Börsenschluss Fusions-Fantasie

Frankfurts Anleger litten zu Beginn des Tages unter fallenden Kursen, doch kurz nach vier Uhr konnten sie aufatmen. Denn der Dax drehte bis zum Börsenschluss ins Plus. Vor allem, weil Allianz und Commerzbank gemeinsam für die Postbank bieten.

Frankfurt am Main - So schnell kann es gehen. Dümpelte der Dax  den Tag über noch im Minus, kam kurz nach vier Uhr die Kehrtwende. Denn neu aufgeflammte Spekulationen um eine Dreierallianz im Banksektor und nachgebende Ölpreise hatten den Index am Donnerstag in die Gewinnzone geschoben. Der Leitindex ging mit einem Aufschlag von 0,42 Prozent auf 7070,33 Punkte aus dem Handel.

Auch die anderen wichtigen Indizes schlossen im Plus. Der MDax  rückte um 0,93 Prozent auf 9789,73 Punkte vor, und der TecDax  legte um 0,84 Prozent auf 874,06 Zähler zu.

"Zum einen gab es das Gerücht, dass die Postbank  von der Allianz  und der Commerzbank  gemeinsam übernommen wird, und zum anderen kamen die Preise am US-Immobilienmarkt aktuellen Daten zufolge nicht so stark unter Druck wie erwartet - das hat dem Markt hochgeholfen", begründet ein Händler die Entwicklung.

Zuvor hatte manager-magazin.de exklusiv berichtet, dass die Allianz und die Commerzbank gemeinsam für die Postbank bieten. Die beiden Finanzkonzerne haben ein rund 10 Milliarden Euro schweres unverbindliches Gebot für die Post-Tochter abgegeben. Die Postbank-Papiere legten daraufhin um 1,2 Prozent zu, die der Commerzbank um rund 2,4 Prozent. Der Zusammenschluss aus der Allianz-Tochter Dresdner Bank, der Commerz- und der Postbank soll zum neuen nationalen Bankchampion werden, der den bisherigen Branchenprimus Deutsche Bank überflügeln würde.

Sprecher von Allianz und Postbank sagten lediglich, sie wollten Marktspekulationen nicht kommentieren. Die Commerzbank war am Feiertag Fronleichnam zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Allianz-Aktie notiert zum Börsenschluss zwar noch mit über 3 Prozent im Minus, doch konnte sie einen Teil der Tagesverluste wieder wettmachen.

Eine Allianz der drei Kreditinstitute wäre laut Analyst Christian Hamann von der Hamburger Sparkasse für den Versicherungskonzern positiv, da sich die Allianz dann nur mit einem geringen Anteil an einen Bankenverbund beteiligen müsste. Für die Commerzbank wäre ein Zusammengehen mit der Postbank ebenfalls sinnvoll, da sie dadurch an dem Branchenprimus Deutsche Bank vorbeiziehen würde. Den in dem manager-magazin.de-Bericht genannten Übernahmepreis halte er für vernünftig, da er bereits eine Prämie enthalte.

Bereits am Vortag hatte Allianz-Chef Michael Diekmann Gespräche über eine Neuordnung der deutschen Bankenbranche bestätigt. "Derzeit finden Gespräche statt, die aber noch nicht das Stadium erreicht haben, dass ich heute darüber berichten kann", sagte er am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Versicherungskonzerns in München. Grund für die Verschwiegenheit sei, dass er die Verhandlungsposition der Allianz nicht schwächen wolle.

Auch für den Ursprung der Kreditkrise, den US-Immobilienmarkt, gibt es Neues. Für das erste Quartal ergebe sich ein saisonbereinigter Rückgang um 1,7 Prozent, teilte das Office of Federal Housing Enterprise Oversight (OFHEO) am Donnerstag mit. Damit wurde der Rückgang von 1,4 Prozent im vierten Quartal übertroffen und gleichzeitig der stärkste Quartalsrückgang seit Aufzeichnung der Daten verzeichnet. Im März sank der Hauspreisindex um 0,4 Prozent zum Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken die Hauspreise im März um 3,4 Prozent. Das OFHEO ist die Aufsichtsbehörde der beiden halbstaatlichen Hypothekenaufkäufer Freddie Mac und Fannie Mae.

Der Euro  bleibt derweil teuer. Im frühen Handel ist die Gemeinschaftswährung 1,57-85 Dollar teuer gewesen. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwoch noch auf 1,57-53 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 0,63-48 Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.