Märkte Zuversicht aus der Zapfsäule

Unerwartet gute US-Konjunkturdaten und ein fallender Ölpreis haben dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag Auftrieb gegeben. Der Dax drehte ins Plus und erreichte die 6400-Punkte-Marke. Die amerikanischen Verbraucher fassen wegen sinkender Benzinpreise wieder Vertrauen.

Frankfurt am Main - Der deutsche Leitindex Dax  schloss 0,75 Prozent höher bei 6399 Zählern. Der MDax  der mittelgroßen Werte gab hingegen um 0,83 Prozent auf 8044 Punkte nach. Zuvor hatte der Index der mittelschweren Nebenwerte um bis zu 2,4 Prozent auf 7920 Punkte verloren und damit so niedrig wie seit Januar nicht mehr notiert. Der Technologieindex TecDax  gewann 0,6 Prozent auf 720 Zähler.

Auch an der Wall Street zogen die Aktienkurse an: Bis zum New Yorker Nachmittag kletterte der Dow-Jones-Index  um 1,8 Prozent auf 11.335 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index notierte 1,7 Prozent fester bei 1255 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  legte 2,3 Prozent auf 2316 Punkte zu.

Auslöser für den Richtungswechsel war Händlern zufolge der Rutsch des US-Ölpreises auf fast 120 Dollar sowie ein unerwarteter Anstieg des US-Verbrauchervertrauens. "Aber das ist nur eine Momentaufnahme", warnte ein Händler. Sobald weitere schlechte Nachrichten aus der Finanzbranche kämen, dürfte der Dax wieder unter Druck geraten.

US-Verbrauchervertrauen steigt

Den Daten des US-Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board zufolge stieg der Index für das Verbrauchervertrauen im Juli auf 51,9 Punkte, Analysten hatten im Schnitt mit lediglich 50 Zählern gerechnet. "In den Daten macht sich bemerkbar, dass sich die Benzinpreise abgeschwächt haben", sagte Ralf Umlauf von der Helaba. Zugleich warnte er allerdings vor zu viel Euphorie: "Die anderen Belastungsfaktoren für den US-Konsumenten - die Immobilienkrise, die hohe Verschuldung und der schwache Arbeitsmarkt - haben aber weiter Bestand."

Stimmung bleibt auf 16-Jahres-Tief

Trotz des jüngsten Anstiegs ist das Stimmungsbarometer seit Juli 2007 auf weniger als die Hälfte gefallen; vor zwölf Monaten hatte es noch bei 111,9 Punkten gelegen. Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen. Die US-Wirtschaft hat Ende 2007 deutlich an Fahrt verloren. Viele Experten schließen ein Abgleiten in eine Rezession nicht aus. Nach wie vor sind die Amerikaner so pessimistisch wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Hauspreise fallen in Rekordtempo

Wohnimmobilien in den USA haben im Mai mit Rekordtempo an Wert verloren. Verglichen mit dem Vorjahr verbilligten sich in 20 Ballungsräumen Wohnungen und Häuser um 15,8 Prozent, wie aus dem Hauspreisindex von Standard & Poor's und Case Shiller vom Dienstag hervorgeht. Seit April beträgt der Preisrückgang 0,9 Prozent. Dabei sanken in allen wichtigen Städten die Preise. Der Rückgang fiel jedoch geringer aus als erwartet: Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Minus von 1,0 Prozent zum Vormonat und 16 Prozent zum Vorjahr gerechnet.

SAP-Aktie führt Dax an

SAP-Aktie führt Dax an

SAP-Aktien  setzen sich mit deutlichem Abstand an die Dax-Spitze. Der Titel kletterte um 9,75 Prozent auf 37,26 Euro. "Viele Anleger hatten Angst, dass wie bei Daimler  oder Münchener Rück  eine Gewinnwarnung kommt", sagte ein Händler. Diese blieb jedoch aus. Vielmehr lagen die Quartalszahlen des weltgrößten Herstellers von Unternehmenssoftware leicht über den Erwartungen von Analysten. Außerdem rechnet das Walldorfer Unternehmen beim Verkauf von Software-Lizenzen und -Wartung für das Gesamtjahr mit einem Plus am oberen Ende der bisher prognostizierten Spanne von 24 bis 27 Prozent.

