Kapitalmarktausblick Raue See voraus

Keine deutliche Kurserholung, aber auch keine Katastrophe - das sind die Pole, zwischen denen die Aktien der Welt 2008 und 2009 navigieren werden. So zumindest lautet der Tenor der Börsenausblicke von der Deutschen Bank und Sal. Oppenheim.

Frankfurt am Main - Es bleibt ruppig an den Kapitalmärkten, so das Fazit der Deutschen Bank  und Oppenheim. Bei der Deutschen Bank sieht man die internationalen Kapitalmärkte zunehmend von der anhaltenden Inflation bestimmt.

Es spreche einiges dafür, dass die goldenen Jahre der niedrigen Inflation vorbei seien, sagte Klaus Martini, Global Chief Investment Officer im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank, am Dienstag bei der Vorstellung des Kapitalmarktausblicks für 2008/2009. Dennoch zeige sich die Weltwirtschaft trotz Finanzmarktkrise und Ölpreisanstieg erstaunlich robust.

Die Experten rechnen jeweils mit einer jährlichen Wachstumsrate von 3,5 Prozent. Horror-Szenarien von einer tiefen US-Rezession und einer Stagflation hätten sich nicht bewahrheitet, sagte Helmut Kaiser, Global Chief Investment Strategist für Privatkunden der Deutschen Bank. Für die USA rechnen die Experten nicht mit einer Rezession, allerdings auch nicht mit einer Erholung. Auch im Euroraum dürfte sich die Konjunktur weiter abkühlen. Die asiatischen Schwellenländer hätten ihren "Abkopplungstest von der US-Wirtschaft" allerdings bestanden.

Die große Unbekannte sei weiterhin die Entwicklung des Ölpreises, sagte Martini: Die Experten der Deutschen Bank rechnen aber damit, dass er hoch bleibt, langfristig sogar steigt. Die Nachfrage gerade in Asien sei nicht zu stoppen. Langfristig gesehen dürfte es selbst bei optimistischen Prognosen schwierig werden, den Energiehunger der Schwellenländer zu stoppen, so Martini. Dabei gingen die Prognosen der Energy Watch Group und der Internationalen Energieagentur zur globalen Ölforderung "erschreckend" weit auseinander.

Insgesamt rechnen die Experten aber damit, dass hohe Energiepreise gepaart mit steigenden Nahrungsmittelpreisen und steigenden Löhnen die Inflationserwartungen weiter anfeuern werden. Gerade in den Schwellenländern schlügen die hohen Rohstoffpreise direkt auf die Inflation durch.

EZB in Lauerstellung

EZB in Lauerstellung

Diese Erwartungen könnten nach Einschätzung von Kaiser aber allein schon durch die Rhetorik der Zentralbanken gedämpft werden. Schnelle Zinserhöhungen in den USA sieht der Experte zwar im Gegensatz zu anders lautenden Marktspekulationen nicht.

Die US-Notenbank habe aber von Thema "Wachstumssorgen" auf "Inflationssorgen" umgeschaltet und dürfte die Zinsen entsprechend auf dem derzeitigen Niveau belassen. Die Europäische Zentralbank sei unterdessen in "Hiking Mood" und werde den Leitzins im Juli wohl wie von EZB-Chef Jean-Claude Trichet angedeutet im Juli um 25 Basispunkte erhöhen. Nach Einschätzung von Martini sind die Zentralbanken "nicht unfroh" über die derzeitige Entwicklung. Das Wirtschaftswachstum sei noch in Ordnung, entsprechend sei es nun ein "ideales Timing" mit Blick auf die Inflation die Bremse zu ziehen.

Bei Euro-Dollar-Kurs rechnen die Experten in den kommenden 12 Monaten mit einer Korrektur in Richtung 1,50 oder sogar 1,45 US-Dollar. Der Dollar sei derzeit deutlich unterbewertet, sagte Kaiser, viele schlechte Nachrichten seien bereits eingepreist.

Die Aktienmärkte dürften sich nach Meinung der Experten kurzfristig erst einmal bewegen. "Ich fürchte, dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen für 2009 noch weiter nach unten kommen werden", sagte Martini. Sollten größere Katastrophen ausbleiben, dürften die Tiefststände vom März nach Meinung der Experten aber als Bodenbildung halten. Insgesamt sei das Abwärtspotenzial wegen der im historischen Vergleich günstigen Bewertung der bedeutenden Indizes begrenzt, eine nachhaltige Kursbewegung nach oben erwarten die Experten aber erst später im Jahr. Den Dax  sieht die Deutsche Bank in zwölf Monaten bei 7800 Punkten, den Eurostoxx 50 bei 4000 Punkten.

"Wir sehen jeden Tag ein neues Puzzle-Teilchen zur Lösung der Kreditkrise", sagte Martini. Den Worten von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, man befinde sich am Anfang des Endes der Krise, schließe er sich an. "Richtig bullish" seien die Experten der Deutschen Bank aber nicht. Sonst stünden in der Prognose sicherlich andere Indexstände.

Viele Kostentreiber

Viele Kostentreiber

Ähnlich sieht man das bei Sal. Oppenheim. Der Dax könnte ihrer Auffassung nach im zweiten Halbjahr 2008 noch einmal bis auf sein Jahrestief rutschen. Nach unten ziehen könnten den Leitindex im Sommer zunächst vor allem die anstehende Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB), gesenkte Gewinnerwartungen von Unternehmen und die schwelende Bankenkrise, heißt es in dem am Dienstag vorgelegten Kapitalmarktausblick des Bankhauses.

Im März hatte der Dax bei 6167 Punkten den tiefsten Stand dieses Jahres markiert. Derzeit notiert er mit 6803 Zählern. "Die anhaltende Finanzkrise und der starke Inflationsanstieg im Zuge der explodierten Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise bilden in ihrer Kombination eine ungünstige Situation für die Kapitalmärkte", resümierte der persönlich haftende Gesellschafter des Bankhauses, Dieter Pfundt. Das Umfeld für Aktien werde weiter volatil bleiben, und der Dax sich in einer Spanne von 6000 und 7000 Punkten bewegen. Bis zum Jahresende sei aber eine Erholung möglich.

Ob der Dax sich wieder zu neuen Höhen aufschwingen kann, hänge vor allem - die gleiche Analyse wie bei der Deutschen Bank - an der Entwicklung am Rohstoffmarkt. "Sollten zum Beispiel durch den Abfluss von spekulativen Anlagegeldern nach den Olympischen Spielen in China die Energie- und Rohstoffpreise deutlich korrigieren, würde dies eine breite Erholung der Aktienmärkte in den nächsten Monaten in Richtung eines Dax-Niveaus von 8000 Punkten ermöglichen", stellten die Bankexperten fest. Positive Impulse dürften demnach auch Unternehmensübernahmen durch strategische Investoren liefern. Sollte ferner die Konjunkturabkühlung in den USA weniger stark ausfallen als befürchtet, werde dies möglicherweise zu einer Rückkehr des Anlegervertrauens beitragen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, dpa und reuters

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