Wochenausblick Düstere Gefühlswelt der Volkswirte

Keine Spur von Sommerpause, aber auch wenig Sonnenschein: An den Märkten stehen aufregende Tage bevor. In den USA nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. Vor allem aber die Stimmungsbarometer könnten Unerfreuliches zu Tage fördern.

Frankfurt am Main - Am deutschen Aktienmarkt wird nach Ansicht von Experten in der kommenden Woche nichts von der Sommerpause zu spüren sein. "Es steht uns eine extrem spannende Woche bevor", sagte Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank. Die Entwicklung des Ölpreises, eine Fülle von anstehenden Quartalsdaten aus dem Finanz- und Technologiesektor und zahlreiche relevante Konjunkturdaten werden das Geschehen an den Börsen bestimmen.

"Der Dax steht am Scheideweg", sagte Delp. Mit Vorlage der Zwischenbilanzen für das zweite Quartal würden nun fundamentale Daten in den Vordergrund treten. Er verwies auf die anstehenden Zahlen von Intel (Dienstag), Wells Fargo & (Mittwoch), JPMorgan, Microsoft, Google, Nokia (Donnerstag) und der Citigroup (Freitag). Auch an der Fülle anstehender Daten aus anderen Bereichen wird deutlich, dass die US-Berichtssaison in Fahrt kommt. Ob damit jedoch positive Impulse für den Dax einhergehen, mochte bislang keiner der befragten Experten sagen.

"Angesichts des schwierigen Börsenumfeldes dürfte die hohe Unsicherheit der Marktteilnehmer andauern und damit einer nachhaltigen Kurserholung vorerst entgegenstehen", schreiben die Marktexperten der Landesbank Berlin. Auch eine technische Gegenbewegung sollte ihrer Meinung nach erst bei einer Stimmungsbesserung in Gang kommen.

Auch von Seiten der Konjunktur stehen richtungsweisende Impulse für die weltweiten Aktienmärkte an. Mario Gruppe von der Nord/LB rechnet damit, dass die am Dienstag anstehenden ZEW-Daten aus Deutschland für Juli "unbarmherzig die Gefühlswelt der befragten Analysten und Volkswirte offenbaren". Der Experte rechnet mit einer weiteren Verschärfung der negativen Erwartungen.

Konsumentenstimmung macht "angst und bange"

Auch bei einem Blick auf die US-Konsumentenstimmung müsste nach Ansicht von Nord/LB-Experte Bernd Krampen "jedem Marktteilnehmer eigentlich angst und bange werden". Die monatlichen Umfragewerte vom Conference Board und der Universität von Michigan seien mittlerweile ins Bodenlose gestürzt, und die gestiegenen Energiepreise sowie eine langsam einsetzende Verdüsterung am Arbeitsmarkt drückten massiv auf die Stimmung der Verbraucher. Am Dienstag werden die amerikanischen Einzelhandelsumsätze und am Mittwoch die Verbraucherpreise veröffentlicht.

Die anhaltende Sorge um das weltweite Ölangebot und der Konflikt um das iranische Atomprogramm werden in der kommenden Woche ebenfalls spannende Themen auf dem Parkett sein. Ende der Woche war der US-Ölpreis auf über 147 Dollar und damit auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Nachdem die Ölpreise bis zur Wochenmitte noch deutlich unter Druck geraten waren, begründen Experten die jüngste Rekordjagd mit einem "Stimmungsumschwung" am Ölmarkt. Hätten in den vergangenen Tagen noch Sorgen um eine nachlassende Nachfrage die Ölpreise gedrückt, stünden nun wieder angebotsseitige Befürchtungen im Fokus der Marktteilnehmer, schreiben die Analysten der Commerzbank. Die jüngste Entwicklung zeige, dass der Aufwärtstrend der Ölpreise noch nicht gebrochen sei. Vielmehr sei ein baldiger Anstieg bis auf 150 Dollar wahrscheinlich.

Sonja Funke, dpa-afx

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