Märkte Kurssturz bei Stada und Bilfinger

Zwei im Mittelwerteindex MDax notierte Aktien haben am Montag drastisch an Wert verloren. Stada und Bilfinger Berger schockierten die Anleger mit Gewinnwarnungen. Auch mit dem Leitindex Dax ging es abwärts. Besonders Finanzwerte litten, ebenso wie an der Wall Street.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag mit Verlusten geschlossen. Der Dax  verlor 1,33 Prozent auf 6351,15 Zähler. Im MDax  schmolzen die Gewinne nach drastischen Kurseinbrüchen von Stada  und Bilfinger Berger  dahin. Der Index der mittelgroßen Werte schloss mit minus 1,76 Prozent auf 8111,48 Punkten. Der TecDax  verlor 1,27 Prozent auf 715,95 Zähler.

Die New Yorker Aktienbörsen haben am Montag aufgrund anhaltender Sorgen über die Lage der Finanzindustrie Verluste verzeichnet. Auf die Stimmung der Anleger drückte auch der steigende Ölpreis, der die Angst vor einer steigenden Inflation und einer Konsum-Abkühlung wiederbelebte. Begrenzt wurden die Abschläge jedoch durch einige starke Unternehmenszahlen.

Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte verlor am Nachmittag 1,61 Prozent und notierte damit bei 11.189 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 1,16 Prozent auf 1243 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  lag 1,38 Prozent im Minus bei 2278 Punkten.

Zu den deutlichsten Verlierern gehörte die Investmentbank Lehman Brothers . Dem Institut droht nach Einschätzung von Merrill Lynch wegen milliardenschwerer Abschreibungen im Geschäft mit Privathypotheken auch im dritten Quartal ein Verlust. Lehman-Aktien verloren rund 4,7 Prozent an Wert. Papiere der Citigroup  verbilligten sich um mehr als 5,5 Prozent.

Die Finanzwerte belasteten auch den Dax, nachdem Meldungen vom Wochenende die Furcht vor den Folgen der Finanzkrise neu belebten. Tagesverlierer im Dax war die Deutsche-Börse-Aktie , die um 5,1 Prozent nachgab.

Zweifel an teurem Postbank-Verkauf

Aktienhändler Christoph Schmidt von der Wertpapierhandelsbank Fleischhacker nannte vor allem die weiterhin nachwirkende Gewinnwarnung der Münchener Rück  vom Freitag als Belastungsfaktor. Zudem neigt die Deutsche Bank  nach "Focus"-Informationen dazu, auf ein Kaufangebot für die Postbank  zu verzichten. Das belastete vor allem die Postbank-Titel, die als einer der schwächsten Dax-Werte 4,66 Prozent auf 44,58 Euro einbüßten. Die Aktien der Deutschen Bank verloren 2,03 Prozent auf 58,35 Euro und die der Commerzbank  fielen um 2,68 Prozent auf 20,66 Euro.

Münchener Rück erneut unter Druck

Die Anteilsscheine der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft gaben weitere 2,40 Prozent auf 105,29 Euro ab, nachdem sie am Freitag bereits mehr als 7 Prozent verloren hatten. Die Krise an den Kapitalmärkten wird den Münchenern die Bilanz 2008 verhageln, denn nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal rechnet der Vorstand, wie er am Freitag mitteilte, inzwischen auch für das Gesamtjahr mit deutlich weniger Gewinn.

Lufthansa verliert am ersten Streiktag

Lufthansa-Titel  verzeichneten ebenfalls Abschläge. Die Aktien verloren am ersten Tag des unbefristeten Streiks des Boden- und Kabinenpersonals 3,0 Prozent auf 14,99 Euro. Gegen den Trend stiegen Volkswagen-Aktien  um 1,1 Prozent auf 208,35 Euro. Etwas fester schlossen die Papiere von ThyssenKrupp  und Henkel .

Kursstürze im MDax

Kursstürze im MDax

Für Gesprächsstoff am Markt sorgten aber vor allem zwei Nebenwerte: Stada dämpfte die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Bei dem Arzneimittelhersteller, der auf günstige Nachahmerpräparte (Generika) spezialisiert ist, sei aus heutiger Sicht offen, ob ein zweistelliges Umsatzplus erreicht werden könne, hieß es vom Unternehmen. Ein Aktienhändler sprach von einem "wirklich miesen Ausblick".

