Dax-Ausblick Zahlenflut sorgt für Turbulenzen

Zitterbörse: Um rund 10 Prozent hat der Dax in den vergangenen zwei Wochen geschwankt. Nun legen 14 Unternehmen aus dem Index ihre Zahlen vor. Nach der Gewinnwarnung von Daimler stehen vor allem die Finanzwerte Postbank und Deutsche Bank im Blickpunkt.

Frankfurt am Main - Fast jedes zweite im Dax 30 notierte Unternehmen wird in der letzten Juliwoche Einblick in seine Bücher geben. Dem Dax , der in den vergangenen 10 Handelstagen zeitweise bis auf 6000 Punkte abgestürzt war und sich dann wieder um knapp 10 Prozent erholt hat, stehen nach Ansicht von LBBW-Aktienstratege Michael Köhler damit neue Turbulenzen ins Haus.

"Der Markt wird voraussichtlich hin- und hergerissen zwischen Erleichterung, wenn sich die Erwartungen erfüllen, und Abstürzen, wie bei den Gewinnwarnungen von Daimler  und von der Münchener Rück ", sagte Köhler. Anleger werden daher weiterhin starke Nerven brauchen: Als Daimler seine Gewinnprognose für 2008 um rund 10 Prozent kappte, gab die Aktie binnen weniger Minuten zweistellig nach. Die starken Kursschwankungen vor allem bei Bankenwerten stehen für eine extrem hohe Nervosität der Anleger.

Nach einem Fall unter 6000 Punkte Mitte August hat der Leitindex zu einer rasanten Erholung angesetzt, die durch gut aufgenommene Zahlen von US-Großbanken ausgelöst wurden. "Die Aufwärtskräfte scheinen jedoch bereits zu ermatten", schreiben die Analysten von HSBC Trinkaus in ihrem Ausblick. Am Freitag schloss der Dax bei 6437 Punkten.

Banken im Blickpunkt

Bei den deutschen Unternehmen werden die Anleger vor allem auf die Zahlen der Finanzwerte blicken.

So stehen unter anderem die Quartalszahlen von der Postbank  (Mittwoch), Deutscher Bank  und Deutsche Börse (beide Donnerstag) an. "Die Banken führen die laufende Erleichterungsrally an, das Potenzial für eine nachhaltige Erholung sehen wir jedoch nicht", heißt es bei der Unicredit.

Titel der Deutschen Bank haben in den vergangenen 10 Handelstagen rund 25 Prozent an Wert gewonnen, nachdem sie zuvor auf ein Fünfjahrestief abgesackt waren. Viele Analysten bewerten diese Erholung bei Finanztiteln jedoch als "Bärenmarktrally".

Hintergrund: Der Dax  hat seit seinem Hoch im vergangenen Herbst mehr als 20 Prozent an Wert verloren und befindet sich damit ebenso wie der US-Leitindex Dow Jones  im so genannten Bärenmarkt-Territorium. Die jüngste Erholung im Dax von 6000 auf knapp 6500 Zähler ist nach Einschätzung vieler Beobachter als Bärenmarktrally zu sehen, während der die Kurse zwar kurzfristig wieder zulegen, aber die Krise dennoch nicht ausgestanden sind. "Vor allem bei Finanzwerten sind wir weiterhin skeptisch", meint zum Beispiel der Vermögensverwalter Jens Erhardt im Gespräch mit manager-magazin.de.

Gewinneinbruch bei Conti erwartet

Gewinneinbruch bei Continental erwartet

Spannend wird es auch in anderen Sektoren: Am Dienstag legt der Softwareanbieter SAP  seine Zahlen vor.

Am Mittwoch folgen dann Postbank , Bayer , Fresenius Medical Care , Lufthansa , MAN  und Siemens . Bei der Lufthansa belasten außer den hohen Kerosinpreisen derzeit die Tarifauseinandersetzungen mit dem Boden- und Kabinenpersonal. Die Gewerkschaft Verdi will am Montag mit einem unbefristeten Streik beginnen.

Am Donnerstag legen traditionell die meisten Unternehmen ihre Zahlen vor: An diesem Donnerstag sind es die Deutsche Bank , BASF , Metro , die Deutsche Post  sowie Continental , um den derzeit ein Übernahmekampf tobt. Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch bei Conti in Folge der Übernahme von Siemens-VDO.

Am Freitag berichtet dann noch der Gasehersteller Linde  über den Geschäftsverlauf im abgelaufenen Quartal.

Gewinnsteigerung von 18 Prozent kaum zu halten

Das nachlassende Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone, zuletzt belegt durch den Einbruch von Ifo-Geschäftsklimaindex und Einkaufsmanagerindizes, ist der Commerzbank zufolge ein Zeichen, dass die Dax-Unternehmen ihre Gewinne für das Jahr 2009 nicht wie von Analysten bislang erwartet um 18 Prozent werden ausbauen können.

Die Experten dürften ihre Prognosen für die Ergebnissteigerungen deshalb nach und nach herunterschrauben. "Das sollte den Dax in den kommenden Wochen belasten", kommentierte die Commerzbank.

Neben dem Zahlenreigen der Unternehmen stehen im Terminkalender einige Konjunkturdaten, die nach Meinung von Experten allerdings die zweite Geige spielen werden. "Dass von volkswirtschaftlicher Seite etwas Gutes kommt, damit rechnet eigentlich eh keiner mehr zurzeit", sagte Köhler.

Der Fokus der Anleger werde auf dem US-Arbeitsmarktbericht und dem ISM-Index liegen. Außerdem werden aus den USA Daten zum angeschlagenen Immobiliensektor und die erste Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal erwartet.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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