Börsenschluss Kurse trotzen US-Daten

Angeschoben von Kursgewinnen an der Wall Street hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag mit einem leichten Plus geschlossen. Zuvor waren die Kurse nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA abrupt ins Minus gerutscht. Viele Quartalsberichte sorgten für Bewegung.

Frankfurt am Main - Der Dax  beendete den Handel 0,3 Prozent höher bei 6442 Punkten, nachdem er am Nachmittag bis auf rund 6370 Punkte gefallen war. Der MDax  legte um 0,20 Prozent auf 8363,38 Zähler zu. Der TecDax  gewann 0,65 Prozent auf 773,77 Punkte.

An der Börse in New York erholten sich insbesondere die zuletzt schwachen Finanzwerte. Auch Technologietitel waren gefragt. Der Dow Jones  notierte bei Handelsschluss in Europa 0,9 Prozent höher, der Technologieindex Nasdaq Composite  stieg um 0,8 Prozent. Zur Eröffnung hatte die Wall Street noch im Minus tendiert. Börsianer hatten dies mit jüngsten US-Inflationsdaten begründet, die Zinserhöhungsspekulationen aufkommen ließen. Dies drückte auch den Dax zeitweilig ins Minus.

Die US-Verbraucherpreise waren im Juli mit 0,8 Prozent doppelt so stark gestiegen wie von Experten erwartet. Zugleich gab mehr Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe als Analysten vorhergesagt hatten. "Die Verbraucherpreise haben Spekulationen auf höhere Zinsen ausgelöst. Zugleich waren die Arbeitsmarktdaten schlecht", erklärte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus.

Größer Dax-Gewinner waren die Titel der Postbank  mit einem Plus von 1,9 Prozent. Gestützt wurde der Dax auch von Kursgewinnen bei Eon-Titeln , die mit einem Plus von 1,66 Prozent mit an der Spitze des Index standen. Analysten, darunter die von Goldman Sachs, bekräftigten ihre Kaufempfehlungen, nachdem der Energiekonzern die Anleger bereits am Mittwoch mit seinem Zwischenbericht überzeugt hatte. Hingegen gaben die Aktien von Konkurrent RWE  nach Vorlage des Halbjahresberichtes 0,55 Prozent nach. "Die Zahlen sind schwer einzuschätzen", sagte ein Händler. "Da gibt es noch viel Erklärungsbedarf."

Positiv nahm der Markt die Quartalsergebnisse der beiden größten deutschen Stahlkonzerne ThyssenKrupp  und Salzgitter  auf. "Das waren durchweg gute Zahlen. Zudem haben beide ihre Prognosen angehoben. Für ein Kursfeuerwerk reicht es aber nicht", erklärte ein Händler.

Gefragt war auch die Aktie eines Unternehmens, das nicht mit eigenen Nachrichten aufwarten konnte: Die Metro-Aktien  stiegen nach der Vorlage des Zwischenberichts des US-Konkurrenten Wal-Mart  um 1,5 Prozent an. "Wal Mart hat die Prognose erhöht, das gibt auch den Metro-Aktien neuen Schwung", sagte ein Händler.

Kursverluste von 1,2 Prozent verzeichneten die BMW-Aktien  nach einer Verkaufsempfehlung und einer Rückrufaktion in den USA. Auch die Aktien des Chipherstellers Infineon  verzeichneten ein Minus, was Marktteilnehmer auf Gewinnmitnahmen zurückführten. Am stärksten unter Druck standen die Papiere des Chemie- und Pharmakonzerns Merck  mit einem Minus von 2 Prozent.

Kampf um MLP sorgt für Gesprächsstoff

Kampf um MLP sorgt für Gesprächsstoff

Im MDax gerieten nach Mitteilung des Einstiegs der AWD-Mutter Swiss Life  die Aktien des Finanzdienstleisters MLP  unter Druck. AWD-Chef Carsten Maschmeyer verkauft seine restliche AWD-Aktien  und seine MLP-Beteiligung an die Schweizer, die somit ihre AWD-Beteiligung auf 96,7 Prozent aufstocken und 26,75 Prozent an MLP übernehmen. Da Swiss Life die Beteiligung ohne Einvernehmen mit MLP nicht weiter ausbauen will und MLP-Gründer Manfred Lautenschläger auch nicht verkaufsbereit ist, schwanden an der Börse die Übernahmespekulationen.

"Damit geht Fantasie verloren. Daher nehmen einige ihre Gewinne mit", sagte ein Händler. MLP rutschten knapp 5,4 Prozent ab. Die Aktien von Swiss Life fielen in Zürich ebenfalls deutlich. AWD, deren Aktien in keinem Index mehr sind, stiegen hingegen um rund 30 Prozent. Händlern zufolge setzen Anleger auf einen attraktiven Preis bei einer Zwangsabfindung durch Swiss Life.

Mit einem Abschlag von 4,2 Prozent reagierten die Aktien des Immobilienkonzerns IVG  auf eine Prognosesenkung. Gefragte Nebenwerte waren nach positiven Geschäftszahlen dagegen die Papiere Hamburger Hafengesellschaft HHLA  und des Baukonzerns Hochtief , die 6,5 beziehungsweise 2,7 Prozent anzogen.

Das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich bis zum frühen Abend um 0,6 Prozent auf 115,41 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afxp

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