Märkte Die Angst ist gebannt - vorerst

Die EZB will die Leitzinsen offenbar vorerst nicht weiter anheben. Diese Aussicht ließ den Euro-Kurs purzeln und Investoren bei Aktien wieder zugreifen. Im Dax lagen dabei die Deutsche Börse und Banken vorn. Bei den Nebenwerten strafte der Markt manchen Liebling der vergangenen Monate ab.

Frankfurt - Der Dax  hat seine Berg- und Talfahrt am Donnerstag mit Gewinnen beendet. Auftrieb kam vor allem nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) und durch steigende Kurse an den US-Börsen. Der Leitindex ging mit 0,77 Prozent auf 6353,74 Punkten aus dem Handel. Sein Tagestief lag bei rund 6201 Zählern. Der TecDax  legte um 0,63 Prozent auf 738,66 Punkte zu. Der MDax  dagegen verharrte in der Verlustzone und sank um 0,77 Prozent auf 8497,94 Punkte.

"Der Zinsschritt der EZB von 25 Punkten auf 4,25 Prozent war nicht überraschend, obwohl es auch bereits Spekulationen über eine Anhebung um 50 Basispunkte gegeben hatte", sagte Fidel Helmer, Händler bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet aber keine weiteren Zinserhöhungen ankündigte und zudem die Wall Street spürbar zulegte, habe wohl den Ausschlag für die positive Stimmung am deutschen Markt gegeben.

Die US-Börsen tendierten im frühen Handel am Donnerstag deutlich fester. Der Dow Jones  kletterte bis 18 Uhr um 0,9 Prozent auf 11317 Punkte. Der Nasdaq Composite  rückte um 0,3 Prozent auf 2257 Zähler vor. Marktteilnehmer sprachen nach den Verlusten am Mittwoch von einer gewissen Stabilisierung.

Die Wirtschaftslage in den USA gibt allerdings noch keinen wirklichen Grund zur Freude. Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor etwas. Er war zum ersten Mal seit März wieder unter 50 Punkte gefallen und signalisierte damit sinkende Geschäftsaktivitäten.

Das Plus am US-Markt erklärte Händler Helmer dabei nach der insgesamt schwachen Handelswoche mit "Eindeckungen von Leerverkaufspositionen" vor dem Feiertag "Independence Day" an diesem Freitag. Die Arbeitsmarktdaten in den USA waren überwiegend wie erwartet ausgefallen und lieferten damit kaum Impulse, zumal sich die Stimmung der Einkaufsmanager des US-Dienstleistungssektors im Juni drastisch eingetrübt hatte.

Schon während Trichets Pressekonferenz war der Euro  auf Talfahrt gegangen. Der Tenor, dass die Zinserhöhung eine einmalige Aktion gewesen sei, schreckte Devisenhändler ab. Nach einem Tageshoch knapp über 1,59 Dollar rutschte der Kurs des Euro am Nachmittag zeitweise bis auf 1,5724 Dollar ab. Zuletzt stand die Gemeinschaftswährung bei 1,5734 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,5885 (Mittwoch: 1,5806) Dollar festgelegt.

Zuvor hatten Investoren auf den Beginn einer Serie von Zinserhöhungen in der Eurozone spekuliert. Das hatte den Kurs der Gemeinschaftswährung in die Nähe des Rekordhochs von 1,6018 Dollar getrieben, das Ende April erreicht wurde.

Dax: Banken top, HRE hopp

Dax: Banken top, HRE hopp

Schwächster Wert im Dax war die Aktie der Hypo Real Estate (HRE) , die um 4,76 Prozent auf 16,80 Euro nachgaben. Eine Abstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur S&P für Gesellschaften des HRE-Konzerns sowie der Depfa-Gruppe belasteten. Der Titel der Deutschen Börse  waren dagegen mit plus 4,07 Prozent auf 71,87 Euro Spitzenwert.

Von einer positiven Studie der Investmentbank Merrill Lynch  profitierte der Anteilsschein der Allianz , der mit plus 2,08 Prozent auf 110,84 Euro schloss. Ein Verkauf der Tochter Dresdner Bank könnte einen Kursschub um bis zu 20 Prozent nach oben auslösen, hieß es unter anderem dort. Die Telekom-Aktie  stieg um 1,67 Prozent auf 10,98 Euro. Der Bonner Konzern will seine Werbeausgaben in diesem Jahr um einen zweistelligen Prozentsatz kürzen. Zudem nahm Merrill Lynch die Aktie von ihrer Negativliste der europäischen Telekomwerte.

Im MDax  wurden konjunktursensible Werte wie K+S, Klöckner & Co.  oder Leoni  verkauft, die bis zu 5,67 Prozent einbüßten. Sehr schwach schlossen auch SGL Carbon  und Wacker Chemie , ebenfalls zyklische Aktien, die in den vergangenen Monaten noch stark gefragt waren.

Im TecDax  sprang die Aktie von Singulus  um 6,01 Prozent auf 7,23 Euro hoch. Der Hersteller von CD- und DVD-Produktionsanlagen übertraf bereits im ersten Halbjahr die eigene Jahresprognose für den Auftragseingang für Blu-ray-Maschinen und erwartet in der zweiten Jahreshälfte weitere Aufträge.

Das inzwischen im SDax  notierende Papier der IKB  gewann 4,53 Prozent auf 3,00 Euro. Der Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank befindet sich nach Angaben des Vorstandes in der "heißen Phase". Das Bieterfeld habe sich inzwischen von neun auf drei Kaufinteressenten reduziert, sagte der Vorstandschef Günther Bräunig anlässlich der Bilanzvorlage für das Geschäftsjahr 2007/08.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp

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