen dürfen. Das würde das systemische Risiko im Finanzsektor deutlich verschärfen", sagte Neumann. Er glaube daher, dass in jedem Fall eine Lösung gefunden werde.

Am deutschen Aktienmarkt dürften nach dem Teilverkauf der Postbank  an die Deutsche Bank  die Konsolidierungsfantasien im Bankensektor erst einmal verschwinden.

Anika Lehmann, reuters

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