Bilfinger Berger warnte ebenfalls vor sinkenden Gewinnen. Wegen Schwierigkeiten in einem norwegischen Autobahnbauprojekt senkte Bilfinger die Ergebnisprognose für den Ingenieurbau deutlich. Die Aktien der beiden MDax-Unternehmen stürzten daraufhin um über 20 Prozent ab. Zu Handelsschluss notierte Stada 27,1 Prozent tiefer, Bilfinger 15 Prozent niedriger. Der MDax, der zuvor noch leicht im Plus gelegen hatte, sackte tief ins Minus.

Gewinnmitnahmen bei Kontron

Im TecDax verloren Aktien von Kontron  7,3 Prozent auf 9,08 Euro. Analysten begründeten die Verluste mit Gewinnmitnahmen nach der Vorlage der Quartalszahlen. Aktien von IDS Scheer , deren Zahlen am Dienstag veröffentlich werden, verloren ebenfalls mehr als 7 Prozent. Fester schlossen vor allem Solarworld-Papiere . Die Aktie stieg um 2,2 Prozent auf 27,48 Euro.

Europaweit Verluste

Der EuroStoxx 50  ging 1,13 Prozent tiefer bei 3313,41 Punkten aus dem Handel. Der Stoxx 50  verlor 1,06 Prozent auf 2826,94 Punkte. Der Londoner FTSE 100  fiel um 0,75 Prozent auf 5312,60 Zähler. Für den französischen CAC-40-Index  ging es um 1,2 Prozent auf 4324,45 Zähler nach unten.

Aktien von Fluggesellschaften litten unter enttäuschenden Aussagen von Ryanair  und den zuletzt wieder steigenden Ölpreisen. Europas größte Billigfluglinie rechnet für das seit April laufende Geschäftsjahr mit einem Verlust von bis zu 60 Millionen Euro. Bestenfalls könnte beim Ergebnis eine Null erreicht werden, prognostizierte die Airline. Die Ryanair-Aktie brach um 22,08 Prozent auf 2,58 Euro ein. Die Titel der britischen Konkurrenten Easyjet  und British Airways  gaben deutlich nach

Euro steigt

Der Kurs des Euro  ist am Montag wieder über die Marke von 1,57 US-Dollar geklettert. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,5731 Dollar gehandelt. Damit hat der Euro die zum Wochenausklang verzeichneten Kursverluste wieder wett gemacht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Montagmittag auf 1,5746 (Freitag: 1,5734) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,6351 (0,6356) Euro.

Anschläge in Nigeria belasten Ölmarkt

Anschläge in Nigeria belasten Ölmarkt

Die Ölpreise sind am Montag nach Berichten über neuerliche Spannungen im ölreichen Nigeria gestiegen. Ein Fass (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im September kostete gegen Mittag 124,88 US-Dollar. Das waren 1,62 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent  stieg um um 1,68 Dollar auf 126,20 Dollar.

Händler erklärten die etwas festere Tendenz mit Meldungen über neuerliche Spannungen im afrikanischen Staat Nigeria. So habe die nigerianische Rebellenorganisation MEND zwei Anschläge auf Ölförderanlagen im ölreichen Niger-Delta durchgeführt. Im Niger-Delta kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Unruhen, Anschlägen und Entführungen. Infolgedessen ist die Ölförderung Nigerias in den vergangenen zwei Jahren um rund ein Viertel zurückgegangen.

Trotz der leichten Kursgewinne steht laut Marktbeobachtern aber nach wie vor die schwächer erwartete weltweite Ölnachfrage im Blickpunkt. Vor allem das sich abschwächende globale Wirtschaftswachstum dürfte die Nachfrage nach Rohöl merklich sinken lassen und mithin die Preise belasten, wird argumentiert. In den vergangenen zwei Wochen waren die Ölpreise aus diesem Grund um über 15 Prozent gesunken, nachdem sie zuvor historische Höchststände erreicht hatten.

Gestiegen ist auch der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Montag kostete ein Fass am Freitag 122,63 Dollar. Das waren 21 Cent mehr als am Donnerstag. Die Opec berechnet ihren Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ddp, reuters

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