Börsenschluss "Alles in Moll"

Der deutsche Aktienmarkt steht zum Börsenschluss tief in den roten Zahlen. "Alles in Moll", sagte ein Börsianer. Immerhin verhinderte der fallende Ölpreis noch Schlimmeres.

Frankfurt am Main - Die Angst vor einer Ausweitung der Finanzkrise hat die Anleger an Europas Aktienmärkten am Dienstag wieder eingeholt. Nur der rasante Preisrückgang beim Öl verhinderte einen größeren Kurseinbruch. Der Dax  verlor 1,4 Prozent auf 6304 Punkte und gab damit einen guten Teil seiner Gewinn vom Vortag wieder ab. Der Stoxx 50  und der Euro Stoxx 50  fielen um je gut 1 Prozent.

"Der Markt ist extrem nervös", sagte ein Händler. "Alles in Moll", beschrieb ein anderer die Stimmungslage. Spekulationen über einen höheren Kapitalbedarf der beiden größten US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac  und Fannie Mae und enttäuschende neue Daten vom US-Immobilienmarkt verunsicherten die Anleger zu Beginn der US-Bilanzsaison. Den Auftakt dafür bildet traditionell der Aluminiumkonzern Alcoa  nach US-Börsenschluss. Investoren an der Wall Street rechneten mit einem Gewinneinbruch von fast 20 Prozent, was die Aktien schon vor Bekanntgabe der Zahlen um mehr als 5 Prozent ins Minus drückte. Die Börse interessiere sich vor allem für den Ausblick von Alcoa, erklärte ein Händler.

An der Wall Street setzte sich bis Handelsschluss in Europa kein einheitlicher Trend durch. Die großen Indizes änderten mehrmals ihre Richtung. Vom Einbruch des Ölpreises profitierten vor allem die Aktien von Fluggesellschaften. Lufthansa  legten knapp drei Prozent zu auf 14,16 Euro. British Airways  gewannen sogar 5,4 Prozent und Air France-KLM  2,8 Prozent. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl rutschte zeitweise mehr als sechs Dollar ab auf 135,14 Dollar.

Zu den größten Verlierern zählten europaweit wieder einmal die Bankenwerte. Deutsche Bank  und Commerzbank  schlossen 2,6 Prozent beziehungsweise 1,6 Prozent niedriger, Hypo Real Estate  verloren 3,4 Prozent. Im Stoxx50 fielen die Aktien der CS Group und von Royal Bank of Scotland  um je etwa drei Prozent. Händler verwiesen auf eine Studie von Lehman Brothers, wonach Freddie Mac und Fannie Mae wegen einer anstehenden Änderung in der Rechnungslegung zusammen weitere 75 Milliarden Dollar an frischem Kapital benötigen.

In London brachen die Aktien der angeschlagenen Hypothekenbank Bradford & Bingley (B&B) um 19 Prozent ein. Händler verwiesen auf die unsicheren Aussichten für das Institut, nachdem der Finanzinvestor TPG in der Vorwoche seine Pläne für einen Einstieg gekippt hatte. Schlusslichter im Dax und im Londoner "Footsie"-Index waren die Aktien der Börsenbetreiber. Deutsche Börse  sackten um 7,7 Prozent und London Stock Exchange(LSE) um sieben Prozent ab. Händler verwiesen auf den wachsenden Wettbewerb in der Branche.

Die leichte Erholung des Dax im Tagesverlauf begründeten Händler unter anderem mit positiv aufgefassten Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Dieser plant, den börsennotierten US-Unternehmen weitere Liquiditätsinstrumente zur Verfügung zu stellen. Auch die Entspannung am Ölmarkt habe die Kurse gestützt, sagten Händler. Zuletzt rutschte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US- Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Lieferung auf 136,46 Dollar. Händler erklären den aktuellen Preisrutsch mit der Aussicht auf steigende Ölreserven in den USA.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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