Märkte Frischer Wind für den Dax

Der Dax drehte nach der Leitzinserhöhung klar ins Plus. Die EZB will den Satz offenbar vorerst nicht weiter anheben. Deshalb gab auch der Euro deutlich nach. Positiv wirkten zudem Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, die auch die Wall Street beflügelten. Im Dax gewannen die Banken am stärksten.

Frankfurt - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag nach der Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) und positiven Konjunkturwerten ins Plus gedreht. Die EZB hatte nach dem erwarteten Zinsschritt um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent kein Signal für rasche weitere Erhöhungen geliefert. Die Daten aus der Eurozone und den USA waren zudem weitgehend wie erwartet ausgefallen und sorgten für Erleichterung, hieß es am Markt.

Laut EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bleibt die Inflation zwar besorgniserregend, allerdings sieht er die Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone als grundlegend solide an und sagte, dass die EZB mit ihrer Geldpolitk zur Erhaltung der Preisstabilität beitragen wolle.

Der Leitindex Dax  gewann bis zum Nachmittag 0,28 Prozent auf 6322,77 Punkte. Sein bisheriges Tagestief lag bei rund 6201 Zähler. Der MDax  der mittelgroßen Werte erholte sich auf plus 0,04 Prozent und stand damit bei 8567,29 Punkten. Der Technologiewerteindex TecDax  legte moderat um 0,08 Prozent auf 734,64 Zähler zu.

Auch die US-Börsen sind am Donnerstag mit Gewinnen in den Handel gestartet. Für Erleichterung sorgte der jüngste Arbeitsmarktbericht, der in etwa so ausfiel wie am Markt erwartet. Dies dämpfte Rezessionsängste unter den Investoren. Der überraschend schwache Index für die Stimmung der Einkaufsmanager des Dienstleistungssektors drückte allerdings auf die Stimmung, hieß es am Markt.

Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte gewann zunächst 0,63 Prozent auf 11285 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index legte 0,54 Prozent auf 1268 Zähler zu. Der Technologie-Index Nasdaq  stieg um 0,45 Prozent auf 2261 Punkte.

"Enttäuschungen sind ausgeblieben und das hellt die Stimmung wieder etwas auf", sagte ein Händler zu den US-Arbeitsmarktdaten. Weiter im Fokus bleibt aber dennoch der hohe Ölpreis, der an diesem Tag neue Rekordhöhen erklomm. Der Preis für die Nordseesorte Brent Oil Spot  knackte erstmals die Marke von 146 US-Dollar, während die US-Sorte WTI erstmals über die 145 Dollar-Marke sprang.

Der Euro gibt deutlich nach

Der Euro gibt deutlich nach

Der Kurs des Euro  ist am Donnerstag deutlich abgerutscht. Nach einem Tageshoch knapp über 1,59 Dollar rutschte der Kurs des Euro am Nachmittag zeitweise bis auf 1,5724 Dollar ab. Zuletzt stand die Gemeinschaftswährung bei 1,5734 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,5885 (Mittwoch: 1,5806) Dollar festgelegt.

Die Pressekonferenz der EZB nach der Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent habe gezeigt, dass der Zinsschritt eine einmalige Aktion der Währungshüter war, sagte der Devisenexperte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Mit den Aussagen von EZB-Chef Trichet habe der Euro bei den Anlegern sofort wieder an Attraktivität verloren. Zuvor hatten Investoren auf den Beginn einer Serie von Zinserhöhungen in der Eurozone spekuliert und den Kurs der Gemeinschaftswährung in die Nähe des Rekordhochs von 1,6018 Dollar getrieben, das Ende April erreicht wurde.

Nach der EZB-Pressekonferenz habe die Veröffentlichung von wichtigen Konjunkturdaten aus den USA keine große Rolle mehr gespielt, sagte Experte Hellmeyer. Trotz eines überraschend schwachen US-Arbeitsmarktberichts für Juni habe der Dollar seine Kursgewinne halten können. Das gelte auch für die enttäuschenden Daten zur Stimmung der US-Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor ebenfalls für Juni.

Mit dem heutigen Handel an den Devisenmärkten sieht Hellmeyer eine klare Entwarnung für neue Rekordstände beim Euro. "Die Gemeinschaftswährung wird vorerst keinen neuen Anlauf in Richtung 1,60 Dollar starten."

Banken gewinnen - HRE reißt aus

Banken gewinnen - HRE reißt aus

Im Dax fielen die Titel der Hypo Real Estate (HRE)  um 3,80 Prozent auf 16,97 Euro und setzten sich damit an das Indexende. Eine Abstufung der Kreditwürdigkeit durch S&P für Gesellschaften des HRE-Konzerns sowie der Depfa-Gruppe belasteten die Aktie. Fresenius Medical Care (FMC)  waren dagegen Spitzenwert im Leitindex mit plus 3,56 Prozent auf 36,04 Euro.

Die Aktien der Allianz  gewannen 1,88 Prozent auf 110,62 Euro und profitierten von einer positiven Studie. Merrill Lynch  hat die Titel der Allianz auf ihre "Most Preferred List" gesetzt und mit der Einstufung "Buy" sowie dem Kursziel 145,00 Euro bestätigt. Ein Verkauf der Tochter Dresdner Bank könnte einen Kursschub von bis zu 20 Prozent auslösen, hieß es.

Die T-Aktie stieg um 1,57 Prozent auf 10,97 Euro. Die Deutschen Telekom  will ihre Werbeausgaben in diesem Jahr um einen zweistelligen Prozentsatz kürzen. Zudem nahm Merrill Lynch die Aktie von ihrer "Least Preferred List" der europäischen Telekomwerte.

Im TecDax  sprangen die Aktien von Singulus  um 5,57 Prozent auf 7,20 Euro hoch. Der Hersteller von CD- und DVD-Produktionsanlagen übertraf bereits im ersten Halbjahr die eigene Jahresprognose für den Auftragseingang für Blu-ray-Maschinen und erwartet in der zweiten Jahreshälfte weitere Aufträge.

Studien belasten Solarwerte

Studien belasten Solarwerte

Die meisten Solarwerte wurden durch negative Studien belastet. Dem Sektor drohten Überkapazitäten, schrieb etwa HSBC-Analyst Burkhard Weiss. Diese dürften im kommenden Jahr zu einem Preisverfall bei Solarmodulen von bis zu 20 Prozent führen. Daraufhin stufte er einige Papiere ab und nahm andere mit negativen Vorzeichen in die Bewertung auf.

Phoenix Solar  verloren als schwächster TecDax-Wert 7,04 Prozent auf 43,70 Euro. Centrotherm  ,die zeitweise bis auf Euro gefallen waren, gaben zuletzt nur noch um 0,93 Prozent auf 49,93 Euro nach. Die Solartechnologiefirma will bis Ende des Jahres knapp ein Prozent der eigenen Aktien zurückkaufen, wie sie am frühen Nachmittag ankündigte.

Die Papiere der inzwischen im SDax  notierten IKB  gewannen hingegen an der Indexspitze 5,92 Prozent auf 3,04 Euro. Der Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank befindet sich nach Angaben des Vorstandes in der "heißen Phase". Das Bieterfeld habe sich inzwischen von neun auf drei Kaufinteressenten reduziert, sagte der Vorstandschef Günther Bräunig am Donnerstag anlässlich der Bilanzvorlage für das Geschäftsjahr 2007/08 (31. März).

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.