US Steel verdoppelt Gewinn

Auch Papiere von ThyssenKrupp  auten ihre Gewinne aus und stiegen um 2,93 Prozent auf 33,39 Euro. Der US-amerikanische Stahlkonzern United States Steel  hat den Gewinn im zweiten Quartal im Jahresvergleich mehr als verdoppelt und damit die Markterwartungen deutlich übertroffen. Im abgelaufenen Quartal habe der bereinigte Nettogewinn bei 668 Millionen Dollar oder 5,65 Dollar je Aktie betragen nach 2,54 Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Quartalsbilanz. Die Aktie legte um mehr als 14 Prozent zu.

Finanzwerte dämmen Verluste ein

Bis zum Nachmittag hatten vor allem Kursverluste bei den Finanzwerten den Dax in die Knie gezwungen. Neue Hiobsbotschaften von der US-Investmentbank Merrill Lynch  waren der Auslöser. Entgegen früherer Aussagen benötigt die Bank eine weitere Kapitalerhöhung. Die deutschen Finanzwerte konnten ihre Verluste bis zum Abend zwar eindämmen, der Sprung in die Gewinnzone gelang ihnen aber nicht. Aktien der Deutschen Bank  verloren mit minus 1,01 Prozent auf 57,77 Euro am deutlichsten.

Lufthansa verfehlt Gewinnprognose

Lufthansa verfehlt Gewinnprognose

Die Lufthansa  veröffentlichte kurz nach Börsenschluss den für diesen Mittwoch angekündigten Zwischenbericht. Die Fluggesellschaft verfehlte im ersten Halbjahr die Gewinnprognosen, bekräftigte aber dennoch ihr Gewinnziel für das Gesamtjahr. Auf Xetra reduzierten die Titel nach der Veröffentlichung der Daten ihren Gewinn etwas und schlossen mit plus 0,73 Prozent auf 15,10 Euro. Im Frankfurter Parketthandel stieg der Kurs nach Börsenschluss wieder an und lag zuletzt mit plus 1,41 Prozent ebenfalls bei 15,10 Euro.

Quartalsberichte bewegen Nebenwerte

Bei den Nebenwerten sorgten zahlreiche Quartalsberichte für Bewegung. Symrise  notierten nach Vorlage von Quartalszahlen 4,7 Prozent tiefer auf 11,27 Euro, Krones  sanken um 6,5 Prozent auf 52,18 Euro. Dagegen belohnten die Investoren IDS Scheer  für die vorgelegten Zahlen mit einem Kursplus von 6,2 Prozent auf 8,57 Euro.

Europaweit Erholung

Auch die übrigen europäischen Börsen erholten sich von den Kursverlusten des Vormittags. Der EuroStoxx 50  gewann 0,4 Prozent auf 3325 Zähler. Der Stoxx 50  legte um 0,5 Prozent auf 2840 Punkte zu.

Euro fällt zurück

Der Euro  fiel dagegen zurück und wechselte zuletzt für 1,5586 Dollar den Besitzer. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag noch auf 1,5705 (Vortag: 1,5746) Dollar festgesetzt. Der Bund-Future verzeichnete ein Plus von 38 Ticks auf 111,52 Zähler.

Ölpreis gibt nach

Der Ölpreis verlor zeitweise mehr als vier Dollar. Ein Fass (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im September kostete zuletzt 120,70 Dollar. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent  fiel um 2,8 Prozent auf 122,38 Dollar. Der gestiegene Dollar-Kurs habe den Ölpreis nach unten gedrückt, sagten Händler.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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