Märkte Dax und Dow sehen kein Licht

Die erhoffte Wende an den Märkten ist ausgeblieben. Der Dax hat am Mittwoch leicht verloren, der Dow Jones drehte sogar etwas deutlicher ins Minus. Der hohe Ölpreis und erwartete Zinserhöhungen drücken auf die Stimmung. Die Deutsche Bank dagegen sorgte für einen Lichtblick.

Frankfurt am Main - Das war nicht der ersehnte Befreiungsschlag an den Märkten. Nach zwei schwachen Handelstagen hat sich der Dax  am Mittwoch zwar etwas gefangen, konnte zwischenzeitliche Gewinne aber nicht halten.

Im Vorfeld der Zinsentscheidung der europäischen Zentralbank am Donnerstag und der US-Arbeitsmarktsdaten am Freitag dominierte Zurückhaltung. "Dieser schwache Erholungsansatz nach den vorherigen Verlusten stimmt skeptisch und lässt befürchten, dass der finale Ausverkauf noch ansteht", meinte denn auch ein Händler.

Ein erneut gestiegener Ölpreis und mit Enttäuschung aufgenommene US-Konjunkturdaten haben am Mittwoch auch die Stimmung an der Wall Street ins Negative gekehrt und für Verluste gesorgt.

Die positiven Nachrichten aus der europäischen Finanzbranche, die dem Dax zunächst zu deutlichen Gewinnen verholfen hatten, verblassten vor diesem Hintergrund. Mit minus 0,17 Prozent auf 6305,42 Punkte ging der Dax schließlich aus dem Handel. Sein Tageshoch lag bei knapp 6396 Zählern. Der MDax  verlor 2,57 Prozent auf 8563,92 Zähler. Der TecDax  büßte 2,55 Prozent auf 734,07 Punkte ein.

"Die Nachrichten der Deutschen Bank , die im zweiten Quartal wieder mit Gewinnen rechnet und keinen Bedarf für eine Kapitalerhöhung sieht, hatten am Markt zunächst für etwas Erleichterung gesorgt", sagte Aktienhändler Stefan Söllner von der Postbank . "Leider sind die Gewinne dann bis Börsenschluss wieder vollständig verpufft."

Dass weiter Abwärtsdruck bestehe, lasse sich an den Nebenwerten ablesen. Dennoch hofft Söllner in den nächsten Tagen auf eine Stabilisierung. Allerdings dürfte der Handel stark vom US-Arbeitsmarktbericht am Donnerstag bestimmt sein. Von der Europäischen Zentralbank wird dann eine Leitzinsanhebung erwartet.

Fredriksen stockt bei Tui auf

Fredriksen stockt bei Tui auf

Die zuletzt stark gebeutelten Bankenwerte hielten sich bis Handelsschluss deutlich im Plus und wurden dabei auch von Nachrichten seitens der UBS  gestützt. Der neue Verwaltungsratspräsident Peter Kurer der Schweizer Großbank sagte, dass die krisengeschüttelte Investmentbank wohl keine weitere Kapitalerhöhung benötige und im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben dürfte.

Die Titel der Deutschen Bank gewannen 3,89 Prozent auf 54,48 Euro. Die Aktien der Commerzbank  stiegen um 4,80 Prozent auf 18,98 Euro und die der Postbank gewannen 2,08 Prozent auf 55,01 Euro.

Die Anteilsscheine von Infineon  büßten 3,30 Prozent auf 4,69 Euro ein. Der neue Chef des Halbleiter-Konzerns erteilte den Übernahme- und Fusionsspekulationen der vergangenen Monate eine Absage. Die allgegenwärtigen Probleme des Unternehmens will Peter Bauer stattdessen mit einer neuen Konzernstruktur und Produktionsverlagerungen ins Ausland lösen. Zudem wollte Bauer auch weitere Abschreibungen auf die stark defizitäre Speicherchip-Tochter Qimonda  nicht ausschließen, die bis zur Hauptversammlung 2009 verkauft werden soll.

Dass der kritische Tui-Großaktionär John Fredriksen seinen Anteil am Touristik- und Schifffahrtskonzern weiter aufgestockt hat, gab der Aktie nur kurzfristig Auftrieb. Nachdem das Tui-Papier  am Nachmittag zeitweise bis auf 14,57 Euro gestiegen war, ging es mit minus 0,69 Prozent auf 14,33 Euro aus dem Handel.

Mit Blick auf die europäischen Börsen gab der Euro Stoxx 50 um 0,13 Prozent auf 3288,52 Zähler nach. In Paris und London schlossen die Börsen mit rund einem Prozent Verlust. Die US-Börsen zeigten sich zum Handelsschluss in Europa ebenfalls im Minus.

Der Kurs des Euro in Dollar  legte zu: Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,5806 (Dienstag: 1,5775) Dollar festgesetzt hatte, stieg er noch etwas weiter. Der Dollar kostete 0,6327 (0,6339) Euro.

USA: Schockprognose von Merrill

USA: Schockprognose von Merrill

Bevor die führenden US-amerikanischen Indizes ins Minus drehten, hatten sie im frühen Handel aufgrund der positiven Aussichten der Deutschen Bank noch zugelegt. Dies machte den Anlegern Hoffnung auf ein baldiges Abflauen der Kreditkrise.

Doch der Dow Jones-Index  der Standardwerte verlor schließlich bis zum frühen Nachmittag in New York 0,3 Prozent auf 11.350 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab ebenfalls 0,3 Prozent nach auf 1281 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq  notierte mehr als ein Prozent schwächer bei 2281 Stellen.

Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl legte um knapp zwei Dollar zu auf 142,90 Dollar. Am Nachmittag hatte die US-Regierung bekanntgegeben, dass die Öl-Bestände in der vergangenen Woche um zwei Millionen Barrel auf 299,8 Millionen Barrel gefallen sind - am Markt war lediglich mit einem Rückgang um 100.000 Barrel gerechnet worden. Als Grund führte die nationale Energiebehörde (EIA) eine höhere Nachfrage bei einem gleichzeitigen Rückgang der Importe an.

Den Optimismus auf dem Börsenparkett dämpften zudem neue Hinweise auf eine Abschwächung des US-Arbeitsmarktes: Einer Umfrage der Arbeitsagentur ADP zufolge baute die US-Privatwirtschaft im Juni fast 80.000 Stellen ab.

Die Anleger verkauften ihre Aktien auf breiter Front. Zu den größten Verlierern zählten insbesondere die Papiere angeschlagenen US-Autobauers General Motors , die fast 10 Prozent nachgaben. Nach Einschätzung von Merrill Lynch  muss sich der Konzern 15 Milliarden Dollar frisches Kapital besorgen. Wenn es mit dem amerikanischen Automarkt weiter bergab gehe, sei auch ein Konkurs nicht ausgeschlossen, warnte die Investmentbank.

Dagegen griffen etliche Investoren angesichts der beruhigenden Worte von Deutschlands größtem Geldhaus bei Finanztiteln zu. So verteuerten sich etwa die Aktien der Citigroup  zeitweise gut ein Prozent, bevor sie später fast unverändert notierten.

Die Aktien von Yahoo  profitierten mit einem Kursplus von 6,7 Prozent von einem Medienbericht, der Softwareriese Microsoft  suche nach Verbündeten für einen neuen Anlauf zur Übernahme des Suchmaschinen-Geschäfts von Yahoo. Die Börsianer reagierten auch positiv auf den Plan der Kaffeehauskette Starbucks , weltweit rund 12.000 Arbeitsplätze abzubauen. Starbucks-Aktien stiegen um 0,8 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa, Dow Jones und reuters

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