Börse Wall Street belastet den Dax

Mit dem deutschen Aktienmarkt geht es am Donnerstag wieder abwärts. Der Dax folgt den US-Börsen, die am Mittwochabend kräftig abgerutscht waren. Anleger fürchten die Rezession. Besonders Finanzwerte stehen unter Druck. Im MDax verlieren die Aktien von Heidelberger Druck und EADS deutlich.

Frankfurt am Main/New York - Der deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstag schwachen US-Vorgaben gefolgt und hat mit Verlusten eröffnet. Der Dax  verlor in den ersten Handelsminuten 1,3 Prozent auf 6302 Punkte und gab damit in etwa seine Vortagesgewinne wieder ab. Der MDax  mittelgroßer Werte gab 1,9 Prozent auf 8495 Zähler ab. Für den TecDax  ging es um 2,0 Prozent auf 724 Punkte nach unten.

Händler verwiesen auf die negativen Vorgaben aus den USA, wo sich neue Ängste über die Finanzkrise breitmachen. Der Dow-Jones-Index  fiel am Mittwoch um 2,08 Prozent auf 11.147,44 Punkte. Der S&P-500-Index gab um 2,28 Prozent nach auf 1244,69 Punkte. Der Nasdaq Composite verlor am heftigsten um 2,60 Prozent auf 2234,89 Punkte. Die Talfahrt hatte sich zum Handelsschluss deutlich beschleunigt.

Unter Druck waren auch in Frankfurt erneut die Finanzwerte. Aktien der Commerzbank  gaben 2,4 Prozent, die der Deutschen Bank  2,2 Prozent nach. Größter Dax-Verlierer waren die Aktien von Hypo Real Estate . Die Papiere verloren 2,8 Prozent. Aktien von Continental  folgten mit einem Abschlag von 2,7 Prozent.

FMC als sicherer Hafen

Einziger Dax-Gewinner waren zunächst die Titel des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care (FMC)  mit einem Plus von gut 2 Prozent. Händler verwiesen auf eine Studie der Credit Suisse als Antrieb. Die Analysten hatten ihre Gewinnschätzungen für 2008 bis 2012 um 2 bis 7 Prozent angehoben. FMC werde weiterhin als ein relativer "sicherer Hafen" angesehen. Die Einschätzung wurde mit "Outperform", das Kursziel mit 40 Euro bestätigt.

Heidelberger Druck erwartet Flaute

Unter den Nebenwerten im MDax  rutschte die Aktie des Druckmaschinenherstellers Heidelberger Druck  nach der Vorlage vorläufiger Geschäftszahlen 11 Prozent ab. Der Druckmaschinen-Hersteller richtet sich auf eine länger anhaltende Flaute ein. Nach einem hohen Verlust im ersten Geschäftsquartal von April bis Juni rechnet Heidelberger Druck auch im Gesamtjahr mit weniger Umsatz und Gewinn. Ein Händler sagte dazu: "Das ist jetzt nach Nordex  und Compugroup  das dritte Unternehmen mit einer Gewinnwarnung in kurzer Zeit - und es ist allen noch gut in Erinnerung, wie die betroffenen Aktien reagiert haben." Als kleiner Lichtblick wurde von einem anderen Börsianer dagegen der Auftragseingang hervorgehoben, der die Erwartungen übertroffen habe.

EADS verliert "Jahrhundertauftrag"

EADS verliert "Jahrhundertauftrag"

Die Titel des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS  gaben knapp 4 Prozent nach. Dem Konzern droht der Verlust seines Auftrags für eine neue Tankflugzeugflotte der US-Luftwaffe. Der ursprünglich an den Airbus-Mutterkonzern vergebene "Jahrhundertauftrag" zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen an die US-Luftwaffe wird neu ausgeschrieben. Das ursprüngliche Vergabeverfahren - bei dem der US-Hersteller Boeing im März überraschend das Nachsehen hatte - habe Mängel gezeigt und könne daher nicht beibehalten werden, sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Mittwochabend. Die Vergabe über den 40 Milliarden-Dollar-Auftrag solle bis zum Jahresende entschieden werden.

