Hexensabbat Starke Verluste für den Dax

Belastet von Kursverlusten bei Finanzwerten und dem Verfall am Terminmarkt ist der Dax mit einem deutlichen Minus aus dem letzten Handelstag der Woche gegangen. Größter Verlierer war die Aktie der Commerzbank mit einem Minus von 8,5 Prozent.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt ist am Freitag belastet von einer Reihe negativer Nachrichten und den Spekulationen am so genannten Verfallstag deutlich in die Knie gegangen. Börsianer machten neben dem Auslaufen der Terminkontrakte auf Indizes und Aktien noch zahlreiche weitere Belastungsfaktoren aus.

Der deutsche Leitindex Dax  verlor 2,12 Prozent auf 6578 Zähler, im frühen Handel war es noch bis auf 6766 Punkte nach oben gegangen. Auch der MDax  litt unter starken Schwankungen, schloss dann aber kaum verändert mit minus 0,09 Prozent auf 9502 Punkte. Für den TecDax  ging es um 1,14 Prozent auf 815,16 Zähler nach unten.

"Es war ein spektakulärer Tag", fasste Postbank-Aktienhändler Ascan Iredi das Handelsgeschehen zusammen. Die Kursreaktion am Nachmittag aber allein auf den "Großen Verfall" zu schieben, sei zu einfach. In den vergangenen Tagen seien negative Nachrichten von Konjunktur- und Unternehmensseite am Aktienmarkt ignoriert worden, nun würden sie - ziemlich heftig - eingepreist.

Der gestiegene Ölpreis und diverse Gerüchte hätten dann ihr Übriges dazu beigetragen, die Verluste auszuweiten und den Dax auf das tiefste Niveau seit Mitte April zu drücken. Vom "Großen Verfall" sprechen Börsianer dann, wenn der letzte Handelstag von Derivaten wie Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien, auf den gleichen Tag fällt.

Zu den größten Verlierern zählten die Finanzwerte: Commerzbank  rutschten um 8,48 Prozent auf 18,99 Euro ab. Auch die Titel der Deutschen Bank  verloren 3,08 Prozent auf 58,62 Euro. Nach dem Statement der Citigroup  am Vortag habe es auch vage Gerüchte über eine Gewinnwarnung von Merrill Lynch  gegeben. "Mal sehen, wer als nächstes warnt oder weiter Abschreibungen vornehmen muss", so der Börsianer. Zuletzt kamen Spekulationen um die Insolvenz einer britischen Bank auf. "Da lohnt es sich schon mal ein paar Finanzwerte abzugeben". Ein anderer Händler sagte, möglicherweise erkläre sich die Schwäche mit der Absage der Investorentags der Allianz . Es werde spekuliert, dass die Absage mit dem Verkauf der Dresdner Bank zusammenhänge.

Deutsche Börse im Abwärtssog

Deutsche Börse im Abwärtssog

Unterdessen rutschten Aktien der Deutschen Börse  um 5,67 Prozent auf 77,80 Euro ab. Händlern zufolge brachte der von dem Börsenbetreiber veranstaltete Investorentag nicht viel Neues. "Einige haben vielleicht mehr erwartet, besonders im Hinblick auf die wachsende Konkurrenz alternativer Handelsplattformen", sagte ein Börsianer. Ein weiterer Händler ergänzte: "Insgesamt schwanken die Titel der Börse seit Tagen heftig hin und her ohne konkrete Begründung. Hinzu kam dann noch der große Verfall."

An der Indexspitze stemmten sich ThyssenKrupp  mit plus 1,82 Prozent auf 41,92 Euro erfolgreich gegen den schwachen Trend. Händler verwiesen auf eine Hochstufung durch Merrill Lynch als Antrieb. Die Experten hatten die Einschätzung von "Underperform" auf "Neutral" angehoben und das Kursziel von 39 auf 43 Euro erhöht. Der Stahlhersteller sei gut positioniert, um 2009 von höheren Preisen in den festgelegten Verträgen zu profitieren und sich damit etwas vom Margendruck im laufenden Jahr zu erholen, so die Analysten.

Auch Klöckner & Co.  gewannen im MDax 1,20 Prozent auf 38,70 Euro. Der Stahlhändler rechnet im laufenden Jahr mit einem zweistelligen Umsatzplus und sieht den Gewinn über den aktuellen Markterwartungen. "Die Konsenserwartungen dürften nach dieser Ankündigung angehoben werden", schrieb Analyst Ingo-Martin Schachel in einem Kommentar. Schachel bewertet das Papier mit "Buy" und dem Ziel 45 Euro.

Arques Industries  stiegen an ihrem letzten Handelstag im MDax noch einmal kräftig um 10,86 Prozent auf 6,94 Euro. Fundamentale Gründe konnten Händler allerdings nicht finden. "Das sieht eher nach einer technischen Gegenreaktion aus, nachdem die Titel seit Jahresbeginn rund 70 Prozent verloren haben", sagte ein Börsianer. Am Montag ersetzen die Aktien von Fuchs  die Titel im Index mittelgroßer Werte. Im TecDax verloren Versatel  ebenfalls ohne fundamentale Neuigkeiten 7,39 Prozent auf 13,41 Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa-afx

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