Märkte Doping aus den USA

Mit Hilfe der Wall Street hat es der Dax geschafft, seine anfänglichen Kursverluste deutlich zu reduzieren. Gegen den Branchentrend legten Aktien der Postbank zu und setzten sich an die Spitze der Gewinnerliste. Tui-Papiere hingegen wurden von den Anlegern auf Talfahrt geschickt.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag einen wechselhaften Handelstag uneinheitlich beendet. Der Dax  konnte seine durch den Rekordölpreis bedingten Tagesabschläge weitgehend wettmachen und schloss mit einem moderaten Minus von 0,06 Prozent bei 7071,90 Zählern. Damit behauptete das Börsenbarometer sich den fünften Handelstag in Folge über der 7000-Punkte-Marke, die es Anfang Mai erstmals seit dem 19. Februar auf Schlusskursbasis wieder geknackt hatte.

Ähnlich sah die Entwicklung beim Technologiewerte TecDax  aus, bei dem zu Handelsende noch ein Minus von 0,05 Porzent auf 846,45 Punlkte zu Buche stand. Der MDax  der mittelgroßen Werte drehte sogar ins Plus und schloss 0,35 Prozent höher bei 9666,53 Punkten. "Der Dax zeigt sich sehr robust. Wir stecken den kräftig gestiegenen Ölpreis und die Finanzmarktkrise erstaunlich gut weg", sagte Händler Stefan Söllner von der Postbank . Im Fokus stand eine Flut von Unternehmenszahlen. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins bei 4 Prozent zu belassen, hatte so gut wie keine Auswirkungen am Aktienmarkt.

Dennoch schaffte es der Dax mit Unterstützung der Wall Street, bis zum Abend seine anfänglichen deutlicheren Kursverluste auf ein Minimum zu reduzieren. Die US-Börsen hatten sich nach einer schwächeren Eröffnung bis zum Handelsschluss in Europa ins Plus hochgearbeitet. So notierte der Dow-Jones-Index 0,4 Prozent höher, während der S&P-500 um 0,3 Prozent stieg. Der Nasdaq Composite  zog um 0,6 Prozent an. Der EuroStoxx 50  schloss mit minus 0,4 Prozent bei 3856 Punkten.

Mit plus 2,75 Prozent auf 59,80 Euro eroberte die Aktie der Postbank  die Dax-Spitze. Die Tochter der Deutschen Post  hatte zum Jahresauftakt zwar die verschärfte Finanzkrise zu spüren bekommen und einen Gewinneinbruch verzeichnet, doch die Markterwartungen wurden übertroffen. Die operativen Ziele für das Gesamtjahr bestätigte das Management. Es blieb aber angesichts des unsicheren Marktumfelds vorsichtig und rechnet mit weiteren finanziellen Auswirkungen der Krise.

VW-Gerüchte sorgten für Aufregung

VW-Gerüchte sorgten für Aufregung

Für zeitweise Aufregung sorgte am deutschen Markt das Gerücht, Niedersachsen wolle bei Volkswagen  aussteigen und seinen rund 20-prozentigen Anteil an den zweiten Großaktionär Porsche  verkaufen. Die Aktien von VW und Porsche drehten daraufhin deutlich ins Plus. Ein Sprecher der niedersächsischen Staatskanzlei dementierte die Gerüchte jedoch. Am Abend notierten VW 1,5 Prozent im Plus bei 187,99 Euro, Porsche lagen 2,4 Prozent höher bei 130,75 Euro.

Die Deutsche Telekom  hatte dank massiver Einsparungen im Auftaktquartal ihr Ergebnis stabilisiert, was von zahlreichen Analysten positiv eingeschätzt wurde. Zudem ist der Einstieg des Konzerns bei der griechischen Telekomgesellschaft OTE nach Angaben aus Regierungskreisen in Athen greifbar nahe gerückt. Die Aktie schloss nach einer Berg- und Talfahrt 2,00 Prozent höher bei 11,75 Euro.

Für das Dax-Schwergewicht Münchener Rück  ging es dagegen um 2,56 Prozent auf 121,45 Euro abwärts. Beim weltweit zweitgrößten Rückversicherer hatten Katastrophenschäden und ein Einbruch bei den Kapitalanlagen das erste Quartal getrübt. Die Analystenerwartungen wurden enttäuscht.

Tui-Titel  büßten als Schlusslicht 5,57 Prozent auf 17,63 Euro ein. Die Unternehmensspitze hat den Machtkampf gegen eine Gruppe rebellischer Aktionäre gewonnen, aber damit möglicherweise nur einen Etappensieg errungen. Nach einer teilweise turbulenten Hauptversammlung kündigte die Gruppe um den norwegischen Reeder und größten Investor John Fredriksen an, ihren Feldzug gegen die Führung des Reise- und Schifffahrtskonzerns fortzusetzen.

Tognum-Aktien sacken ab

Tognum-Aktien sacken ab

Im MDax trieben laut Händlern Gerüchte um ein Interesse des US-Investors Warren Buffet die Papiere von Heidelberger Druck  um 2,84 Prozent auf 17,76 Euro hoch. Das Unternehmen wollte die Spekulationen nicht kommentieren.

Dagegen büßten die Titel des Dieselmotorenherstellers Tognum  als schwächster Wert 9,31 Prozent auf 17,64 Euro ein und litten damit unter dem laut Börsianern enttäuschenden Quartalsbericht. MLP-Papiere  gaben um 4,32 Prozent auf 10,84 Euro nach. Ein Händler verwies auf eine Stimmrechtsmitteilung, der zufolge die Landesbank Berlin Holding am 2. Mai die Schwelle von 5 Prozent der Anteile des Finanzdienstleisters unterschritten hat, sowie auf charttechnische Gründe.

Die Fraport-Aktie  verbuchte nach der Zahlenvorlage Verluste von 0,85 Prozent auf 46,79 Euro. Vor allem der Überschuss habe enttäuscht; die restlichen Zahlen hätten keine großen Überraschungen geboten, hieß es am Markt.

Die Immobiliengesellschaft IVG  war zwar schwach in das Jahr 2008 gestartet, doch die Erwartungen der Analysten waren negativer gewesen als die gemeldeten Zahlen. Die Aktie stieg um 1,71 Prozent auf 17,28 Euro. Im TecDax büßten Aixtron-Aktien  als Schlusslicht 11,26 Prozent auf 9,14 Euro ein. Der Spezialmaschinenbauer hatte im ersten Quartal überraschend einen leichten Umsatzrückgang verbucht und verunsicherte den Markt mit Warnungen vor einem Abschwung, bekräftigte aber die Jahresprognosen

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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