Wochenausblick In die Zange genommen

Aktiensparern steht eine unruhige Woche bevor. Der hohe Ölpreis und die weltweite Finanzkrise nehmen den deutschen Aktienmarkt in die Zange. Alles scheint davon abzuhängen, ob sich die Rohstoff- und Kreditkrise weiter zuspitzt. Dann hat der Dax wohl keine Chance, seine deutlichen Verluste aus der Vorwoche wettzumachen.

Frankfurt am Main - Deutschlands Aktienmarkt verharrt in einer angespannten Zwischenphase. "Solange der Frankfurter Aktienleitindex Dax  sich über der Marke von 6906 Punkten hält, sind wir noch im grünen Bereich", ist Analyst Klaus Stabel von der ICF AG überzeugt. Weitere Hiobsbotschaften etwa aus dem Bankensektor aber könnte die Stabilisierung gefährden.

Zuletzt dämpften die Finanzprobleme des britischen Baufinanzierers Bradford & Bingley die Hoffnung, dass die Kreditkrise langsam austrudeln könnte. Dazu kamen Ratingherabstufungen von Standard & Poor's gleich für eine ganze Reihe von Banken sowie Gerüchte, die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers  brauche eine milliardenschwere Geldspritze.

Belastend dürfte sich zudem die Ankündigung der Europäischen Zentralbank entwickeln, notfalls schon im Juli die Leitzinsen in Euroland nach oben schrauben zu müssen. "Es wird ab jetzt sehr schwer für Zentralbankchef Jean-Claude Trichet zu sagen: Es tut mir Leid, es gibt keine Zinserhöhung, um die Inflation hierzulande in den Griff zu bekommen", glaubt Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America. Selbst wenn die erwartete Abschwächung der Konjunktur im zweiten Quartal dieses Jahres tatsächlich eintrete, wäre die Zinserhöhung im Juli wohl nicht mehr zu verhindern, glaubt Schmieding.

Die Aktienkurse konjunkturempfindlicher Unternehmen könnten in der kommenden Woche zudem aufgrund der Ölpreisentwicklung sinken. Gestützt auf den schwachen US-Dollar hatte der Ölpreis nach einer kurzen Verschnaufpause seinen Höhenflug in den vergangenen Tagen fortgesetzt. Dennoch hoffen die Börsianer auf positive Impulse von den Rohstoffmärkten. Denn eine Entspannung des Ölpreises dürfte binnen kürzester Zeit durch steigende Kurse an den Aktienmärkten sichtbar werden.

Marktstratege Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank unterstrich die Bedeutung des Ölpreises. Sollte der US-Ölpreis wieder über 139 Dollar je Barrel steigen, habe der Dax keine Chance auf eine Stabilisierung oder einen Anstieg auf mehr als 7100 Punkte. Die Entwicklung des Rohölpreises hänge derzeit allerdings viel mehr von Spekulationen ab, als von fundamentalen Daten.

Am kommenden Mittwoch wird Amerikas Energieministerium den wöchentlichen Ölbericht veröffentlichen - nahezu zeitgleich mit dem viel beachteten Konjunkturbericht der US-Notenbank.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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