Märkte US-Banken lassen Anleger zittern

Die US-Banken stufen sich gegenseitig herab - nicht eben eine vertrauensbildende Maßnahme in turbulenten Zeiten. Wegen der Krisensignale aus Amerika rissen deutsche Bankaktien den Markt nach unten. Hauptverlierer waren Commerzbank und HRE. Wegen steigender Ölpreise schwächelten auch Konsumtitel.

Frankfurt am Main - Die anhaltende Angst vor den Auswirkungen der Finanzkrise und ein starker Anstieg des Ölpreises haben am Donnerstag die Kurse am deutschen Aktienmarkt ins Minus gedrückt. Der Dax  ging mit einem Abschlag von 1,3 Prozent auf 6237 Punkten aus dem Handel.

Für den MDax  ging es um 1,11 Prozent auf 8228 Zähler nach unten. Der TecDax  hingegen legte um 0,58 Prozent auf 801 Zähler zu.

Neue Schlagzeilen um Lehman Brothers , Fannie Mae und Freddie Mac  sorgten dafür, dass die Finanzkrise im Blick der Investoren bleibe, sagte LBBW-Stratege David Pieper. Die deutlichsten Verluste an den europäischen Märkten verbuchten daher die Titel der Bankenbranche. So verloren Commerzbank-Aktien  2,66 Prozent auf 19,62 Euro.

Der Ölpreis zog wieder spürbar an. Am Abend mussten für ein Barrel US-Öl über 121 Dollar gezahlt werden. Anfang der Woche war der Rohstoff noch neun Dollar billiger gewesen. Auch die Titel der Unternehmen, die stark von der Kauflaune der Verbraucher abhängig sind, gerieten daher unter Druck. Titel der Lufthansa  fielen um 2,54 Prozent auf 14,02 Euro.

Die Aktien von Continental  zählten nach dem Ende des Übernahmekampfes gegen die fränkische Schaeffler-Gruppe zu den wenigen Gewinnern im Dax und legten um 0,42 Prozent auf 73,80 Euro zu. Schaeffler hatte in der Nacht zum Donnerstag das Angebot je Conti-Aktie auf 75 Euro erhöht und so für eine friedliche Einigung mit dem Autozulieferer gesorgt. Die neue Offerte sei keine Überraschung, hieß es einstimmig am Markt.

IKB-Anleger spekulieren auf Angebot

IKB-Anleger spekulieren auf Angebot

Unterschiedlich erstaunt zeigten sich die Börsianer dagegen über den angekündigten Rücktritt von Konzernchef Manfred Wennemer. Fraglich sei zudem, was die Franken vorhätten, wenn ihnen mehr als die noch benötigten Anteile für die angestrebte Minderheitsbeteiligung von maximal 49,99 Prozent angeboten würden.

Am MDax-Ende brachen Titel von Arcandor  um 9,68 Prozent auf 5,41 Euro ein. Die Aktien des Handels- und Touristikkonzerns hätten in dem schwachen Marktumfeld die charttechnische Unterstützungslinie von 6,00 Euro unterschritten, sagten Börsianer. Damit habe sich der Verkaufsdruck durch chartorientierte Anleger verstärkt, hieß es.

Nordex-Papiere  hingegen stiegen im TecDax nach Halbjahreszahlen um 4,91 Prozent auf 22,86 Euro. Der Windkraftanlagen-Hersteller hatte trotz eines rückläufigen Gewinns im zweiten Quartal die Prognose für 2008 bestätigt. Händler bewerteten das Zahlenwerk sowie den Ausblick als insgesamt "leicht positiv".

Die Titel der IKB sprangen im SDax um 7,84 Prozent auf 2,89 Euro hoch. Nach dem beschlossenen Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank an den US-Finanzinvestor Lone Star werde nun vor allem auf das Pflichtangebot spekuliert, hieß es am Markt. Dieses muss den Aktionären in der Regel gemacht werden, sobald ein Käufer mehr als 30 Prozent der Aktien eines Unternehmens erwirbt.

Papiere der Beteiligungsgesellschaft Arques Industries  litten unter der Senkung ihrer Jahresprognose und waren mit einem Minus von 5,62 Prozent auf 7,73 Euro der Verlierer in dem Index.

Teufelskreis an der Wall Street

Teufelskreis an der Wall Street

An der Wall Street haben der Anstieg der Ölpreise und Sorgen über die US-Finanzbranche zu Verlusten geführt. Ein Rückgang der Erstanträge von Arbeitslosen konnte die Stimmung der Investoren nicht ausreichend aufhellen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte  fiel bis zum Mittag 0,2 Prozent auf 11.393 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,1 Prozent auf 1273 Zähler nach, der Technologie-Index Nasdaq  0,7 Prozent auf 2373 Punkte.

Für Unruhe unter den Investoren sorgten Finanzinstitute wie Lehman Brothers und Goldman Sachs , die sich gegenseitig herabstuften. Die Aktien von Lehman Brothers verloren bis zum Mittag 3,6 Prozent, nachdem auch die Citigroup  der Investmentbank neue Milliardenabschreibungen prognostizierte.

Einem Zeitungsbericht zufolge scheiterte Lehman zudem auch in China mit einem Versuch, sich eine Geldspritze zu beschaffen. Zuvor hatten Medien bereits berichtet, ein solcher Versuch sei in Südkorea fehlgeschlagen.

Citigroup verlor 1,4 Prozent, JPMorgan 2,2 Prozent. Die Titel der Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac machten anfängliche Verluste wieder gut, da Investoren kursgünstig zuschlugen. Die Papiere von Freddie Mac notierten 1,5 Prozent im Plus, Fannie Mae-Aktien gar 5,7 Prozent.

Bei den Konzernen war tagelang ein Teufelskreis in Gang: Fallende Aktienkurse machten die Kapitalbeschaffung und damit ihr Überleben immer schwieriger. Deshalb sehen viele Experten eine faktische Verstaatlichung als einzigen Ausweg, bei der Aktionäre voraussichtlich schlecht wegkommen würden. "Der Häusermarkt kann sich wirklich schwer stabilisieren, weil es keine Kredite gibt", sagte Andrew Kanaly von Kanaly Trust Company in Texas.

Relativ gut konnten sich dagegen die Titel des weltgrößten Ketchup-Herstellers Heinz  halten, sie tendierten am Mittag 0,8 Prozent fester. Neue Produkte und ein starkes Auslandsgeschäft bescherten dem Konzern mehr Gewinn als erwartet.

Burger-King-Aktien notierten dagegen knapp 5 Prozent schwächer, obwohl die Hamburger-Kette besser als erwartete Quartalszahlen vorlegte. Unter dem kräftigen Ölpreisanstieg auf fast 120 Dollar pro Barrel litten erneut die Aktien von Fluggesellschaften, dagegen profitierten die Titel aus der Erdöl-Branche. Exxon-Mobile-Aktien  legten 2,2 Prozent zu.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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