Börsenschluss Angst, Angst, Angst

Die Anleger kamen heute nicht zur Ruhe. Selbst überprüfbar bessere Konjunkturdaten aus Amerika ermunterten Investoren nicht zu Kauforders. Ihnen hatte eine einzige Spekulation jeden Mut genommen: Die US-Kreditfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac könnten vor dem Aus stehen. Alle wichtigen deutschen Aktienindizes knickten ein.

Frankfurt am Main - Amerikas Wirtschaft hat Deutschlands Aktiensparer heute in Atem gehalten. Der weltgrößte Einzelhandelskonzerns Wal-Mart rechnet plötzlich mit einem höheren Jahresgewinn als bisher, Dow Chemical  plant eine Zwölf-Milliarden-Euro Übernahme innerhalb Amerikas, selbst der amerikanische Arbeitsmarkt scheint sich zumindest kurzfristig zu berappeln - und doch sackte der deutsche Aktienleitindex Dax  zurück.

Der Frankfurter Aktienleitindex Dax fiel um 1,28 Prozent auf 6305,00 Zähler. Der MDax  mittelgroßer Werte gab 0,84 Prozent auf 8588,88 Punkte nach. Für den TecDax  ging es um 2,37 Prozent auf 721,32 Zähler abwärts. An der Wall Street in New York sorgte die Gefahr neuer Verluste bei Finanzunternehmen infolge der Hypothekenkrise für Unruhe - trotz unerwartet guter Verkaufszahlen von Discountern.

Zu groß war in New York aber auch unter den Börsianern in Frankfurt am Main die Angst, die internationale Finanzkrise werde nicht unter Kontrolle gebracht. Und diese Furcht war auch nicht unbegründet. Nach Einschätzung des ehemaligen amerikanischen Notenbankgouverneurs William Poole sind die US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac  und Fannie Mae faktisch zahlungsunfähig. Zudem hat die viertgrößten US-Bank Wachovia  eingestanden, im zweiten Quartal einen Milliardenverlust anzuhäufen.

Noch am Vormittag hatten Spekulationen über die Dresdner Bank und die Postbank  für Kursbewegungen. Die Commerzbank-Aktien legten bis zu drei Prozent zu. Aber auch die Aktien des Dresdner-Bank-Mutterkonzerns Alllianz stiegen zeitweilig um 1,3 Prozent. Mit dem Gesamtmarkt gaben dann aber beide Werte ihre zwischengewinne wieder ab. Gefragt waren indes bis zuletzt die Aktien des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care , die mit einem Aufschlag von 5,30 Prozent auf 37,15 Euro an der Dax-Spitze vorrückten. Einzig Commerzbank-Aktien und Merck-Titel hielten sich dann noch mit 1,15 Prozent auf 19,43 Euro sowie 0,77 Prozent auf 82,63 Euro im Plus.

An das Dax-Ende fielen dagegen die Henkel-Titel . Die Aktionäre des Düsseldorfer Unternehmens mussten einen Kursabschlag in Höhe von 4,26 Prozent auf 24,48 Euro verkraften mussten. Kaum besser erging es heute den Infineon-Anteillseignern. Ihr Investment  büßte 4,25 Prozent seines vorherigen Wertes ein und kostete schließlich 4,62 Euro.

Darüber hinaus gaben Metro-Papiere  3,0 Prozent auf 49,47 Euro nach. Das Konsumgüterunternehmen war in den Abwärtssog der gesamten europäischen Branche geraten, die heute unter den schwachen Geschäftszahlen des französischen Einzelhändlers Carrefour  litt.

Anleihen profitieren von Aktienschwäche

Anleihen profitieren von Aktienschwäche

Im MDax löste ein Zeitungsbericht Spekulationen auf eine Übernahme der NorddeutscheN Affinerie (NA)  durch Salzgitter  aus. Der Stahlkonzern kommentierte den Bericht nicht. Die österreichische A-Tec bestätigte, ihren NA-Anteil verkauft zu haben, nannte aber weder Preis noch Käufer.

Der Kurs der NA-Aktien stieg zeitweise um 18,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 38,69 Euro, zum Börsenschluss blieb ein Plus von 7,69 Prozent auf 35,13 Euro übrig. Salzgitter-Titel gaben 0,08 Prozent auf 106,85 Euro nach. Dagegen standen mit Beiersdorf-Anteilscheinen  die Aktien eines weiteren Konsumgüterunternehmens auch im deutschen Nebenwerteindex unter Druck. Beiersdorf-Aktien verloren 3,35 Prozent auf 42,39 Euro.

Dagegen erlebte der vermeintlich sichere Anleihen-Geldanlagemarkt heute eine Sternstunde. Anleger kauften verstärkt Bonds statt Aktien, so dass der Bund-Future ins Plus drehte und zuletzt 8 Ticks höher als gestern bei 112,28 Zählern lag.

Der Euro  kostete am Nachmittag 1,5730 Dollar. Damit verharrt der Euro in dieser Woche in etwa bei einem Kurs von 1,57 Dollar. Dagegen steigt der Ölpreis wieder. Ein 159-Liter-Fass der amerikanischen WTI-Ölsorte kostete zuletzt rund 136 Dollar. Das waren etwa 0,5 Dollar mehr als gestern, aber rund zehn Dollar unter seinem Rekord in der vergangenen Woche.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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