Börsenschluss Commerzbank zieht Dax ins Plus

Schlussspurt ins Wochenende: Bis zum Nachmittag war der Handel meist im Minus vor sich hingedümpelt. Dann aber schaffte es der Dax noch komfortabel in den grünen Bereich. Dabei spielten die Finanzwerte eine entscheidende Rolle. Vor allem Aktien der Commerzbank gewannen deutlich an Wert hinzu.

Frankfurt am Main - Der Dax  pendelte heute lange um seinen Vortagesschluss von 6714 Zählern. Erst am nachmittag setzte er sich positiv ab und beendete den Handel schließlich 0,76 Prozent im grünen Bereich mit 6765,32 Punkten. Im Rahmen der Erwartungen liegende US-Verbraucherpreise halfen dem Index, sein Minus von zuvor rund einem halben Prozent abzubauen. Gestützt wurde das bedeutendste Frankfurter Börsenbarometer zudem von Gewinnen der Allianz-  und Commerzbank-Aktien , deren Kurs von Spekulationen auf eine baldige Konsolidierung in der deutschen Bankenlandschaft beflügelt wurden.

Darüber hinaus legten der MDax  der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften um 0,51 Prozent auf 9573,85 Punkte zu. Und der Technologieindex TecDax  verbesserte sich um 0,37 Prozent auf 815,09 Stellen. Auch an den europäischen Börsen ging es im Schnitt leicht nach oben. Der Leitindex EuroStoxx 50  verbesserte sich um 22,36 Ticks auf 3022,18 Punkte.

Die US-Aktienmärkte haben nach der Veröffentlichung der amerikanischen Verbraucherpreise ebenfalls Gewinne verzeichnet. Zwar war der Preisanstieg so stark wie seit einem halben Jahr nicht mehr, doch fiel die Erhöhung in der Kernrate - ohne Nahrungsmittel und Energie - moderat aus. Das dämpfte die Inflationssorgen der Anleger. Der Dow-Jones-Industrial-Index  der Standardwerte gewann bis zum Nachmittag 0,7 Prozent auf 12.227 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,8 Prozent auf 1349 Zähler zu. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq  gewann 1,4 Prozent auf 2438 Punkte.

Die Stimmung ín Frankfurt blieb Händlern zufolge dennoch getrübt. Weltweit mache sich Skepsis über die wirtschaftliche Entwicklung breit, sagte Marktanalyst Christian Schmidt von der Helaba. Er verwies darauf, dass auch Konjunkturdaten aus Japan und China zuletzt eine Abschwächung des Wachstums signalisierten.

In Deutschland haben die hohen Spritpreise im Mai wieder für eine kräftige Teuerung gesorgt und Inflationsängste geschürt. Der hohe Ölpreis bleibe eine Bremse für den Aktienmarkt, sagten Händler. "Der Abwärtstrend ist intakt, und die Gefahren sind größer als die Chancen", sagte Schmidt.

Sonderkonjunktur herrschte aber bei den Papieren von Allianz und Commerzbank: In Reaktion auf Meldungen, wonach das Interesse der Commerzbank an der Allianz-Tochter Dresdner Bank immer konkretere Züge annimmt, haben die Aktien beider Konzerne am Freitag deutlich angezogen. Die Commerzbank-Aktien stiegen um 5,91 Prozent auf 21,15 Euro. Die Titel des Münchener Finanzkonzerns gewannen 4,13 Prozent auf 117,33 Euro. Händler erklärten die Kursreaktion mit der Hoffnung auf Vorteile für beide Seiten, sollte es zu einem Zusammengehen kommen.

Die Allianz wäre ihr Problemkind los, die Commerzbank könne ihr Geschäft erweitern. "Das Allfinanzmodell hat der Allianz kein Glück gebracht", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Fink. Für die Commerzbank wäre es wiederum gut, wenn die Allianz aus der Finanzmarktkrise resultierende Risiken im Investmentbanking übernähme.

Gewinnmitnahmen bei ThyssenKrupp

Gewinnmitnahmen bei ThyssenKrupp

Gefragt waren zudem Siemens-Papiere , die mit einem Plus von 2,68 Prozent auf 74,46 Euro auf eine Goldman-Sachs-Empfehlung reagierten. Die Investmentbank nahm die Titel auf die "Conviction Buy List" auf und bekräftigte das Kursziel mit 95 Euro. Für Gesprächsstoff am Markt sorgten auch Spekulationen auf eine Übernahme der Infineon-Tochter Qimonda  durch die japanische Elpida.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte den Elpida-Chef mit der Aussage zitiert, an einem Aktientausch oder am Kauf von Anteilen interessiert zu sein. Infineon-Aktien  reagierten mit einem Kursplus zum Handelsauftakt. Im Verlauf drehten sie 0,6 Prozent ins Minus, nachdem der japanische Konzern mitgeteilt hatte, gegenwärtig keine Anteilsübernahme bei Qimonda zu erwägen.

Auf Talfahrt blieben dagegen ThyssenKrupp-Anteilsscheine . Händler sprachen von anhaltenden Gewinnmitnahmen. Daneben belaste der Ausblick für die deutsche Stahlindustrie. Der Branchenverband hat für das laufende Jahr eine stagnierende Produktion vorausgesagt. Die Aktien des Stahlkonzerns büßten 2,54 Prozent auf 40,64 Euro ein. Auf Sicht von drei Monaten hatten sie zuletzt knapp 15 Prozent gewonnen.

Im Nebenwerteindex MDax  lagen Salzgitter-Papiere  1,49 Prozent im Minus und kosteten schließlich 122,64 Euro. Die Drei-Monats-Bilanz gleicht der von ThyssenKrupp.

"Das gescheiterte Referendum über den Reformvertrag der Europäischen Union hat den Euro  " darüber hinaus heute "unter Druck gesetzt", sagte Rainer Sartoris vom Bankhaus HSBC Trinkaus. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,5337 Dollar gehandelt, nach 1,5460 Dollar im frühen Handel. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Referenzkurs auf 1,5336 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete somit 0,6521 Euro.

Ein Barrel (159 Liter) leichtes Rohöl kostete im elektronischen Handel der New Yorker Rohstoffbörse heute zuletzt 136,29 Dollar. Damit war der Preis für den Rohstoff gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag um 45 Cent gesunken. Vergangenen Freitag hatte der Ölpreis mit 139,12 Dollar seinen bisherigen historischen Höchststand erreicht. Das für die Versorgung in Europa wichtige und in London gehandelte Nordseeöl der Sorte Brent gab heute um 56 Cent nach und kostete zuletzt 135,9 Dollar je Barrel.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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