Südzucker überrascht positiv

Positiv wurden dagegen am Markt die Quartalszahlen von Südzucker  aufgenommen - die Aktien gingen 3 Prozent höher in den Handel. Europas größter Zuckerkonzern hat im ersten Quartal 2008/09 Umsatz und Gewinn gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Auch ein Börsianer äußerte sich in einer ersten Reaktion positiv. "Insbesondere der Gewinn je Aktie sieht fantastisch aus", sagte der Experte. Der Ausblick für das Gesamtjahr sei zudem bestätigt worden.

Europas Börsen im Minus

Auch die übrigen westeuropäischen Aktienmärkte folgten dem US-Trend. Der EuroStoxx 50 rutschte um 1,4 Prozent auf 3296 Punkte ab. Der Stoxx 50 gab um 1,2 Prozent auf 2849 Zähler nach. In London sank der FTSE 100 um 1,6 Prozent auf 5439 Punkte. Der CAC-40-Index fiel in Paris ebenfalls um 1,6 Prozent auf 4269 Zähler.

Impulse von Bernanke?

Am Nachmittag könnten die Rede von Fed-Chef Ben Bernanke vor dem Repräsentantenhaus und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus den USA weitere Impulse geben. Unsichere wirtschaftliche Aussichten und negative Analystenstimmen hatten die US-Börsen am Mittwoch auf Talfahrt geschickt. Angesichts der gerade angelaufenen Quartalssaison herrscht an den Märkten Händlern zufolge nervöse Spannung und wenig Kaufbereitschaft. Finanztitel, Technologieaktien und Konsumwerte verloren am deutlichsten.

Alcoa verliert trotz guter Zahlen

Der Aluminiumkonzern Alcoa  sorgte eigentlich für einen besseren Auftakt der neuen US-Quartalssaison als erwartet. Seine Zahlen überraschten die Analysten positiv. Die Alcoa-Aktie fiel im allgemeinen Trend dennoch um 2,4 Prozent auf 31,54 Dollar.

Angst vor Quartalsberichten

Angst vor Quartalsberichten

Experten rechnen bei den größten US-Unternehmen für das beendete zweite Quartal im Schnitt mit 10 Prozent niedrigeren Ergebnissen als ein Jahr zuvor. Als nächstes Schwergewicht präsentiert der Mischkonzern General Electric (GE)  an diesem Freitag seine Zahlen. Die GE-Aktie wurde im Vorfeld von einer negativen Analystenäußerung belastet (minus 3,1 Prozent).

Konsum- und IT-Titel unter Druck

Auch Einzelhandelswerte und Technologietitel litten unter negativen Analystenkommentaren. Unter Druck kamen etwa Branchenführer Wal-Mart  (minus 2,4 Prozent) und die Elektronikkette Best Buy (minus 2,3 Prozent). Im Techsektor verloren Werte wie Netzwerkausrüster Cisco  (minus 5,7 Prozent) und Intel  (minus 5,3 Prozent).

Boeing profitiert von EADS-Niederlage

Boeing-Aktien  (minus 0,5 Prozent) hielten sich stabil dank einer neuen Chance im Rennen um einen Mega-Auftrag für Tankflugzeuge der US-Air Force. Die ursprünglich an die Airbus-Mutter EADS  vergebene Order wird nach einer Beschwerde von Boeing neu ausgeschrieben.

Der Ölpreis  verhielt sich trotz zuletzt überraschend deutlich gesunkener US-Lagerbestände ruhig. Ein Fass (159 Liter) kostete zum Handelsschluss wie am Vortag rund 136 Dollar.

Euro-Kurs stabil bei 1,57 Dollar

Die Rentenmärkte legten deutlich zu. Richtungsweisende zehnjährige US-Staatsanleihen stiegen um mehr als einen halben Punkt. Die Rendite fiel im Gegenzug auf 3,813 Prozent. Der Euro  wurde am Morgen etwas fester zu 1,5730 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte am Mittwochnachmittag einen Referenzkurs von 1,5715 Dollar festgestellt. Beim Übergang in den europäischen Handel ging die Gemeinschaftswährung aufgrund des fallenden Ölpreises zurück.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dpa

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