Wochenausblick Zwischen Hoffen und Bangen

Der deutsche Aktienmarkt wird wohl auch in der bevorstehenden Woche nicht in Schwung kommen. Einerseits sorgt der kräftig gefallene Ölpreis für Entlastung. Andererseits bringt er auch nur den Abschwung in Europa und Amerika zum Ausdruck. Mit Spannung wird eine Rettungsaktion für US-Hypothekenbanken erwartet.

Frankfurt am Main - Da nach Abschluss der Bilanzsaison nicht mit Impulsen von Seiten der Unternehmen zu rechnen ist, werden Anleger vor allem auf Konjunkturdaten reagieren. "Die Aktienmärkte bewegen sich weiterhin in einem Umfeld aus schwachem Wachstum und hohem Inflationsdruck, von dem negative Wirkungen auf die Unternehmensgewinne ausgehen", erklärt Aktienstratege Tammo Greetfeld von Unicredit.

Nachdem der Dax  in der abgelaufenen Handelswoche rund 1,6 Prozent verloren hat, könnten schwache Wirtschaftsdaten den Leitindex weiter drücken. Nur technische Faktoren könnten dem Markt nach Einschätzung von Börsianern etwas nach oben helfen. Im Blickpunkt stehen die für die Dienstag erwarteten Daten. "Es herrscht Spannung vor den Ifo-Zahlen", sagte Aktienstratege Thomas Grüner von der Landesbank Berlin. Der viel beachtete Geschäftsklima-Index war im Vormonat auf den tiefsten Stand seit September 2005 gesunken.

"Nachdem sich die Industrieproduktion und die Industrieaufträge im Trend der letzten Monate kräftig verringert haben, rechnen wir mit einer merklichen Eintrübung der Lagebeurteilung", erklärte Postbank-Analyst Brian Mandt. "Dagegen könnte es aufgrund des Ölpreisrückgangs der letzten Wochen und der jüngsten Abwertung des Euros zu einer - wenn auch moderaten - Verbesserung der Geschäftserwartungen kommen." Grüner zufolge ist ein moderater Rückgang des Ifo-Index in den Kursen schon berücksichtigt. Sollte der Index jedoch wie im Vormonat abrutschen, könne dies auch den Dax mit nach unten reißen.

Am Dienstag werden sich die Börsianer auch mit dem GfK-Konsumklima-Index und den Daten zur Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal befassen müssen. Später wird sich dann der Blick auf die andere Seite des Atlantiks richten. In den USA sollen Daten zum Verbrauchervertrauen und vom krisengeschüttelten Immobilienmarkt bekanntgegeben werden. Am Abend wird das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed veröffentlicht. "Die Erwartungen einer US-Zinsanhebung haben sich auf das Frühjahr nächsten Jahres verschoben und die Auguren dürften die 'Minutes' auf eine Bestätigung ihrer Erwartungen hin durchsuchen", erklärte Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors.

Werden Fannie und Freddie verstaatlicht?

Werden Fannie und Freddie verstaatlicht?

Auch an den anderen Tagen wird Anlegern kaum Zeit zum Durchatmen bleiben. Mit Spannung verfolgt werden dürfte die Entwicklung des Ölpreises  und im krisengeschüttelten Finanzsektor. "Jeder Anstieg des Ölpreises bedeutet Gefahren für die Konjunktur und damit für den Aktienmarkt", erklärte Marktstratege Bernd Krampen von der NordLB. Am Freitag rutschte der Ölpreis allerdings erneut deutlich ab. Das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI kostete zum Wochenschluss knapp 115 Dollar.

Die Stimmung im Finanzsektor wird Börsianern zufolge vor allem von Neuigkeiten über die US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae  und Freddie Mac  bestimmt. Die Aktienanleger warten nervös auf die Entscheidung von Regierung und Notenbank, wie die angeschlagenen Hypothekenriesen gerettet werden sollen.

Dabei ist die Erwartung groß, dass Fed-Chef Ben Bernanke und Finanzminister Henry Paulson noch einmal tief in die öffentlichen Taschen greifen, um ein Zusammenbrechen der Kreditgeber für Millionen Hausbesitzer zu verhindern. Zuletzt wurde über deren Verstaatlichung spekuliert. Zugleich steht die Investmentbank Lehman Brothers  im Rampenlicht, auf die die staatliche Korea Development Bank ein Auge geworfen hat.

Schließlich blickt Amerika mit Spannung auf die Parteitage der Demokraten und Republikaner, von denen sie sich in dieser und in der kommenden Woche weitere Hinweise auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik des künftigen Präsidenten erwarten. In der Woche vor dem Labor Day fallen die Umsätze an den New Yorker Börsen traditionell schwach aus. Damit sind die Indizes aber auch anfälliger dafür, dass eine kleine Ursache auffällige Wirkungen erzeugt.

In Europa dürften die Geschäftszahlen der französischen Bank Credit Agricole  auf Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise abgeklopft werden. In Deutschland klingt die Bilanzsaison mit einigen kleineren Unternehmen aus. Interesse könnten die für Donnerstag angekündigten Zahlen des Nürnberger Marktforschers GfK  finden, der ein Gebot für den britischen Rivalen Taylor Nelson Sofres (TNS) erwägt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.